Dicke Luft an der Grillostraße: Kaminöfen nerven Nachbarn

dzHeizen im Winter

Eine Hausgemeinschaft schlägt Feinstaub-Alarm: Dutzende Bewohner eines Mehrfamilienhauses an der Grillostraße bekommen den Rauch aus Kaminöfen in der Umgebung ab. Ein Appell soll Abhilfe schaffen.

Kamen

, 12.11.2020, 17:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn in Reihenhäusern rund um die Grillostraße die Kaminöfen angeheizt werden, rümpft Hans Muermann im Mehrfamilienhaus nebenan die Nase. „Wir können abends nicht mehr lüften“, sagt er und zeigt auf die Schornsteine in der Umgebung.

Natürlich kann Muermann die Fenster seiner Eigentumswohnung auf Kipp stellen oder ganz aufreißen. Aber die Luft, die durchs Fenster strömt, riecht oder stinkt an einigen Tagen, insbesondere abends, verbrannt. „Wir haben eine Geruchsbelästigung durch den Rauch aus den Kaminöfen ringsherum“, sagt Muermann.

Mehrfamilienhaus bekommt Rauch ab

Der 70-Jährige ist Sprecher einer Hausgemeinschaft mit 36 Wohnungen. Der gut gepflegte Wohnblock, 1972 erbaut, überragt fast alle anderen Häuser in der Umgebung. „Wir liegen hier genau im Winkel“, sagt Muermann bei einem Rundgang ums Haus.

Die nächsten Adressen heißen hier Lüner Höhe, Claude-Canaday-Straße, August-Schmidt-Straße und Flözweg. Rund zehn Kaminöfen sollen im nahen Umfeld betrieben werden, will Muermann vom Bezirkschornsteinfeger erfahren haben.

Siedlung an der Grillostraße mit Monopol-Förderturm im Hintergrund. Kaminöfen sorgen hier für Stunk.

Siedlung an der Grillostraße mit Monopol-Förderturm im Hintergrund. Kaminöfen sorgen hier für Stunk. © Privat

Das Phänomen der verpesteten Luft ist an diesem Mittwochmorgen nicht nachzuvollziehen. Der einzige Geruch, der zu vernehmen ist, kommt von frischem Mittagessen. Aber Siegfried Kant bestätigt, was Muermann sagt. Auch er wohnt in dem Wohnblock, und beide erzählen, dass die Hausgemeinschaft über die Geruchsbelästigung verärgert ist. „Da vorne wohnt jemand, der macht Homeoffice und will auch mal ein Fenster aufmachen“, sagt Kant.

Jetzt in der Übergangszeit, wo es zum Aufdrehen der Heizkörper vielleicht noch nicht kalt genug draußen ist, gilt ein Kaminofen im Wohnzimmer als ideale Wärmequelle. Doch so schön der Feuerschein für die Bewohner ist, können die Nebenwirkungen des Verbrennungsvorgangs zum Störfaktor für die Nachbarn werden. Insbesondere dann, wenn der Ofen mit Holz angemacht ist, das zu feucht zum Verfeuern ist.

Ein prasselndes Kaminfeuer ist für viele Menschen der Inbegriff von Romantik und Behaglichkeit. Schornsteinfeger mahnen, kein feuchtes Holz zu verfeuern.

Ein prasselndes Kaminfeuer ist für viele Menschen der Inbegriff von Romantik und Behaglichkeit. Schornsteinfeger mahnen, kein feuchtes Holz zu verfeuern. © picture alliance / dpa-tmn

Und genau das, vermuten Muermann und Kant, könnte auch rund um die Grillostraße der Fall sein. Indem sie an die Öffentlichkeit gehen, appellieren sie an Kaminofen-Besitzer, bei der Auswahl des Brennstoffs sorgsamer zu sein und nur fachgerecht zu heizen. „Es gibt ja den Spülmittel-Test“, sagt Muermann. „Spülmittel auf das Holz reiben und von der anderen Seite pusten. Bilden sich auf der Seite mit dem Spülmittel blasen, ist das Holz trocken genug.“

Verbrauchertipp

Heizen mit Holz

Bezirksschornsteinfegermeister Andres Gärtner aus Lünen, zuständig für die Grillostraße und weitere Teile von Kamen-Mitte, hat drei Link-Tipps für Kaminöfen-Besitzer.

Fachleute wie Andreas Kramer vom Landesschornsteinfegerverband in Düsseldorf weisen darauf hin, dass die Anlagen noch so gut gewartet und vom Bezirksschornsteinfeger kontrolliert worden sein können. „Es kommt auf den Menschen an, der die Holzscheite einlegt“, sagt Kramer. „Das Holz muss trocken und abgelagert sein, die Feuerstätte muss nicht vollgeknallt werden. Wenn man feuchtes Holz hineinwirft, kann der Ofen auch nicht zaubern und für staubfreie Emissionen sorgen.“

Nach der letzten Änderung des Bundesimmissionsschutzgesetzes im Jahr 2010 mit neuen Feinstaub-Grenzwerten gebe es noch eine Übergangszeit für Öfen, die zu viel Feinstaub emittieren. Bis spätestens 31. Dezember 2023 müssten sie außer Betrieb genommen werden. „Wir informieren die Betreiber im Rahmen der Feuerstättenschau“, so Kramer. Und das macht auch sein Kollege Andreas Gärtner, der zuständige Bezirksschornsteinfeger für die Grillostraße.

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