Im Amtsgericht Kamen wird weiter gearbeitet – der Direktor hat aber einen Appell

dzCoronavirus

Schulen schließen, Krankenhäuser grenzen ihre Besuchszeiten ein und Veranstaltungen werden abgesagt. Nur die Rathäuser sind noch geöffnet – und auch im Amtsgericht läuft der Alltag weiter. Noch.

Kamen

, 16.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Geschlossen, abgesagt, dicht. Das Coronavirus legt derzeit fast jede Einrichtung im Kreis Unna lahm. Schulen schließen, Veranstaltungen werden abgesagt. Im Amtsgericht Kamen läuft der Betrieb derweil weiter. Noch. „Bislang sind bei den Gerichtsverhandlungen, die nach dem Gesetz öffentlich zu verhandeln sind, keine Einschränkungen vorgesehen, wobei die Entscheidung über Terminierungen oder Terminaufhebungen allein durch die jeweiligen Richterinnen und Richter erfolgt“, erklärt Martin Vervoort, Direktor des Amtsgerichtes Kamen.

In dieser Woche soll der Dienstbetrieb nicht eingestellt werden. Die Gerichte haben laut Vervoort eine Vielzahl von Aufgaben, deren Dringlichkeit jedoch sehr unterschiedlich ist. „Wichtig ist, dass wir weiterhin die dringlichen Aufgaben erfüllen können, insbesondere im Bereich der Gefahrenabwehr und bei freiheitsbeschränkenden Maßnahmen.“

Eine Geschichte, wie sie kürzlich aus Hagen viral gegangen ist, kann Vervoort nicht erzählen. Ein Richter am Amtsgericht Hagen forderte zum Schutz vor dem Coronavirus Atemmasken in seinem Gerichtssaal. Das stand auf den Ladungen für die Sitzungen. Der Richter ist bisher ein Einzelfall. In Kamen gibt es nach derzeitigem Stand keine Verhandlungen mit Atemschutz oder Schutzkleidung.

Gerichtsverhandlungen in Kamen finden noch wie gewohnt statt

Und doch geht das sich derzeit schnell verbreitende Virus freilich nicht spurlos an dem Gericht, wo immer wieder Menschen aufeinandertreffen, vorbei. „Wir setzen bei uns im Haus auf Mitarbeiterinformation auch im Hinblick darauf, dass jahreszeitenbedingt in der Grippesaison sowieso vernünftiges hygienisches Verhalten nicht nur dieses Jahr selbstverständlich sein muss“, so Vervoort.

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Die Beschaffung von Desinfektionsspendern für den öffentlichen Raum sei veranlasst und in den Sanitärbereich seien ausreichend Desinfektionsmittel und Seife vorhanden. Und während es in manch einer Einrichtung verdächtig leer ist, läuft der Alltag am Gericht derzeit noch weiter. Auch im Amtsgericht Unna stehen für die nächsten Tage noch Termine im Sitzungskalender. Auszufallen scheinen sie nicht. „Dass das Gericht weniger besucht würde, ist bislang nicht festgestellt worden“, sagt der Direktor des Kamener Amtsgerichtes.

Er appelliert indes an die Bürger, sich genau zu überlegen, ob ihr Anliegen nicht ein wenig Aufschub verkraften könnte. „Wenn wirklich nur die eilbedürftigen und dringlichen Anliegen an uns heran getragen werden, ist es uns noch besser möglich, diese auch zu bearbeiten. Ich gehe davon aus, dass Verständnis dafür besteht, wenn es im normalen Betrieb zu Verzögerungen kommen wird“, so Vervoort

Keine Veranstaltungen mehr und wenn möglich keine sozialen Kontakte

Wie lange das noch so bleiben wird, ist fraglich. Schließlich ploppen dieser Tage immer mehr Meldungen über abgesagte Veranstaltungen und Schließungen auf. Und nicht nur öffentliche Gebäude oder Großveranstaltungen sind betroffen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Armin Laschet riefen dazu auf, auf soziale Kontakte zu verzichten.“

Zwar gibt es im Amtsgericht Kamen sicherlich dringende Fälle zu behandeln. Aber wundern würde es nicht, wenn auch die Türen dieses Gebäudes demnächst geschlossen blieben.

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