Erst nach anderthalb Jahren sind die Spuren des Feuers beseitigt, bei dem die Großküche im Perthes-Zentrum zerstört wurde. Die neue Küche ist viel größer - für bis zu 1500 Mittagessen täglich.

Kamen

, 18.11.2019, 15:20 Uhr / Lesedauer: 3 min

Schnitzel, Rotkohl, Schwenkkartoffeln. Aus den Töpfen, Pfannen und Kesseln dampft es wieder. Nach dem Großbrand ist jetzt nur noch Feuer in den Töpfen, wenn scharf gewürzt wird. Nahezu zwei Jahre hat es gedauert, bis die Super-Küche im Perthes-Zentrum wieder unter Dampf steht.

Im Februar 2018 war nach Brandstiftung ein Teil des Perthes-Zentrums in Flammen aufgegangen. Plötzlich gab es ein riesiges Versorgungsproblem. Nicht nur für die 151 Bewohner und die 18 Gäste der Tagespflege. Sondern auch für die Kindergärten, die vom Perthes-Zentrum beliefert wurden. Für die Bewohner des Pröbstinghauses und des Hauses Mühlbach in Heeren-Werve. Für Senioren aus dem Ortsteil, die Essen auf Rädern bestellen. Und auch für die Kunden des Catering-Services, der Konfirmationen, Hochzeiten und anderlei Familienfeste über die Ortsgrenze hinaus versorgte.

Etwa 500 Mittagsessen täglich - auf einen Schlag nicht mehr möglich. Jetzt ist alles neu und viel größer - für bis zu 1500 warme Mahlzeiten.

Die neue Super-Küche bei Perthes: Nach dem Großbrand nur noch Gewürzfeuer

Köchin Regina Knoll schneidet Fleischkäse. Nach dem Brand vor anderthalb Jahren ist die Großküche komplett erneuert worden. © Stefan Milk

Feuer griff auf Cafeteria und Küche über

Ein Brandstifter, der bisher nicht gefasst wurde, hatte im Februar 2018 einen Müllcontainer auf dem Parkplatz angezündet. Das Feuer war erst auf ein abgestelltes Auto übergegriffen, dann auf Speisesaal und Cafeteria und schließlich auf die Küche. Der Großeinsatz mit 90 Kräften von Polizei und Feuerwehr hatte das Gebäude eine Nacht lang in Blaulicht getaucht.

Einrichtungsleiterin Helga Maday hat die Ereignisse noch plastisch vor Augen. „Ja, das sitzt noch tief. Nicht, dass man jeden Tag daran denkt. Aber wenn jetzt so ein Anlass kommt, wie die Eröffnung der neuen Küche, dann ist dieses Gefühl wieder da. Und man kann nur sagen. Gott sei Dank ist niemandem etwas passiert!“

Die neue Super-Küche bei Perthes: Nach dem Großbrand nur noch Gewürzfeuer

Hauswirtschafterin Gezer Kübra bedient die Hochleistungsspülmaschine. Sie funktioniert wie eine Autowaschanlage. Was auf der einen Seite schmutzig hinein geht, kommt auf der anderen Seite sauber hinaus. © Stefan Milk

Container-Provisorium an der Südkamener Straße

Seit 34 Jahren ist Helga Maday im Perthes-Zentrum beschäftigt, vor zehn Jahren übernahm die Unnaerin die Leitung des Hauses. In den vergangenen anderthalb Jahren hatte sie zusammen mit Betriebsleiterin Christina Gehse reichlich Arbeit, um die Arbeit des 21-köpfigen Küchenteams, das von 6 bis 20 Uhr in zwei Schichten arbeitet, übergangsweise zu organisieren.

„Das war kräftezehrend“, sagt Gehse. Nach dem Brand konnte die Versorgung nicht mehr aus eigener Kraft geleistet werden.

Die neue Super-Küche bei Perthes: Nach dem Großbrand nur noch Gewürzfeuer

Köchin Jennifer Triemer an der gekühlten Entsorgungsstation, dem sogenannten Konfiskatkühler gegen Gerüche aus Essensresten. © Stefan Milk

Das Perthes-Haus in Hamm sprang für einige Monate für die Bewohner ein. Das Perthes-Haus in Holzwickede übernahm die Versorgung der drei Kindergärten der Ev. Gemeinde Kamen.

Einige Monate später, im Juli 2018, die erste Verbesserung: Eine Containerküche, aufgestellt an der Südkamener Straße, ging als Provisorium in Betrieb: Große Module mit Bandspülmaschine, Kippbratpfannen und Kochkessel. Viel beengter und mit weiteren Wegen - „bei jeder Witterung, das war eine Herausforderung“, so Gehse.

Die neue Super-Küche bei Perthes: Nach dem Großbrand nur noch Gewürzfeuer

Betriebsleiterin Christina Gehse in den modernisierten Kühlräumen im Untergeschoss. Weitere Kühleinheiten gibt es direkt in der Küche, damit weite Wege vermieden werden. © Stefan Milk

Jetzt ist alles neu, hochmodern und großzügig

Jetzt ist alles neu, hochmodern und großzügig. Das Perthes-Werk investierte ca. 2,5 Millionen Euro in Sanierung der brandgeschädigten Räume und Einrichtung der Großküche, die nun mit ca. 800 Quadratmetern deutlich größer ist, weil sie auf Bereiche im Untergeschoss ausgeweitet wurde. Im Erdgeschoss Edelstahlfronten, wohin man blickt. Mit einer Bandspülmaschine, die zusammen mit der Topfspülmaschine einen ganzen Raum einnimmt. In der Küche nebenan riesige Multigarer, in die 150 Liter Gulaschsuppe locker hinein gehen. „Eine Art Thermomix in groß“, wie Gehse schmunzelnd sagt.

Die neue Super-Küche bei Perthes: Nach dem Großbrand nur noch Gewürzfeuer

Das Bedienfeld des Multigarers ist so groß wie ein Navigationsgerät im Auto - und genauso zielführend, was schmackhafte Mittagessen betrifft. © Stefan Milk

Dazu digital gesteuerte Kombidampfgarer, voluminöse Schockkühler, überdimensionale Kessel und eine Ceranfeld-Landschaft mit Kochtopferkennung. „Die neuen Geräte - die sind Wahnsinn“, sagt Maday begeistert. Und selbst für die Speisereste und den Bioabfall gibt es eine technische Lösung: Den sogenannten Konfiskatkühler gegen Schimmel und Gerüche.

Maday ist sich bewusst, dass so eine Investition nicht selbstverständlich ist. „Man hätte ja auch nur den alten Stand wiederherstellen können. Aber nein, Perthes ist da weit drüber hinaus gegangen.“

Die neue Super-Küche bei Perthes: Nach dem Großbrand nur noch Gewürzfeuer

Einrichtungsleiterin Helga Maday im Lager. Sie freut sich über die Großinvestition, nachdem die Küche bei einem Feuer zerstört wurde. © Stefan Milk

Sauerbraten, Knödel, Rotkohl: Alles aus der Superküche

Sauerbraten, Knödel, Rotkohl. Oder ganz urwestfälisch Pfefferpotthast. Die rustikalen Gerichte sind es, die im Haus stark nachgefragt sind. Aber auch vegetarische Gerichte sind im Kommen. Das Küchenteam geht nun mit neuem Elan an die Arbeit, um jetzt auch wieder all die anderen Einrichtungen und Kunden zu beliefern. Mit der Super-Küche, in der es nur noch Gewürzfeuer gibt.

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