Verstopfte Straßen, dicke Luft und Lkw-Kolonnen so weit, wie das Auge reicht. Die CDU greift die Kritik eines Heerener Bürgers auf und fordert ein Gesamtkonzept gegen den Verkehrsinfarkt.

Kamen

, 04.11.2019, 15:57 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bürger Peter Streich erhält Unterstützung durch die CDU. Die Ortsunionen Kamen-Mitte/Südkamen und Methler greifen die Kritik des Heeren-Werver auf, der sich gegen Motorengetrommel und Luftverschmutzung durch zu viel Lastverkehr auf der Werver Mark wehrt.

Sechs Mal hat er in städtischen Ausschüssen vorgesprochen, um öffentlichen Druck zu erzeugen. Zudem hat er sich drei Tage lang frei genommen und Lastwagen verfolgt, um herauszufinden, wohin diese fahren.

„Herr Streich formuliert seine Bedenken zu Recht. Doch es wird vermutlich keine kurzfristige, radikale Lösung geben“, so Heinrich Kissing, Vorsitzender der Ortsunion Kamen-Mitte/Südkamen.

Die CDU will trotzdem dabei helfen, um Lösungen anzubahnen, auch wenn das etwas dauern könnte. „Auch unser Eindruck ist, dass der Schwerlastverkehr merklich zunimmt und eine größer werdende Belastung darstellt“, so Kissing.

Der Verkehrsinfarkt in allen Facetten: CDU benennt Probleme und fordert Grundsatzkonzept

Im interkommunalen Gewerbegebiet an Kamens Stadtgrenze investiert zurzeit der Einzelhandelsriese Woolworth. Tausende Quadratmeter werden noch vermarktet, sodass von dort aus noch reichlich Zusatzverkehr ausgehen wird. © Borys Sarad

Umfangreiches Schriftwerk mit einem Vier-Punkte-Plan

Deswegen hat die CDU jetzt ein umfangreiches Schriftwerk verfasst, in dem die Ausarbeitung eines Grundsatzkonzepts gefordert wird.

Vier Punkte sind zudem benannt, wo in Kamen und drumherum verkehrstechnisch der Schuh drückt.

Dabei geht es nicht um überlastete Straßen, sondern auch um die Notdurft-Probleme der Lkw-Fahrer am Pröbstingholz. Dort hatten sich die Naturfreunde Kamen für Verbesserungen eingesetzt.

Und es geht um zusätzliche Belastungen durch die Logistik-Ansiedlungen an der Henry-Everling-Straße (Arvato), im Kamen-Karree (DHL-Zustellbasis) und im interkommunalen Gewerbegebiet (Woolworth).

Die CDU versucht hier eine Klammer anzubringen, um das Verkehrsproblem systematisch zu fassen. „Die Ziel- und Quellverkehre nehmen merkbar zu, auch da, wo wir sie nicht haben wollen. Nächtliches Parken von Lkw am Straßenrand, vermehrte Nutzung unserer auch innerstädtischen Abschnitte der Landes- und Bundesstraßen aus unterschiedlichen Gründen sowie Umfahrungen und Abkürzungen der Autobahnverkehre“, so Kissing.

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Zu kleine und kaputt gefahrene Kreisverkehre

Zudem: Die baulichen Verhältnisse der Straßen seien trotz verschiedener Ausbaumaßnahmen nicht ausreichend dafür gerüstet, wie zu kleine und kaputt gefahrene Kreisverkehre (Werver Mark, Sesekedamm/Poststraße), nicht ausreichend leistungsfähige Kreuzungen (Hilsingstraße, Am Langen Kamp) sowie dringend reparaturbedürftige und belastete Verkehrsstraßen (Hochstraße, Westring) zeigten.

„Die begleitenden Belastungen wie insbesondere der Verkehrslärm und unwürdige menschliche Beeinträchtigungen wie Sanitärhygiene und Notdurft der Lkw-Fahrer sind ungelöst“, so auch Karsten Diederichs-Späh, Vorsitzender der CDU in Methler.

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CDU befürchtet: Probleme könnten sich weiter zuspitzen

Aus Sicht der CDU werde sich dieses Problem weiter zuspitzen, wenn nicht grundlegende Maßnahmen eingeleitet würden. Folgende vier Punkte sind der CDU wichtig:

  • Der Lärmaktionsplan, Stufe 2, der für die Stadtverwaltung Grundlage ist, um Lärmprobleme zu beheben: Der Plan aus dem Jahr 2015, so Kissing, müsse beschleunigt bearbeitet werden. „Die beschlossenen Maßnahmen, die die zuständigen Behörden bis 2020 geplant haben, seien in Kamen bis auf das Radverkehrskonzept bzw. Nahmobilitätskonzept noch gar nicht umgesetzt. Es fehlten unter anderem ein Stadtgeschwindigkeitskonzept, ein Lkw-Lenkungskonzept und ein Investitionsprogramm für lärmoptimierte Asphaltbeläge.
  • Der Lärmaktionsplan, Stufe 3, der noch in diesem Herbst in die Bürgerbeteiligung geht. „Dabei wird zu prüfen sein, inwieweit neu aufgenommene Straßenzüge einer Lärmminderungsplanung unterzogen werden können“, so Diederichs-Späh.
  • Ausbau der Westtangente: Die Verbindung, die zwischen Dortmund und Kamen geplant ist, soll Durchgangsverkehre aufnehmen, bevor sie die Innenstädte erreichen. „Mit diesem Straßenzug werden auch die riesigen Gewerbegebiete auf dem Areal der ehemaligen Westfalenhütte näher an Kamen heranrücken“, so Diederichs-Späh.
  • Ansätze gegen die Auswirkungen der Logistikansiedlungen: „Die Auswirkungen im östlichen Ruhrgebiet können von den einzelnen Städten nicht allein gelöst werden“, so Kissing. Da individuelle kommunale Maßnahmenbündel der Problematik nicht gerecht würden, regt er an, ein gemeinsames Konzept im Kreis Unna zu entwickeln, das auch den östlichen Stadtbereich von Dortmund mit einbezieht. Im Wesentlichen ginge es um die Belastungsachsen der Autobahnen, Autobahnkreuze und Auf- und Abfahrten von Schwerte, Holzwickede, Unna, Kamen, Dortmund-Lanstrop und Bönen. „Mindestens für diesen Bereich sind übergreifende Verkehrslenkungs- und Belastungsminderungskonzepte notwendig, die über den reinen Lärmminderungsansatz hinausgehen“, so Kissing.

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Der Blick geht also in Richtung Gesamtkonzept für den regionalen Verkehr. Kissing: „Herr Streich hat in seiner Kritik nicht unrecht. Doch die Handlungsmöglichkeiten sind begrenzt. Wir können die Straßen nicht sperren, das haut nicht hin.“

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