Die glücklichen Legehennen aus dem Hühnermobil

dzDer automatisierte Legebetrieb

Der mit Solarenergie gesteuerte Legebetrieb des Kürbishofs Ligges sorgt für Aufmerksamkeit an der Afferder Straße. 300 Hühner betreiben dort als Selbstversorger eine Art „Bio-Camping“.

Kamen

, 14.12.2018, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer bei der schnellen Vorbeifahrt glaubt, dass auf dem Feld an der Afferder Straße ein Campingplatz entstanden ist, der liegt nur fast richtig. Denn in dem weißen Verschlag, der an ein mobiles Wohnheim für Camper erinnert, leben Hühner. Nicht nur zwei oder sieben. Sondern genau 303 – 300 Legehennen und drei Hähne. Sie bilden den neuen Legebetrieb des Hofs Ligges, der über die Stadtgrenzen hinaus für den Anbau von Kürbissen bekannt ist. Das automatische Hühnermobil mit dem Namen „Hümo Plus Kombi“ bildet ein neues Standbein für den Wasserkurler Bauernhof, der stets kreativ mit Landwirtschaft umzugehen weiß.

Die glücklichen Legehennen aus dem Hühnermobil

Julius Ligges am normalerweise verschlossenen Legebereich. In der Schicht aus Dinkelspitz liegen frische Eier. © Marcel Drawe

220 Eier am Tag

Die Landwirte Volker Ligges (51) und Sohn Julius (22), der an der Fachhochschule Südwestfalen Agrarwirtschaft studiert, sind gerade dabei, die Ernte an dem zweistöckigen Gefährt einzufahren. „Zurzeit sind es täglich etwa 220 Eier“, berichtet Volker Ligges. Die Zahl steige von Tag zu Tag. Als die Legehennen noch jung waren – 18 Wochen Ende Oktober – seien es nicht mehr als 20 Eier gewesen. Seitdem steigt die Zahl. „Es könnten etwa 280 pro Tag werden“, so Julius Ligges.

Die Bedingungen für die Hühner sind ideal und entsprechen der Biolandverordnung. 1300 Quadratmeter Freifläche sind mit einem orange leuchtenden Weidezaun abgespannt. Jedem Huhn stehen damit durchschnittlich 4,3 Quadratmeter zur Verfügung. „Das ist noch etwas mehr als die vorgeschriebenen vier Quadratmeter“, so Volker Ligges.

Die glücklichen Legehennen aus dem Hühnermobil

Obergeschoss, Hühnermobil: Über einen Wassertank werden die Nippeltränken versorgt. Mit einer Spirale werden die Futterschalen aus dem Futtersilo beschickt © Marcel Drawe

Eier aus dem Automaten

Der Clou des Freiland-Legebetriebs ist aber das nahezu vollautomatische Hühnermobil. „Das Mobil ist komplett autark. Oben gibt es eine Photovoltaik-Anlage, innen einen Batteriespeicher, mit dem zu jeder Tageszeit Strom verfügbar ist“, so Volker Ligges. Dazu gibt es Wassertank und Futtersilo, die nur einmal wöchentlich nachgefüllt werden müssen. Ausgemistet wird ebenso nur einmal wöchentlich – über ein aufrollbares Mistband, das über eine Kurbel betrieben wird. „Es ist hier alles durchdacht und bis ins kleinste Detail ausgetüftelt“, freut sich der Landwirt über die neue Anschaffung. Vertrieben werden die frischen Eier auf dem Hof. Und auch dort gibt es eine kreative Lösung: Die Eier kann man sich per Selbstbedienung zu jeder Tageszeit holen – über einen Automaten, der in einem eigenen Raum auf dem Hof steht.

Die glücklichen Legehennen aus dem Hühnermobil

Volker Ligges am Hühnermobil, das vollautomatisch gesteuert wird. © Marcel Drawe

Steuerung mit der Astro-Uhr

Automatisch läuft auch der Betrieb im Hühnermobil ab, der unten einen sogenannten Kaltscharr-Raum und darüber den Stall mit langen Hühnerstangen, Futterschalen und Nippeltränken hat. Gesteuert wird der Prozess über die sogenannte „Astro-Uhr“, die über Sensoren erkennt, wann es hell und dunkel wird. Gesteuert werden damit Licht, Auslaufklappen, Fütterung und das Auslösen der Nestverriegelung.

Die glücklichen Legehennen aus dem Hühnermobil

Vorsichtig werden die Eier aus dem Legebereich genommen. Sie werden in sogenannte „Eierhürden“ gelegt.Drawe © Marcel Drawe

Eier werden selten „verlegt“

Diese wird erst geöffnet, wenn die Hühner ausreichend Auslauf und Futter erhalten haben. Dann können sie in den geschützten Bereich ihres zweigeschossigen Heims. „Der Legebereich ist mit Dinkelspitz ausgelegt“, berichtet Julius Ligges. Dinkelspitz ist die zarte Hülle des Getreides und bildet ein weiches Legebett. „Die Hühner suchen sich bewusst diese geschützte, dunkle Ecke“, so der Junior. Es komme kaum einmal vor, dass die Eier auch woanders gelegt – sozusagen „verlegt“ – würden.

Die glücklichen Legehennen aus dem Hühnermobil

Auf dem Feld gibt es reichlich Auslauf. In den Schutzhauben finden die Hennen Unterschlupf. © Marcel Drawe

Fünf Watt pro Huhn

Damit die Hühner auch immer etwas zu fressen haben, wird ihr Mobilheim etwa einmal wöchentlich versetzt. Über ein hydraulisches Fahrwerk wird das Mobil angehoben, sodass es mit dem Trecker weiter gezogen werden kann. So finden sie stets frische, grüne Wiesen, die ohne Nachsaat auskommen.

Die Federtiere können auch über Winter in ihrem Heim bleiben, weil das Fahrzeug und seine Segmente durchisoliert sind. „Man sagt, dass ein Huhn fünf Watt Energie abgibt“, schmunzelt Volker Ligges. Bei 300 Hühnern, die sich auf den zwei Geschossen verteilen, ergibt das einen ausreichenden „Heizwert“.

Die glücklichen Legehennen aus dem Hühnermobil

Die Anhängerkupplung, mit dem das Mobil regelmäßig an den Trecker gekoppelt wird, um es zu versetzen.Drawe © Marcel Drawe

Plötzlich Wirbel im Hühnerstall

Und doch ist plötzlich für Wirbel im Hühnerstall gesorgt. Als sich am Himmel ein Kleinflugzeug nähert, merken es die Hühner zuerst. Aufgeregt flattern sie los und suchen Schutz unter dem Wagen. „Sie halten das Flugzeug für einen Habicht“, erklärt Julius Ligges, als plötzlich kein Huhn mehr zu sehen ist. Als diese merken, dass keine Gefahr droht, ist die Aufregung schnell vorbei. Und vermutlich teilen sie die Einschätzung der beiden Landwirte: „Das System ist super. Mehr kann ein Huhn nicht haben.“

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