Der tiefste Schmerz kann zu Musik nicht werden. Ein Konzertprogramm mit Großstadtformat

dzIm Museum

Dietmar Josephs Opa wurde in Auschwitz ermordet, sein Vater konnte nie darüber sprechen. Jetzt verarbeitet Joseph seine Familiengeschichte in einem Konzert und setzt ein Zeichen gegen Rechts.

Kamen

, 26.10.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Konzerttermin für ein besonderes Konzert im Haus der Stadtgeschichte steht - am Abend des 26. Januars kommenden Jahres.

Das ist ein Sonntag. Mit Musik, die jüdische Künstler im Konzentrationslager Theresienstadt spielten.

Dietmar Joseph ist Musiker und Nachfahre eines Kamener Bürgers, der im Konzentrationslager Auschwitz von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Ihm ist es ein besonderes Anliegen, dass jüdische Geschichte in Kamen nicht vergessen wird, obwohl er selbst Christ ist.

Sein Großvater war jüdischer Abstammung, was er allerdings erst erfuhr, als die Nazis Nachforschungen über die Familiengeschichte anstellten. Er wurde ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo er auf jüdische Spitzenmusiker traf, die ein ähnlich bitteres Schicksal erlitten. Weil die Theresienstadt-Konzerte, in denen der Tod immer mitspielte, traurige Bekanntheit erlangten, will Joseph nun ein Konzert mit Stücken, die dort gespielt wurden, aufziehen.

Der tiefste Schmerz kann zu Musik nicht werden. Ein Konzertprogramm mit Großstadtformat

Dietmar Joseph, hier mit Klaus Goehrke (links) und Angelina Hombeck (rechts), im Saal des Hauses der Stadtgeschichte, in dem das Konzert am 26. Januar stattfinden soll. © Marcel Drawe

Das musikalische Programm steht bereits

„Das musikalische Programm steht bereits und wir beginnen Donnerstag mit den Proben“, sagt der Hamburger Konzertpianist, der bereits an der Hamburger Staatsoper ein ähnliches Programm präsentierte. Titel des Programms: „Der tiefste Schmerz kann zu Musik nicht werden.“

Kultur mit Großstadtformat also im Januar in Kamen. Zugesagt hat bereits die bekannte Künstlerin und Mezzo-Sopranistin Elisabeth Wöllert. Joseph: „Ich bin sehr froh, dass sie sofort zugesagt hat, ohne auch nur eine Sekunde überlegen zu müssen. Sie ist nicht nur eine außergewöhnlich leidenschaftliche Sängerin und Bühnendarstellerin, sondern trägt die Veranstaltung auch inhaltlich vollständig mit.“

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Arien und Lieder von Bizet und Mozart

Als Arien und Lieder sind geplant: Habanera aus „Carmen“ von Georges Bizet, Cherubino aus „Figaros Hochzeit“ von Mozart, „Das Irdische Leben“ und „Die zwei blauen Augen“ aus „Knaben Wunderhorn“ und „Lieder eines fahrenden Gesellen“ von Gustav Mahler, „Liber scriptus“ aus „Requiem“ von Giuseppe Verdi und Auszüge aus „Vier Lieder Theresienstadt 1944“ von Pavel Haas. Zudem gespielt werden Klavierwerke von Robert Schumann (Fantasiestücke op.12), Johannes Brahms (Intermezzi aus op.116 - 118), Viktor Ullmann (aus 5. und 7. Sonate, komponiert und uraufgeführt in Theresienstadt), „Bei mir bist Du scheen“ von Ghetto-Swingers-Coco Schumann, Gideon Klein (Wiegenlied) und Felix Mendelssohn („Trauermarsch“ aus „Lieder ohne Worte“).

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