Warnung vor „Kanalhaien“: Wenn die Gefahr nicht unter der Erde lauert, sondern an der Haustür

dzStadtentwässerung

Die Kamener Stadtentwässerung erlebt es immer wieder: Unseriöse Firmen bieten zu Wucherpreisen Arbeiten an, die sie dann schlecht ausführen. Sogenannte „Kanalhaie“ lassen sich aber leicht entlarven.

Kamen

, 08.01.2020, 12:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn es an der Tür klingelt und jemand vor der Tür steht, der anbietet, die Grundstückanschlussleitung zu untersuchen, dann sollte man hellhörig werden. Denn für so etwas ist eigentlich die Stadtentwässerung zuständig. Und die kontrolliert die Kanäle ohne dass Hausbewohner etwas davon mitbekommen.

Wie der Technische Betriebsleiter Bernd-Josef Neuhaus erklärt, filmt die Stadtentwässerung das Innere der Hauptrohre mit Kameras. In die Hausanschlüsse fahren sie mit ferngesteuerten Kameras. „Die Bewohner merken gar nicht, dass wir da sind“, sagt Neuhaus.

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Anders ist das bei unseriösen Anbietern, die laut Niehaus vor allem Senioren und alleinstehende Frauen als Opfer erwählen. Sie klingeln an der Tür oder rufen an und geben sich als seriöses Unternehmen aus. Sie versuchen Verträge abzuschließen, geben vor, die Leitungen fachmännisch zu kontrollieren und sanieren sie dann mit selbstklebenden Schläuchen.

„Sie machen alten Leuten ein schlechtes Gewissen“, so Niehaus. Sogenannte „Kanalhaie“ warnten zum Beispiel vor plötzlichen Verstopfungen der Rohre, durch die Besucher die Toilette nicht mehr benutzen können.

Stadtentwässerung Kamen warnt vor Betrügern

Damit Kamener nicht auf solche Ausreden hereinfallen, warnt die Stadtentwässerung auf ihrer Internetseite vor Kanalhaien. Niehaus bekommt solche Fälle immer wieder mit. In einem aktuellen Fall steht die Stadtentwässerung einem Rentner bei, der hinters Licht geführt wurde und nun gegen die Kanalhaie angeht.

Warnung vor „Kanalhaien“: Wenn die Gefahr nicht unter der Erde lauert, sondern an der Haustür

Zwei Mitarbeiter der Stadtentwässerung Kamen lassen die kleine Kamera mit einer Seilwinde herab. Mit ihr werden die Kanäle kontrolliert. Die Bilder der Kamera können direkt im Wagen ausgewertet werden. © Marcel Drawe (Archiv)

Die Stadtentwässerung steht jederzeit für Beratungen bereit. Wer sich nicht sicher ist, ob er es mit einem Unternehmen zu tun hat, das von den zuständigen Behörden anerkannt ist, der kann sich dort Rat suchen.

Auch die Verbraucherzentrale an der Kirchstraße 7 ist eine mögliche Anlaufstelle. Die Verbraucherzentrale NRW warnt im Netz ebenfalls vor Betrügern. Wichtig sei es, sich nicht von den Schreckensszenarien der Betrüger unter Druck setzen zu lassen.

Von Schnäppchenpreisen unter 100 Euro dürfe man sich nicht verführen lassen. Besonders für Bewohner in Wasserschutzgebieten sind die Preise der Prüfungen recht hoch. Dort muss man zwischen 300 und 600 Euro zahlen.

Auf der Internetseite des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen gibt es eine Suchmaske für „Sachkundige für Zustands- und Funktionsprüfung privater Abwasserleitungen“. Grundstückseigentümer sollten sich dort am Tag der Überprüfung vergewissern, dass der Sachkundige in der Landesliste eingetragen ist. Kommunen akzeptieren nur Prüfbescheinigungen von anerkannten Sachkundigen, die am Tag der Prüfung in der Landesliste gelistet sind.

So kommt man aus einem festen Vertrag wieder heraus

„Wenn Kanalhaie an der Haustür massiv zur Auftragserteilung drängen oder gar drohen, sollten Sie die Polizei rufen. Halten Sie dafür die Kontaktdaten der Kanalfirma bereit und schildern Sie den Vorgang in allen Einzelheiten“, rät die Verbraucherzentrale.

Warnung vor „Kanalhaien“: Wenn die Gefahr nicht unter der Erde lauert, sondern an der Haustür

Abwasserrohre können heutzutage mit Kameras kontrolliert werden. Es gibt auch unseriöse Firmen, die vorgeben, die Rohre zu untersuchen und dafür viel Geld verlangen. Man nennt sie „Kanalhaie“. © Marcel Drawe (Archiv)

Und wer doch einmal unterschreibt, hat noch nicht verloren. Eigentümer können den Vertrag innerhalb von 14 Tagen ab Vertragsschluss schriftlich widerrufen – am besten per Einschreiben mit Rückschein. Das geht auch, wenn die Arbeiten schon begonnen haben, denn „solange die Arbeiten noch nicht fertig gestellt sind, bleibt der Widerruf innerhalb der Widerrufsfrist möglich.“

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