Die Zeit der summenden Plagegeister neigt sich dem Ende entgegen

dzPopulation profitiert von Wetterbedingungen

Die Wespen sind los und haben es auf Süßigkeiten aller Art abgesehen. Besonders betroffen sind Bäckereien und Eisdielen. Bald ist die Zeit der nervenden Insekten aber vorbei.

von Niklas Mallitzky

Kamen

, 18.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Schier endloser Sonnenschein hat in den vergangenen Wochen für sonnige Gemüter gesorgt. Doch mit dem Königswetter hat auch die zuweilen ungeliebte Wespe ein großes Comeback erlebt. Wer kennt es nicht? Kaum steht in der Eisdiele die heiß ersehnte Köstlichkeit auf dem Tisch, fordern die schwarzgelben Plagegeister ihren Tribut. In diesem Jahr scheinen besonders viele Wespen ihr Unwesen zu treiben, auch Renato de Tata, dem Betreiber der Eisdiele „San Remo“, ist das bereits aufgefallen. „Am Sonntag war es richtig schlimm“, erinnert er sich. „Da sind die Gäste regelrecht ins Innere der Eisdiele geflüchtet.“ Sicher waren sie auch hier nicht wirklich, die Tiere verfolgten sie weiter. Auch angebliche Hausmittel versagten ihren Dienst, berichtet de Tata: „Wir haben Kaffeepulver verbrannt, weil wir gehört hatten, dass das helfen solle. Die Wespen blieben aber unbeeindruckt.“

Auch die Bäckerei „Heuel“ am Kamener Quadrat hat schon Erfahrungen mit den Hautflüglern gemacht. Die wären in diesem Jahr besonders penetrant und aggressiv, glaubt Mitarbeiterin Vanessa Schmidt. Auf Hausmittel wollen sie sich nicht verlassen, in der Sonne erwärmte Münzen führten nicht zum Erfolg. „Jetzt haben wir ein Gerät bestellt, das die Wespen angeblich fernhält.“ Wie genau und ob das Gerät funktioniert, weiß Schmidt noch nicht.

Mehr Wespen unterwegs als üblich

Doch stimmt es überhaupt, dass in diesem Jahr mehr Wespen als gewöhnlich unterwegs sind? Zumindest auf lokaler Ebene kann Klaus Klinger, Leiter der Ökologiestation in Heil, dieses Gefühl bestätigen. „Hier haben wir tatsächlich einen Anstieg der Population, das Gefühl täuscht also nicht.“ Das hänge vor allem mit den Witterungsbedingungen zusammen, meint Klinger: „Es war in diesem Jahr einfach besonders warm und dazu noch trocken. Für die Wespen sind das ideale Bedingungen.“ Dass es die Tiere nur auf Süßigkeiten abgesehen haben, kann Klinger allerdings nicht bestätigen. Denn die Wespen sind vor allem unterwegs, um Nahrung für die Brut ausfindig zu machen.

Die verlangt aber nicht nach Zucker, sondern nach Eiweiß. Woher das kommt, ist den Wespenlarven völlig egal. „Das kann genauso gut von dem Fleisch eines verwesenden Tierkadavers sein wie dem heimischen Wurstbrot.“ Die Annahme also, mit der Verbannung von Süßspeisen vom morgentlichen Frühstückstisch könnte man auch die lästigen Insekten wieder loswerden, ist ein Trugschluss. Auch Fressfeinde hat die Wespe nicht wirklich, einzig die Hornisse nimmt es hin und wieder mit ihrem Artgenossen auf. Doch die Zahl der Wespen, die von Hornissen getötet werden, ist im Vergleich zu ihrer Populationsgröße und der schnellen Verbreitung nur ein geringer Prozentsatz. Klinger weiß: „Das Aussetzen von Hornissen zur Bekämpfung von Wespen kann nicht funktionieren.“ Anders herum ist das schon etwas anderes.

Die Zeit der summenden Plagegeister neigt sich dem Ende entgegen

Hier ist es ein Apfel, aber auch vor Wurstbroten machen Wespen nicht Halt. © Reinartz

Denn für viele andere Insekten ist die Wespe ein ernstzunehmender Gegenspieler, sie frisst Raupen genauso wie Heuschrecken, verschiedene Fliegenarten, Spinnen und sogar Mücken. Nun hat es die Wespe natürlich nicht auf Menschenfleisch abgesehen. Die süßen Sachen steuern die Tiere erst an, wenn die Aufzucht der Brut beendet ist. Ab September ist der Spuk meist schon wieder vorbei.

Ein Wespennest im Garten ist für viele Hausbesitzer eine Schreckensvorstellung. Tatsächlich ist ein Leben mit den gestreiften Insekten aber gar nicht so beschwerlich, wie so mancher vermuten. „In den meisten Fällen kann das Nest einfach an Ort und Stelle bleiben“, meint Klaus Klinger. „Tatsächlich sind es nur zwei der heimischen Wespenarten, die uns beim Eisessen im Freien stören.“ Ohne Grund würden die auch nicht angreifen. „Jeder Angriff ist provoziert, wenn auch nicht immer gleich offensichtlich.“

Nester nicht ohne Genehmigung entfernen

Während einige Wespenarten Nester in verlassenen Tierhöhlen wie Mäusenestern bauen, bauen andere ein frei hängendes Nest. Die Störenfriede an den Kaffeetafeln gehören fast immer der ersten Gruppe an. Hier gilt: Einigen Abstand zum Nest halten und den Eingang nicht versperren, das minimiert die Chancen auf einen Angriff. Die Beseitigung der Nester bedarf immer einer Genehmigung, denn Wespen sind wie alle Wildtiere vom Bundesnaturschutzgesetz betroffen.

Wer zumindest im Garten von den Hautflüglern verschont bleiben will, muss nur eine Ablenkung aufstellen. Besonders gut funktionieren hier überreife Trauben und generell reifes Obst. Oft wird in diesem Zuge auch empfohlen, das Fallobst aus dem Garten rasch zu entfernen. Hier widerspricht Klinger. „Das Fallobst bietet auch anderen Tieren im Garten viel Nahrung. Aus ökologischer Sicht wäre es also besser, das Obst erst mal liegen zu lassen.“ Zu einer Entfernung eines Nestes rät er nur in Sonderfällen: „An einem Spielplatz oder Kindergarten kann das durchaus sinnvoll sein.“

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