Der Blick aufs Haff ist unersetzbar

dz70 Jahre Denkmal der Vertriebenen

Das Ehrenmal der Vertriebenen auf dem Kamener Friedhof wird am 7. August 70 Jahre alt. Es ist immer noch ein kleines Stück neue Heimat für viele Menschen mit gleichem Schicksal.

von Werner Wiggermann

Kamen, Bergkamen

, 30.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Als achtjährigen Jungen verschlug es Manfred Schirmacher ins Ruhrgebiet. Heute, 74 Jahre später, lebt er immer noch in Bergkamen. Zur Ersatzheimat ist ihm die Region aber nie geworden.

Königsberg war 30 Kilometer weit weg

Keine Chance: zu städtisch, zu industriell, zu weit vom Meer entfernt. „Von meinem Kinderzimmer aus konnte ich direkt auf den Leuchtturm auf der Kurischen Nehrung sehen", schwärmt Schirmacher. Heimat, das ist für ihn immer das Fischer-, Bauern- und Handwerkerdorf in Ostpreußen geblieben. Sein Vater bewirtschaftete dort einen „300 oder 400 Morgen“ großen Bauernhof. „Bleib weg von der Stadt", das war so etwas wie ein goldenes Wort, das bereits die Kindheit der hier verwurzelten Menschen begleitete. Königsberg war 30 Kilometer weit weg – genug, um das ländlich bodenständige Gefühl nicht zu gefährden.

Zurückkehren war keine Option

Das erlitt erst irreparable Risse, als Krieg und Vertreibung alles veränderten. Mit Millionen Leidensgenossen wurde der Achtjährige in den fernen Westen gespült – und bei ihm blieben die Wurzeln spärlich, die sich dort bilden konnten.

Nach der Wende 1989 ist er sieben Mal in der alten, gefühlt immer noch einzigen Heimat am Haff gewesen. Alte Leute aus seinem Heimatdorf hat er dabei jedesmal getroffen. Die Option wirklich zurückzukehren gab es aber nie. Schon weil es keinen Weg gab, als Deutscher im nun russischen Ostpreußen ein Grundstück zu erwerben.

Heimatsymbol am 7. August 1949 eingeweiht

So blieben es Urlaubsreisen, mit der Rückkehr nach Bergkamen und vor allem auch Kamen, wo ein Ehrenmal auf dem Friedhof so etwas wie ein Heimatsymbol der aus dem deutschen Osten geflüchteten Menschen wurde. Am 7. August 1949 wurde es eingeweiht. Mit mehreren Sonderzügen kamen damals die Ost- und Westpreußen, die Pommern, Schlesier, Mecklenburger und Sudetendeutschen in die Sesekestadt, um das Leid der verlorenen Heimat zu teilen.

Heute ist die Zahl der noch lebenden Vertriebenen längst eingeschrumpft. Ebenso wie die Zahl ihrer im Bund der Vertriebenen organisierten Ortsvereine: Den Bergkamener musste Manfred Schirmacher schon vor 10 Jahren auflösen, der Kamener folgte Anfang dieses Jahres. Heute gibt es noch eine Organisation auf Kreisebene.

Licht der Erinnerung an Feiertagen

Nach wie vor von sehr großer Bedeutung ist aber vor allem das Kamener Ehrenmal für die in die Jahre gekommenen Vertriebenen. Mehrfach ist es schon saniert worden. An stillen Feiertagen wie dem Ewigkeitssonntag oder Allerheiligen aber künden viele vor dem Denkmal abgestellte Lichter, dass hier in Kamen immer noch viele Menschen zusammenkommen, die ein Stückchen neuer Heimat und vor allem ein großes Stück alten Heimatgefühls teilen.

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