„Die Nation ist aufgebrochen, wie ein Pestgeschwür“

Konzert mit den letzten Heulern

Das Konzert „Zwischen Bar und Barrikade“ ist ein Appell für ein friedliches Zusammenleben von Menschen verschiedenen Glaubens, verschiedener politischer Einstellung oder Herkunft.

05.11.2018, 12:34 Uhr / Lesedauer: 2 min
„Die Nation ist aufgebrochen, wie ein Pestgeschwür“

Reinhard Fehling setzt das Gilbert-Konzert am Sonntag in den historischen Kontext.Drawe © Borys Sarad

Das Konzertprogramm „Zwischen Bar und Barrikade“, das am kommenden Sonntag um 18 Uhr in der Konzertaula seine Premiere erleben wird, ist nicht zuletzt ein eindringlicher Appell für ein friedliches Zusammenleben von Menschen verschiedenen Glaubens, verschiedener politischer Einstellung oder Herkunft.

„Der Poet Robert Gilbert, dessen Texte Grundlage für sämtliche Rezitationen und Lieder des Abends sind, musste selbst das geliebte Deutschland verlassen“, berichtet Reinhard Fehling, Leiter des Chors „Die letzten Heuler“. Im „Abschied von Berlin“ (1933) schreibt Gilbert, der bis in die Haarspitzen voll deutscher Kultur war, von seinen Gefühlen vor dem Grenzübertritt: „Zollrevision. Devisen. Passkontrolle, achm man lässt mich durch, es ist gelungen. Da murmelt noch der letzte deutsche Bach: Es ist ein Ros entsprungen!/ Da, wo die galgenlangen Pappeln stehn, ade, Deutschland, ade. Wer weiß, ob wir uns wiederseh’n, am grünen Strand der Spree.‘

Nach den Exilstationen in Österreich und in den USA bis 1949 kehrte Robert Gilbert nach Deutschland zurück. Sein Berlin war, wie er es 1943 in einem „Stoßseufzer“ prognostiziert hatte, ein „wirrer Haufen Stein“‘: „...dass Du mal nicht mehr sein wirst von Spandau bis Neukölln. Da holt man zweimal Luft, um sich das vorzustelln.“ Er wusste von Anfang an genau, was jener „Aufbruch der Nation“, als den die Nazis den Beginn ihrer Ära priesen, in Wahrheit war: „Weil das Vaterland erwacht ist, müssen viele schlafen geh’n, weil’s die Lange Messer Nacht ist, will man Leichen sehn. Keiner braucht mehr anzupochen, mit der Axt durch jede Tür. Die Nation ist aufgebrochen:Wie ein Pestgeschwür!“

Seine revolutionären Anfangsjahre hat er später mit Distanz gesehen. Geblieben ist sein Einstehen gegen Militarismus, Rassismus und totalitäre Herrschaft. Seine Botschaft ist so aktuell wie eh und je. Die „Heuler“ laden alle ein die für ein offenes Miteinander in Kamen und anderswo eintreten und arbeiten. Eintrittskarten zu 12 Euro bzw. 6 Euro gibt es in der Mayerschen Buchhandlung und wahrscheinlich auch noch an der Abendkasse. In sozialen Härtefällen, so Fehling, könne nach Rücksprache mit einem Mitwirkenden freier Eintritt gewährt werden.

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