Defibrillatoren retten Leben. Dennoch gibt es in Kamen noch Luft nach oben, was die Ausstattung angeht, meint Friedrich Nölle vom Verein „definetz“. Er sagt: „Es passiert nicht genug.“

Kamen

, 04.10.2018, 16:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn das Herz plötzlich versagt, hilft nur noch der Schock aus dem Defibrillator. Die kleinen Wundermaschinen jagen auf Knopfdruck Energieströme von etwa 50 Ampere durch den Körper und können im Ernstfall Leben retten.

Doch in vielen Orten Deutschlands seien Defis nur spärlich vorhanden und auch in Kamen gebe es noch viel Luft nach oben, meint Friedrich Nölle, Gründungsmitglied des Vereins „definetz“. Der Verein betreibt ein Kataster, auf dem man die Standorte der Defibrillatoren im eigenen Ort ausfindig machen kann. „Es passiert einfach nicht genug“, sagt Nölle.

In Kamen sind 31 Defibrillatoren im Kataster verzeichnet. „Die absoluten Zahlen sagen aber meist nur wenig aus“, sagt der „definetz“-Gründer. Kamen hat rund 44.000 Einwohner. Ein Defibrillator sollte pro 1000 Einwohnern vorhanden sein, so die Richtlinie des Vereins, der sich dabei auf eine Empfehlung des Europäischen Rats für Wiederbelebung bezieht. In Kamen beliefe sich die ideale Zahl also auf etwa 44 Defis. Zudem zeigt ein Blick auf das Kataster, „dass in der Innenstadt zwar Defibrillatoren vorhanden sind, in den Außenbereichen aber kaum“, so Nölle.

Die Kommune Bönen glänzt mit 33 dem Verein bekannten Defis bei rund 18.000 Einwohnern, in Holzwickede verzeichnet der Verein nur sechs Defis bei etwa 17.000 Einwohnern.

Der lebensrettende Schock, wenn das eigene Herz versagt

Überblick über die dem Verein „definetz“ bekannten Defibrillatoren im Kreis Unna (Stand: 1.1.2018; Grafik: „definetz“). © Friedrich

Problem mit den Kosten

Die Kamenerin Ellen Heckmann weiß aus eigener Erfahrung, dass die Anschaffung eines Defis nicht immer einfach ist. Heckmann, die seit über 20 Jahren im Verein „Bewegung Sport Gesundheit“ (BSG) aktiv ist, bemühte sich um die Anschaffung eines Defis für die im April neu gegründete Herzsportgruppe des Vereins. „Für diese Gruppen gibt es spezielle Vorschriften“, sagt sie. Zuerst habe sie es über die Stadt versucht, sei dabei aber nicht erfolgreich gewesen. Schließlich konnte sie den Defi für die Gruppe über Sponsoren organisieren. „Bisher musste ich das Gerät aber Gott sei Dank nicht benutzen“, sagt Heckmann.

Die Anschaffung eines Defibrillators ist nicht unbedingt billig. Zu den Anschaffungskosten kommen auch noch stetige Wartungskosten hinzu, „in den ersten drei Jahren kommt man da nicht unter 2000 Euro“, sagt Nölle. Dennoch sei eine Anschaffung sinnvoll. „Jeder kann sich einen Defi kaufen“, so Nölle, „man kann sich auch mit anderen Leuten zusammentun und sich die Kosten teilen.“ Genau in diesen Kosten sieht der „definetz“-Gründer aber auch einen Grund für die aus seiner Sicht unzureichende Verbreitung der lebensrettenden Maschinen: „Wer zahlt denn den Defi? Es ist keine öffentliche Aufgabe und die Krankenkassen machen da nichts.“

Der lebensrettende Schock, wenn das eigene Herz versagt

Der Verein „Bewegung Sport Gesundheit“ freut sich über einen neuen Defibrillator. © Stefan Milk

Nur keine Panik

Defis gibt es vor Ort zum Beispiel im von den Gemeinschaftsstadtwerken betriebenen Hallenbad in Kamen und Methler sowie in der Kleinschwimmhalle in Heeren-Werve. „In der Sommersaison wechseln die Defibrillatoren aus den dann geschlossenen Hallenbädern in die Freibäder“, sagt GSW-Sprecherin Mandy Bayer, „Erfreulicherweise kam keines unserer Geräte bisher zum Einsatz.“

Zudem sind sowohl alle Feuerwehrwachen der Stadt sowie die Rettungswagen mit entsprechenden Geräten ausgerüstet, wie Stadtsprecher Hanno Peppmeier erklärt. Einen weiteren Defibrillator gebe es außerdem in der Stadthalle.

Wer in die Situation gerät, einen Defibrillator zu benutzen, muss keine Panik haben. Moderne Defibrillatoren könne jeder bedienen, ist sich Nölle sicher. „Mit einem Defi kann man weder sich noch andere verletzten, es sei denn, man lässt ihn auf den Fuß fallen“, so Nölle. Die modernen Geräte haben eine Sprachfunktion und führen vollautomatisch durch jeden Schritt der Nutzung. Im Ernstfall gebe es eine einfache Faustregel: „Nur Nichtsmachen ist falsch.“

  • Der Verein „definetz“ betreibt ein Kataster, das auf der Interneseite des Vereins (hier klicken) eingesehen werden kann.
  • Das Kataster findet man dort unter dem Reiter „AED Anzeige“ und kann auch als App fürs Smartphone heruntergeladen werden.
  • Die Abkürzung AED steht für „automatisierter externer Defibrillator“.
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