Den Volkstrauertag umbenennen? Lieber ein Friedenssonntag für gar kein Krieg

dzGedanken einer Pfarrerin

Pfarrerin Andrea Mensing hat sich Gedanken zum Volkstrauertag gemacht. Sie möchte den Tag als Friedenssonntag verstanden wissen. Wo Frieden ist, so ihre Schlussfolgerung, gibt es keinen Krieg.

Kamen

, 05.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zum Volkstrauertag wird es Veranstaltungen auch in Kamen und seinen Ortsteilen am Sonntag, 17. November, geben.

Der staatliche Gedenktag, der vor allem an die Kriegstoten der Weltkriege und Opfer der Gewaltbereitschaft und Gewaltherrschaft aller Nationen erinnert, gehört zu den sogenannten stillen Tagen.

Für Andrea Mensing, Pfarrerin der Ev. Gemeinde zu Heeren-Werve, ist es wichtig, auch das Thema „Frieden“ an einem solchen Tag in den Blickpunkt zu rücken. Deswegen würde sie den Tag auch gerne anders nennen, um in Zeiten wachsender Ausländerfeindlichkeit neue Bezüge zu setzen, die öffentlich stärker wahrgenommen werden. Eine geeigneter Name? Zum Beispiel „Friedenssonntag“.

Den Volkstrauertag umbenennen? Lieber ein Friedenssonntag für gar kein Krieg

Pfarrerin Andrea Mensing hat sich Gedanken zum Volkstrauertag gemacht und möchte den Tag auch als Friedenssonntag verstanden wissen. Denn dort wo Frieden ist, so ihre Schlussfolgerung, gibt es auch keinen Krieg. © Stefan Milk

Das lebenswerte Leben: Alternativen zum Krieg finden

„Wenn wir annehmen, dass das Leben lebenswert ist, und dass der Mensch ein Recht zu leben hat, dann müssen wir eine Alternative zum Krieg finden.“ Mensing zitiert hier Martin Luther-King. Sie will dem Volkstrauertag nicht seine Bedeutung rauben, aber mehr die Ursachen für Hass, Krieg und Verfolgung in den Blick nehmen, damit derlei durch kriegerisches Tun verursachtes Leid erst gar nicht entsteht.

Unter Berücksichtigung der Krisenherde dieser Welt gar nicht so einfach. Mensing hat eine Liste mit Reisewarnungen vor sich liegen mit Ländern, in denen unterschiedliche Konflikte mit Gewalt ausgetragen werden - von A wie Algerien bis Z wie Zentralafrika, jenes Land, von dem es heißt, dass Straßenkriminalität, Plünderung und militärische Handlungen zu befürchten seien.

Viele Kriegsschauplätze sind weit weg, andere Gewalt ist nah

Gedenkstunden

Kranzniederlegungen in allen Stadtteilen

  • Bereits am Samstag, 16. November, veranstaltet der Schul- und Heimatverein Westick um 18 Uhr am Gedenkstein am Feuerwehrhaus Westick eine Gedenkstunde.
  • Am Sonntag, 17. November, folgen gleich mehrere Veranstaltungen. So findet ab 10 Uhr im Buxtorfhaus in Südkamen ein ökumenischer Gottesdienst statt. Anschließend erfolgt der Gang zum Ehrenmal auf dem Friedhof.
  • Während um 10.30 Uhr die Gedenkstunde am Denkmal in Wasserkurl beginnt, erfolgt die Kranzniederlegung am Ehrenmal auf dem Lutherplatz vor der Margaretenkirche in Methler um 11.15 Uhr.
  • In Heeren-Werve findet die Gedenkstunde um 11 Uhr in der Trauerhalle auf dem Friedhof statt.
  • Die Gedenkstunde auf dem Friedhof in Kamen-Mitte beginnt um 15.30 Uhr. Hier erfolgt die Kranzniederlegung durch eine Abordnung des Patenbataillons der Bundeswehr und der Feuerwehr Kamen-Mitte.

Diese Schauplätze der Gewalt sind weit weg. Doch Schauplätze der Gewalt - auf andere Art und Weise gelagert - gibt es auch hier, so sagt sie.

Mensing berichtet von der älteren Dame an der Kampstraße, die gerade ihr Enkelkind auf den Rücksitz verfrachtete.

Da schob eine Frau mit einem Kinderwagen vorbei, gekleidet mit dunklem Gewand und Kopftuch. „Mit einem unglaublich freundlichen Ausdruck, ein wahres Elfengesicht“, erinnert sich die Pfarrerin. Doch die ältere Frau beschimpfte sie: „Wir wollen Euch nicht, geht doch dahin, wo ihr hergekommen seid!“ Für Mensing ein schockierendes Erlebnis. Sie stellte die Frau zur Rede. „Denn es wichtig, dass wir auch sagen, wenn etwas nicht in Ordnung ist.“ Sich gegen jenen Hass wenden, der durch eigene Probleme auf Flüchtlinge und Andersgesinnte projiziert wird.

Die gute Nachricht ist: Jeder kann etwas tun

Die eigenen Kriegsschauplätze befrieden. Für Mensing ein wichtiges Thema, das sie auch im Gottesdienst am Sonntag, 11 Uhr, in der Trauerhalle des Friedhofs thematisieren wird. Ein besonderer Gottesdienst, bei dem Seppel Opfermann die Melodie der UN-Charta mit Musik von Händel mischt.

Auch der Singekreis Kamen-Heeren ist mit einem besonderen Lied aus dem Musical „Chess“ vertreten. Mit dem Lied „Anthem“, bei dem es darum geht, die ums Herz gelegten Fesseln zu sprengen. Dass man nicht gleich hinter dem Lenkrad ausrastet, wenn vor einem jemand plötzlich wendet und den Weg versperrt. Mensing: „Jeder hat sich doch mal verfahren.“

Jeder, so die Pfarrerin, könne etwas dazu tun, dass das Leben lebenswerter werde. „Jemanden grummelig begegnen? Nein! Die gute Nachricht ist: Wir können alle etwas tun.“

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