Die Bahn kommt fast sechs Jahre zu spät – mit der Dachsanierung auf dem Mittelbahnsteig

dzBahnhof Kamen

Die Sanierung des Bahnhofs Kamen soll bald ihr Ende finden, sechs Jahre nach dem Auftakt der Modernisierungsoffensive. Die Sanierung des unansehnlichen Dachs des Mittelbahnsteigs steht bevor.

Kamen

, 15.08.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Deutsche Bahn könnte gegen Ende des Jahres, sechs Jahre nach Auftakt der Arbeiten, die Modernisierung des Kamener Bahnhofs zum Abschluss bringen. Im vierten Quartal, also ab Oktober, soll nun der Wetterschutz, der über dem Bahnsteig von Gleis 2 bzw. 4 liegt, erneuert werden. Das teilte eine Bahnsprecherin auf Anfrage der Redaktion mit.

Wie berichtet, wird derzeit bereits die Fassade des Hauptgebäudes auf Vordermann gebracht. Das 1854 eingeweihte und 1906 erweiterte Bahnhofsgebäude Kamen ist ein Baudenkmal aus den Jahren um 1850. Es wurde im Rahmen eines Projektes der Internationalen Bauausstellung Emscher Park (IBA) Ende der 90er-Jahre saniert, bevor es dieses Frühjahr zum Fliesen-Fiasko kam: Der historische Boden wurde samt verdeckter Original-Fliesen herausgestemmt und in Container geschüttet.

Frische Farbe für eine ewig frische Architektur des Bahnhofsgebäudes: Das 1848 nach einem Musterentwurf von Karl Friedrich Schinkel errichtete Bahnhofsgebäude steht unter Denkmalschutz.

Frische Farbe für eine ewig frische Architektur des Bahnhofsgebäudes: Das 1848 nach einem Musterentwurf von Karl Friedrich Schinkel errichtete Bahnhofsgebäude steht unter Denkmalschutz. © Stefan Milk

Altes Dach wirkt seit der Modernisierung wie ein Fremdkörper

Bei dem Dach auf dem Mittelbahnsteig gibt es vermutlich nichts Wertvolles mehr: Der unansehnliche, vermorschte Wetterschutz wirkt seit der Sanierung der Bahnsteige ab dem Jahr 2014 wie ein Fremdkörper. Ab Oktober soll er nun abgebrochen werden und durch moderne Dachelemente ersetzt werden.

Die schon für 2016 vorgesehenen Arbeiten waren zuletzt 2017 und 2018 verschoben worden.

Dafür wurde aber die wenig einladende Personenunterführung zwischen Hausbahnsteig und dem Mittelbahnsteig erneuert, zudem erhielt der Bahnhof die lang ersehnten Aufzüge, die nach einigen Anlaufschwierigkeiten nun relativ zuverlässig funktionieren.

Zuletzt wurde das Bahnhofsgebäude von innen saniert, wobei, siehe oben, die historischen Fliesen heraus gebrochen wurden.

Nach dem Vorfall, den unsere Redaktion bekannt machte, wurde auch der Innenbereich unter Denkmalschutz gestellt. Zu retten war aber nur noch wenig. Im Eingangsbereich des neuen DB Service Stores sind einige der übrig gebliebenen Fliesen zu einem etwa zwei Quadratmeter großen Mosaik zusammen gelegt worden – für einen historischen Verweis auf die über 165 Jahre alte Halle.

Als aus dem Hausbahnsteig ein Holzbahnsteig wurde. Der Bahnsteig des Gleises 1 wurde 2015 vorübergehend auf die Höhe des Raiffeisenmarktes verlegt.

Als aus dem Hausbahnsteig ein Holzbahnsteig wurde. Der Bahnsteig des Gleises 1 wurde 2015 vorübergehend auf die Höhe des Raiffeisenmarktes verlegt. © Stefan Milk

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Auftakt der mehrjährigen Sanierung erfolgte 2014

Der Auftakt für die mehrjährige Sanierung des Bahnhofs war im Juni 2014 erfolgt. Der Ausbau hatte ein Kostenvolumen von etwa 2,8 Millionen Euro und sollte eigentlich schon im Jahr 2016 vollständig abgeschlossen sein.

Eine für das Jahr 2017 angekündigte Sperrpause, um die letzten Arbeiten auf dem Mittelbahnsteig und auch in der Personenunterführung zu erledigen, war allerdings abgesagt worden, weil die Bahn keine weiteren Verspätungen einfahren wollte. Im Bahn-Jargon lautete die Formulierung wie folgt: „Im Rahmen der Überprüfung zur Verbesserung der Pünktlichkeit im bundesweiten Streckennetz ist die Sperrpause für 2017 nicht mehr bestätigt worden.“

Noch ziemlich neu im Bahnhof Kamen: Ende Mai eröffnete der DB Service Store.

Noch ziemlich neu im Bahnhof Kamen: Ende Mai eröffnete der DB Service Store. © Borys Sarad

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Erinnerung an beschwerliche Bahnsteig-Zeiten

Besonders beschwerlich für die Bahnkunden geriet der Umbau des Bahnhofs im Jahr 2015, als in Höhe des benachbarten Raiffeisenmarktes ein großer Behelfsbahnsteig aus Holz gebaut wurde. Das führte zu langen Wegen zwischen den Bahnsteigen.

Seitdem wurden auch elektronische Fahrplananzeigen installiert, Lautsprecher ausgetauscht und eine Videoüberwachungsanlage eingerichtet. Im Rahmen des Modernisierungsprogramms „1 von 150“ verspricht die Bahn, bis zum Jahr 2023 alle wichtigen nordrhein-westfälische Bahnhöfe mit einem Investitionsvolumen von rund einer Milliarde Euro zu sanieren.

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