Alter und neuer Bundestagskandidat der CDU im Wahlkreis Unna I: Hubert Hüppe (64). © Kevin Kohues
Politik im Kreis Unna

Der ewige Hubert: CDU setzt wieder auf Hüppe für den Bundestag

Vor 30 Jahren zog Hubert Hüppe erstmals in den Bundestag ein. 2021 tritt er für die CDU im Wahlkreis Unna I noch einmal an. Gegenkandidat Dr. Jan Hoffmann war bei der Abstimmung chancenlos.

Der „ewige Hubert“ will es noch einmal wissen. Hubert Hüppe, gebürtiger Lüner, wohnhaft in Werne, der in der CDU im Kreis Unna fast jedes Führungsamt von der Schüler- bis zur Senioren-Union schon bekleidet hat. Eigentlich hatte nach dem verpassten Einzug ins Parlament 2017 vieles auf einen Ruhestand hingedeutet, doch der 64-Jährige hat noch nicht genug.

Gerade jetzt, in diesen schwierigen Zeiten, sagte Hüppe in seiner Bewerbungsrede am Freitagabend in der Stadthalle Unna, wolle er mit seiner ganzen Erfahrung und Tatkraft mithelfen, „dass wir herauskommen aus dieser Krise“.

Hüppes Markenkern: christlich, konservativ, sozial

Sein Markenkern: christliche, konservative Werte, Solidarität mit den Schwächeren. Viele kennen Hüppe noch aus seiner Zeit als Beauftragter der Bundesregierung für Menschen mit Behinderungen. Der Verfechter von radikaler Inklusion ist kein Abnicker, sondern stellte sich in der Vergangenheit auch gegen seine eigene Fraktion, wenn es seiner Überzeugung entsprach. Etwa, als er vor einigen Jahren gegen ein Rettungspaket für Griechenland stimmte.

In diesem Punkt unterscheidet er sich wenig von Dr. Jan Hoffmann, der sich wie bereits vor vier Jahren ebenfalls um die Kandidatur für die CDU bewarb. Hoffmann freilich steht in der Partei weit rechts, ist Mitbegründer der „WerteUnion“ und ein großer Kritiker der Politik Angela Merkels. In seiner Rede rechnete er mit dem „Linkstrend“ seiner Partei schonungslos ab.

Gegenkandidat Dr. Jan Hoffmann bekam sieben Stimmen, Hubert Hüppe 52 – ein nahezu identisches Ergebnis wie vor der Wahl 2017.
Gegenkandidat Dr. Jan Hoffmann bekam sieben Stimmen, Hubert Hüppe 52 – ein nahezu identisches Ergebnis wie vor der Wahl 2017. © Kevin Kohues © Kevin Kohues

Der Bundeswehrsoldat aus Kamen kritisierte die Euro-Politik („rechtsbrechende Vergemeinschaftung von Staatsschulden“), den „panikartigen, opportunistischen Ausstieg aus der Kernenergie“ und die Flüchtlingspolitik, die seit 2015 zu einer wachsenden Kriminalität durch Zuwanderer geführt habe. Auch zur Corona-Pandemie vertrat Hoffmann eine klare Position: Es habe schon 2012 Warnungen davor gegeben, dass aus Asien ein Sars-Covid-Virus nach Europa komme, gegen das es keinen Impfstoff gebe. „Aber man hat sich nicht mit Sicherheitsvorsorge, sondern mit anderen Dingen wie einer Diskussion über das generische Maskulinum und Rassismus befasst“, sagte Hoffmann.

Das Zeichen für Veränderung, dass er von den CDU-Wahlkreisvertretern forderte, mochten diese freilich nicht setzen. Nur sieben von 62 Stimmberechtigten votierten für Jan Hoffmann, 52 für Hubert Hüppe bei einer Enthaltung und zwei Nein-Stimmen. Das Ergebnis von 85,25 Prozent entspricht bis auf ein Prozent den Kräfteverhältnissen der Abstimmung von 2017, als Hoffmann und Hüppe erstmals gegeneinander antraten.

CDU-Parteichef Marco Morten Pufke gratuliert Hubert Hüppe mit einem Strauß Blumen zur erneuten Kandidatur für den Bundestag im Wahlkreis Unna I bei der Wahl am 26. September 2021.
CDU-Parteichef Marco Morten Pufke gratuliert Hubert Hüppe mit einem Strauß Blumen zur erneuten Kandidatur für den Bundestag im Wahlkreis Unna I bei der Wahl am 26. September 2021. © Kevin Kohues © Kevin Kohues

Hüppe warb in seiner Bewerbungsrede für Geschlossenheit und Zusammenhalt, grenzte sich damit von Hoffmann ab. „Wir gewinnen keine Stimmen, wenn wir uns ständig streiten und auf die eigenen Fehler hinweisen“, so Hüppe, das mache schon der politische Gegner. „Wer das eigene Produkt nicht gut verkauft, wird die Wahl nicht gewinnen, sondern wird sie verlieren“, rief Hüppe und erntete dafür Applaus. Seine Schwerpunkte für die Zeit nach der Pandemie wolle er in den Bereichen Bildung („Da werden gerade viele zurückgelassen“) und Mittelstandsförderung setzen. Der Mittelstand sei auch systemrelevant. „Wenn der Mittelstand stirbt, sterben die Arbeitsplätze, sterben unsere Städte, gibt es keine Ausbildung für unsere jungen Menschen mehr“, so Hüppe. Man dürfe deshalb nicht einfach alles schließen, weil man glaube, dass es ein Risiko gebe, sondern müsse vorher nachweisen, dass wirklich ein Risiko bestehe.

Über den Autor
Chef vom Dienst
Jahrgang 1982. Aufgewachsen im Münsterland. Nach dem Politik-Studium in Münster über Dortmund ins schöne Holzwickede. Verheiratet, Familienvater. Seit 2000 Journalist, seit 2010 beim Hellweger. Mag das Ruhrgebiet, Currywurst und gut gemachte Nachrichten – digital und gedruckt.
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Kevin Kohues

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