Dieser Kamener Markthändler will länger öffnen, versteht aber seine Kollegen

dzWochenmarkt-Öffnungszeiten

Längere Öffnungszeiten für den Kamener Wochenmarkt sind gescheitert. Im Interview erzählt Gewürzhändler Marco Klopsch, warum er für eine Stunde mehr ist und warum er die Kritiker versteht.

12.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Ein Duft von Gewürzen und Tee liegt in der Luft. Am Stand von Marco Klopsch, 45, auf dem Kamener Wochenmarkt gibt es über 350 verschiedene Produkte. Gefragt sind zum Beispiel Cajun-Gewürze zum Grillen, aber auch Früchtetees der Sorte „Frozen Blueberry mit Joghurt-Geschmack“. Der Markthändler aus Bergkamen äußert sich im Interview zum Ergebnis einer städtischen Marktumfrage. Dabei kam heraus, dass eine knappe Mehrheit der Händler eine Verlängerung des Wochenmarkts dienstags und freitags um eine Stunde von 13 auf 14 Uhr ablehnt.

Herr Klopsch, ist es Ihnen persönlich zu viel, eine Stunde länger auf dem Markt für die Kunden da zu sein?

Nein, ist mir nicht zu viel. Ich wäre auch der Befürworter, es tatsächlich zu probieren. Ich finde aber Ihre Frage eher negativ. Es geht nicht um „zu viel“, sondern darum, ob es machbar ist. Eine Stunde länger öffnen ist nicht für jeden Händler machbar.

Ist es für Sie machbar, und wie ist es für Ihre Kollegen?

Bei mir ist es ganz einfach: Ich habe es nicht weit bis nach Hause. Ich muss noch ein bisschen Nachbearbeitung machen an manchen Tagen. Ich habe Tee und Gewürze und brauche das nicht in ein Kühlhaus zu packen. Ich stelle meinen Anhänger ab und bin fertig mit meiner Arbeit. Jedenfalls dienstags und freitags. Ich weiß von Kollegen, dass einige Anschlussmärkte haben, und ich weiß auch, dass einige, obwohl der Markt nur bis 13 Uhr geht, tatsächlich 12 Stunden arbeiten.

Wie sieht der Arbeitstag eines Markthändlers aus, der schon früh beginnt?

Das ist unterschiedlich. Mein Arbeitstag hat zwischen acht und 12 Stunden. Ich weiß von Obst- und Gemüsehändlern, dass sie mitunter um 2 Uhr morgens aufstehen, um ihre Waren vom Großhandel zu holen.

Ließen sich längere Öffnungszeiten durch eine andere Organisation hinbekommen, zum Beispiel Schichtdienst?

Wer soll das bezahlen? Ich meine, das ließe sich machen, in dem man Leute anstellt, aber das muss finanzierbar sein. Markthandel ist nichts, womit man reich werden kann.

Dieser Kamener Markthändler will länger öffnen, versteht aber seine Kollegen

Der Kamener Wochenmarkt findet dienstags und freitags statt (Archivfoto). © Stefan Milk


Sehen Sie eine Kompromissmöglichkeit? Könnte man die Stände so aufstellen, dass diejenigen, die eher fahren wollen, eher fahren können?

Ich denke, das ließe sich machen. Es gibt da aber eine Frage.

Ob Händler dafür ihren Stammplatz aufgeben?

Ja, da bin ich ehrlich. Ich habe einen guten Platz mittendrin, auf der Kreuzung Weststraße/Willy-Brandt-Platz. Den möchte ich nicht hergeben. Zweitens weiß ich von einem attraktiven Marktstand, der nach 13 Uhr weg wäre. Das macht den Markt dann nicht mehr so attraktiv für Kunden, die später kommen. Wenn um 13 Uhr der halbe Markt abhaut, dann braucht man die Öffnungszeiten nicht zu verlängern. Dann kann man das einfach sein lassen.

Die Stadt hat in einer Umfrage auch nach der Bereitschaft für einen Nachmittagsmarkt gefragt. Diese war gering. Was wäre, wenn Kamen einen dritten Markttag einführt, dann mit einem Nachmittagsmarkt?

Dafür würden sich definitiv Händler bewerben. Ich nicht. Wir haben es dreimal versucht in drei verschiedene Städten und haben festgestellt, dass für unsere Artikel ein Feierabend- oder Nachmittagsmarkt nichts ist. Da wird gegessen, da wird getrunken. Ich finde auch, dass Kamen nicht unbedingt eine Stadt für einen dritten Markttag ist.

Der Kamener Wochenmarkt auf dem Willy-Brandt-Platz, auf der Marktstraße und auf der Weststraße ist dienstags und freitags von 8 bis 13 Uhr geöffnet.
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