„Die SPD hat im Moment Probleme, aber die größten Probleme hat die Demokratie“

dzFranz Müntefering im Gespräch

Kurz vor der SPD-Regionalkonferenz in Kamen mit dem Schaulaufen der Kandidaten für den Parteivorsitz ist Franz Müntefering vor Ort zu Gast. Trotz seines Buches über das Älterwerden sieht sich der 79-Jährige nicht auf dem Altenteil.

Kamen

, 26.09.2019, 14:28 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hoher Politbesuch in der Stadtbücherei – und das schon Tage, bevor die Kandidaten für die neue SPD-Spitze zur Regionalkonferenz in die Stadthalle kommen. Zu dem Termin am Samstag, 28. September, in der Kamener Stadthalle wird Franz Müntefering, einst Vize-Kanzler, Bundesminister und SPD-Chef, aber nicht gehen, erklärte er am Mittwochabend in der Stadtbibliothek. Dort stellte er sein Buch „Unterwegs – Älterwerden in dieser Zeit“ im Gespräch mit VHS-Leiter Dr. Thomas Freiberger vor. Beantwortet wurden dabei aber auch Fragen der anwesenden Zuhörer.

„Ich habe natürlich meine Favoriten“, erklärte Müntefering mit Blick auf die anstehende Wahl der Parteiführung, „aber ich werde mich hier nicht dazu äußern.“ An anderer Stelle nahm er jedoch kein Blatt vor den Mund. Auch wenn seine Forderung, die Beteiligung der Parteibasis an Entscheidungen wieder zurückzuschrauben, nur vereinzelten Applaus erhielt.

Nach Publikumsfrage wird es politisch

Richtig politisch wurde es bei Münteferings Besuch am Ende. Dabei war die letzte Publikumsfrage des Abends kurz: „Wie gefährlich ist die AfD für die Demokratie?“ Münteferings Antwort darauf kurz und knapp: „sehr“.

Er teile die AfD-Anhänger in drei Kategorien, begründete der einstige Spitzenpolitiker seine Meinung: in Protestler gegen die etablierten Parteien – „mit denen spreche ich auch“ –, in Motzer und Attackierer, die ihrem Ärger Luft machten, „und in eine Gruppe sehr kluger Leute, die die Demokratie nicht wollen. Und das ist ernst!“, betonte Müntefering inbrünstig, der bis dato entspannt und humorvoll über das Älterwerden und den Umgang der Gesellschaft damit gesprochen hatte.

„Die SPD hat im Moment Probleme, aber die größten Probleme hat die Demokratie“

Mit trockenem Humor und gut gelaunt plauderte Franz Müntefering über das Älterwerden im Allgemeinen und seine eigenen Erfahrungen damit. © Stefan Milk

Die größten Probleme hat die Demokratie

Man lebe in Zeiten, in denen Demokratiegegner Machtpositionen in Osteuropa innehaben und in denen Präsidenten twittern – oftmals gegen ihren eigenen Stab. „Die SPD hat im Moment ohne Frage Probleme“, sagte Müntefering. „Aber die größten Probleme hat die Demokratie.“ In Deutschland hätten die Parteien ihre Brückenfunktion verloren, alle seien über vieles informiert, aber eine gemeinsame Basis fehle. „Bei Ortsvereinsversammlungen geht sehr viel Zeit verloren, bis alle auf Stand sind“, hat Müntefering beobachtet.

Volksparteien haben Verantwortung für das Ganze

Für eine Volkspartei hält Müntefering die SPD aber noch immer: „Es geht dabei um die Verantwortung für das Ganze, das ist keine Frage der Prozente“, erklärte der 79-Jährige. Und für funktionierende Parlamente brauche man darin sitzende Menschen mit Kompetenz und Verantwortungsbewusstsein, erteilte Müntefering Volks- und Mitgliederbefragungen eine klare Absage.

Dabei war es am restlichen Abend eigentlich um einen entspannten Umfang mit dem Älterwerden gegangen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Neue Mitwirkungsmöglichkeit

Der Bürgerhaushalt in Kamen ist tot, es lebe der Bürgerhaushalt

Meistgelesen