Wenn die Vandalen am Seseke-Ufer weg sind, kommen die Aufräumer Dieter Jasper und seine Kollegen. Diesmal rücken sie sogar mit einem Kran an, um die Spuren der Zerstörungswut zu beseitigen.

Kamen

, 31.05.2019, 16:37 Uhr / Lesedauer: 3 min

Umgeknickte Schilder, herausgepulte Pflastersteine und zerstörte Infotafeln: Dieter Jasper und seinen Kollegen geht die Arbeit nicht aus. Die Mitarbeiter des Lippeverbands fischen alles heraus, was Vandalen in den Fluss werfen. Wer auf dem beliebten Sesekeweg rohe Kräfte sinnlos walten lässt, bürdet den Männern des Betriebsdiensts zusätzliche Arbeit auf. Die Schäden wiederum treffen die Mitgliedskommunen des Wasserverbands – und damit auch die Abwassergebührenzahler in den Anrainerstädten.

An einem sonnigen Maitag steht Dieter Jasper auf der Sesekebrücke östlich der Mühlbach-Mündung in Heeren-Werve und schaut auf den Fluss. Rund drei Meter unter ihm liegt ein herausgerissener Schilderpfosten samt Betonfundament im Wasser. Für die unbekannten Täter, die das Teil hinabgeworfen haben, muss es ein Kraftakt gewesen sein.

Den Vorschlaghammer immer dabei

Jasper bespricht mit seinen Kollegen Marcel Schenkel und Manfred Schulz, wie sie das schwere Objekt am besten aus dem Wasser und hoch auf die Brücke bekommen. Das Wasser ist flach, vom Ufer geht eine Treppe zur Brücke hoch. Doch Schleppen ist keine Option, es kommt der kleine Kran des Dienstfahrzeugs zum Einsatz.

„Kriegen wir das so hoch?“, fragt Jasper. „Nein, ich zieh‘ mir die Wathose an“, sagt Schenkel. „Wir haben auch eine Mottek dabei“, sagt Jasper. „Wir versuchen es mal so“, meint Schenkel.

Schenkel zieht sich die dunkelgrüne Wathose an, geht die Uferböschung hinunter und steigt ins Wasser. Es reicht ihm bis zum Knie. Manfred Schulz fährt auf der Brücke den Kran aus und lässt den roten Maschinenarm herumschwenken. Ein Stahlseil mit einem Haken senkt sich herab. Schenkel packt das Seilende und schlingt es um Schild und Sockel, dann zieht die Seilwinde an und es geht aufwärts mit der sperrigen Ladung. Das kaputte Schild wird auf der LKW-Pritsche verstaut und später zum Bauhof des Lippeverbands in Hamm gebracht.

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Was alles in der Seseke landet

Altreifen aus dem Wasser geholt

Alles, was nicht in die Seseke hineingehört, wird auf das Betriebsgelände transportiert: Bauschutt, Mischabfälle, Holz, Altreifen und Metall lagern dort. „Sie glauben nicht, wie viele Leute ihre Reifen in den Fluss werfen“, sagt Jasper. „Schilder haben wir schon ein paar aus der Seseke geholt.“ Das Schild von der Sesekebrücke an der Mühlbach-Mündung hatten die Aufräumer erst vor einiger Zeit wieder an Ort und Stelle festbetoniert, nachdem es ein erstes Mal herausgerissen worden war. Offenbar nicht fest genug für die Euphorie, die Alkoholkonsum freisetzt. „Da haben die Leute drei Promille drin und die überschüssigen Kräfte müssen weg“, versucht sich Jasper an einer Erklärung für den Übermut.

Solche Fälle von Sachbeschädigung findet der Gewässerfachmann auch wegen des damit verbundenen Aufwands höchst ärgerlich. „Die Zeit könnten wir sinnvoller verwenden“, sagt der Wasserwerker. Der Betriebsdienst ist in seinem Revier für einen 50 Kilometer langen Lippe-Abschnitt plus 35 Kilometer Nebenflüsse (darunter die Seseke) zuständig. Dazu kommen Stauraumkanäle und Regenrückhaltebecken. Kontrollgänge und -fahrten sind bei natürlichen Gewässerläufe achtwöchentlich und „auf Zuruf“ vorgesehen, bei abwasserführenden Anlagen häufiger.

Staudamm mit Pflastersteinen gebaut

In den Tagen vor der Schilderaktion an der Seseke musste der Betriebsdienst einen größeren Schaden an einem Bach in Hamm beseitigen. Vermutlich spielende Kinder oder Jugendliche hatten mehrere Quadratmeter Pflastersteine aus einer Uferbefestigung gerupft und damit einen Staudamm gebaut.

Der Sesekeweg ist eine beliebte Strecke für Radler und Fußgänger und wurde erst vor einigen Jahren nach der Renaturierung des Flusses erschlossen. „Es ist schön geworden“, meint Jasper. Doch nicht jeder, der sich hier aufhält, benimmt sich. Nicht nur an Sitzbänken auf der Strecke landet oft Müll in den Anlagen. Spuren von Grillpartys und Zechgelagen finden sich oft auch im Bereich der Sesekebrücke an der Mühlbach-Mündung. „Ich habe hier schon einen Einweggrill gefunden“, sagt Schenkel, der Mann mit der Wathose.

Diese Männer fischen heraus, was andere in den Fluss werfen

Manfred Schulz, Marcel Schenkel, Dieter Jasper (v.l.n.r.) vom Betriebsdienst des Lippeverbands. Sie haben ein Schild geborgen, das unbekannte Täter in den Fluss geworfen haben. © Carsten Fischer

Kapitulation vor Schäden droht

Bislang scheint der für die Pflege verantwortliche Wasserverband nicht vor Vandalismusschäden kapituliert zu haben. Allerdings lässt die Neuinstallation einzelner zerstörter Infotafeln noch auf sich warten. So fehlt derzeit eine Stele, die nahe der Ostenmauer an das Sesekeprogramm und dessen Vater Klaus Matthiesen erinnert. Verbandssprecherin Anne-Kathrin Lappe sagt, dass eine Bestandsaufnahme für das gesamte Verbandsgebiet andauere. Danach soll entschieden werden, ob es Ersatz gibt.

Die Eigentümer des Seseke-Uferwegs versetzen sich offenbar auch selbst in die Köpfe von Vandalen hinein, um gegen alle möglichen Zerstörungsformen gewappnet zu sein. „Wir müssen Stelen finden, die viel aushalten, graffitiresistent sind, eine dicke Verankerung haben und nicht angezündet werden können“, so Lappe.

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