Der „geklaute“ Riesen-Bärenklau: Gefährliche Pflanzen beseitigt

dzAn Körne, Mühlbach und Seseke

Der Riesen-Bärenklau hat keinen besseren Ruf als der Eichenprozessionsspinner. An den hiesigen Flüssen sieht man die Giftpflanze immer wieder. Aber nicht lange, wenn der Lippeverband kommt.

Kamen

, 23.07.2019, 12:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Landwirtin Gisela Westkämper ist sauer. Ursache ist der Riesen-Bärenklau, der am Ufer der Körnebrücke in Westick steht, mehr als drei Meter hoch. „Er guckt schon über die Brüstung“, berichtet sie. Als sie ihre Beobachtung mit unserer Redaktion teilen will, plötzlich eine Überraschung. Der riesige Riesen-Bärenklau ist verschwunden. Geklaut? Mitnichten. Der Lippeverband hat ihn beseitigt.

Der „geklaute“ Riesen-Bärenklau: Gefährliche Pflanzen beseitigt

Der Riesen-Bärenklau muss vorsichtig ausgegraben werden. Das sollte nur mit Schutzkleidung geschehen, weil die Pflanze schwere Verbrennungen auslösen kann. © Stefan Milk

Gefährliche Pflanzen sind weitgehend verschwunden

Wer entlang von Körne, Seseke und Heerener Mühlbach in den vergangenen Wochen zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs war, hat den Riesen-Bärenklau, auch Herkulesstaude genannt, immer wieder hoch aufragend zu Gesicht bekommen. Beispielsweise am Radweg zwischen Koppelstraße und Eilater Weg und am Überlaufbecken des Wohnparks Sesekeaue. Jetzt allerdings sind die Giftpflanzen, die bei Berührung schwere Verbrennungen auslösen können, weitgehend verschwunden. Anne-Kathrin Lappe, Sprecherin des Lippeverbandes, erklärt, wie die Strategie der Wasserwirtschaftler gegen die schnell wachsende Pflanze aussieht: „Egal ob Spazierweg oder Radweg - dort, wo die Pflanze im öffentlichen Bereich wächst, da bekämpfen wir sie.“ Dafür sei aber ein hoher Aufwand notwendig, weil die Pflanzen ausgegraben werden müssten. „Wir wollen den Einsatz von Pestiziden vermeiden.“ Für die heikle Aufgabe eingesetzt werden nicht eigene Mitarbeiter, sondern Kräfte von Spezialfirmen.

Der „geklaute“ Riesen-Bärenklau: Gefährliche Pflanzen beseitigt

Die Dolden mit Blüten und Samen der Pflanzen des Riesen-Bärenklaus. Die giftige Pflanze, auch Herkulesstaude genannt, kann bei Berührung schmerzhafte Hautreizungen auslösen. © picture alliance/dpa

Keine heimisches Gewächs

Der Riesen-Bärenklau ist kein heimisches Gewächs. Er verbreitet sich vor allem an den Ufern der heimischen Flüsse, indem die Samen über das strömende Wasser flussabwärts treiben. Die Samen sind äußerst widerstandsfähig und können schwimmen. Allein eine Pflanze entwickelt über 10.000 Samen, die auch nach mehreren Jahren noch keimen können. Schon die Berührung mit den Blättern der Pflanze, die mehrere Meter hoch wird, kann zu Verbrennungen führen. Der Stoff, den die Pflanze produziert, setzt die Lichtempfindlichkeit der Haut stark herab. Schon geringe Sonneneinstrahlung führt dann zu einem Sonnenbrand, der bis zu Verbrennungen zweiten Grades gehen kann.

Der „geklaute“ Riesen-Bärenklau: Gefährliche Pflanzen beseitigt

Gegen den Riesen-Bärenklau wird örtlich auch mit Pflanzenvernichtungsmittel vorgegangen, allerdings nur sparsam. An den örtlichen Flüssen werden die Giftpflanzen in der Regen ausgegraben. © picture alliance / dpa

Herkulesstaude ohne natürliche Feinde

Naturschützer sehen die Pflanze außerdem nicht gerne, weil sie keine natürlichen Feinde hat und sich deswegen rasend schnell ausbreiten kann, wenn man sie lässt. Nur in bestimmten Bereichen ist es möglich, die Pflanze mit Herbiziden zu bekämpfen. In der Regel wird die Pflanze aber ausgestochen. Es reicht nicht, die Pflanze an der Oberfläche zu beseitigen. Der gesamte Wurzelstock muss 10 bis 15 Zentimeter tief aus dem Boden ausgehoben werden, damit sie an der Stelle nicht wiederkommt. Dabei müssen die Biologen sehr sorgfältig vorgehen. Wenn nur eine Pflanze übersehen wird, ist die ganze Arbeit umsonst.

Beseitigung nur an öffentlichen Wegen

Aus dem Kaukasus eingewandert

Riesenbärenklau

  • Der Riesen-Bärenklau, auch Bärenkralle, Herkulesstaude oder Herkuleskraut genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Sie ist eine zwei- bis mehrjährige, krautige Pflanze und keine Staude.
  • Die ursprünglich aus dem Kaukasus stammende Pflanze wird bis zu vier Meter hoch und wächst insbesondere an Gewässern und Feldrändern, kann aber auch in Gärten vorkommen.
  • Der Saft der Pflanze enthält sogenannte Furocumarine. Bei Berührung in Verbindung mit Sonnenschein kann es zu starken Hautreizungen bis hin zu schmerzhaften blasigen Geschwüren kommen.

Diese Arbeit erfolgt allerdings nur an Wegen, die für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Das findet Landwirtin Westkämper nicht gut. Ihre Familie betreibt seit Generationen Ackerbau. Weizen, Raps und Zuckerrüben wachsen auf ihren Feldern, die teilweise auch an die Körne angrenzen. Beim Kampf gegen die Pflanze hat sie schon erlebt, wie gefährlich diese ist. „Ich hatte Brandflecken am Arm.“ Sie findet, dass der Lippeverband auch Verantwortung für die anderen Uferbereiche hat, die nicht zugänglich sind. „Eigentum verpflichtet. Ansonsten breiten sich die Pflanzen weiter auf unseren Feldern aus. Das ist eine Plage.“ Anne-Kathrin Lappe macht ihr allerdings keine Hoffnung, dass künftig auch unzugängliche Bereiche vom Riesen-Bärenklau befreit werden. „Das ist auch eine Kostenfrage.“

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