Uwe Dräger vom Fachmarkt „Flammenträume“ ist oft genervt, wenn er zwischen Unna und Kamen im Stau steht. Deswegen will er wissen, wie es um den Bau der Westtangente steht. Eigentlich gut, aber...

Kamen

, 22.10.2019, 15:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Von Unna nach Kamen zum Arbeitsplatz. Kein Vergnügen für Uwe Dräger, Geschäftsführer des Kaminofen-Fachmarkts „Flammenträume“. Oftmals zähflüssiger Verkehr, der sich nur mit Schritttempo abwechselt, wenn er über Friedrich-Ebert-Straße, Kamener Straße und Unnaer Straße endlich im Kamen-Karree ankommt. Deswegen seine Frage jüngst an die Bürgermeister der Städte Kamen und Unna, Elke Kappen und Werner Kolter, ob es noch Chancen für den Bau der sogenannten Westtangente gibt. Es gibt sie. Da ist sich Unnas Bürgermeister Werner Kolter sicher. „Wir müssen jetzt nur die Planung umsetzen.“ Das allerdings wird noch Jahre dauern.

Den Stöpsel gegen den Stau rund um Ikea ziehen: Alle Grundstücke für die Westtangente im Sack

Die Karte zeigt den östlichen (orange) und den westlichen Abschnitt (rot) des interkommunalen Gewerbegebiets, das von der Stadtgrenze zwischen Unna und Kamen geteilt wird. Blau markiert sind die Trasse der Westtangente und eine Erschließungsstraße von der Kamener Straße aus, die die östliche Gewerbefläche anbinden wird. © Archiv

Den rasant wachsenden Lastverkehr besser abfließen lassen

Die Westtangente liegt zwischen Dortmund-Wickede und Kamen. Die Straße, die auch als OWIIIa oder L663n bekannt ist, soll nicht nur Unna, Königsborn, Massen und Dortmund vom Durchgangsverkehr entlasten.

Auch für das Kamen-Karree und die nahe gelegenen Gewerbegebiete „Zollpost“ und Henry-Everling-Straße mit dem Großlogistiker Arvato würde ein zusätzlicher Stöpsel gezogen, damit der rasant wachsende Schwerlastverkehr besser abfließen kann.

Die Westtangente, die über Unna und Dortmund führt, schließt an den sogenannten Ikea-Kreisel an, dort wo der Verkehr Richtung Ikea, Dehner und Mäx nach Norden und zu DHL, L‘Osteria und Pizza Hut nach Süden verteilt wird. In dem Verkehrskreisel liegt auch der sogenannte „tote Ast“, an dem die Westtangente auf Kamener Gebiet anschließen soll.

Aber nicht nur abfließen wird dort der Verkehr aus Unna und Kamen, sondern auch anlanden, um das nahe Kamener Kreuz zu erreichen.

Den Stöpsel gegen den Stau rund um Ikea ziehen: Alle Grundstücke für die Westtangente im Sack

Der Ikea-Kreisel mit dem noch „toten Ast“, der bisher lediglich zur sich im Bau befindlichen Woolworth-Ansiedlung im interkommunalen Gewerbegebiet Unna-Kamen führt. Über den Kreisel soll künftig der Verkehr der Westtangente geführt werden; eine Achse, die die innerstädtischen Verbindungen in Kamen, Unna und Dortmund deutlich entlasten soll. © Stefan Milk

Grundstücke im Besitz der WFG und der Stadt Unna

Die Planung für die Westtangente besteht schon fast so lange wie für die Südkamener Spange, die in Südkamen seit Jahrzehnten auf den Baustart wartet. Im Jahr 2006 zeigte sich beispielsweise der frühere Kamener Bürgermeister Hermann Hupe nach einem Gespräch mit dem damaligen Verkehrsminister Oliver Wittke optimistisch, dass die Westtangente nun gebaut wird. Wie lange es wirklich noch dauern wird, bis diese fertig ist, darüber gibt es keine verlässlichen Vorhersagen. Nur so viel: „Wir haben jetzt alle Grundstücke für die Westtangente in der Hand. Sie befinden sich im Besitz der Wirtschaftsförderungsgesellschaft und der Stadt“, so Kolter. „Das hilft.“

Zusammen mit Kamens Bürgermeisterin hat er jüngst im Landesverkehrsministerium vorgesprochen, um das Projekt anzuschieben. Fünf Jahre lang war das Projekt unter der vorigen rot-grünen Landesregierung aus allen Bedarfsplänen für Landesfernstraßen herausgefallen. Kolter: „Jetzt kommt sie wieder auf die Tagesordnung.“

Fertig erst vor den Olympischen Sommerspielen 2032?

Doch trotz aller Bemühungen liegen viele Details noch nicht vor. Vergleicht man den Planungsstand mit der Südkamener Spange, liegen die Westtangen-Macher um Jahre zurück. „Selbst wenn die Straße mit höherer Priorität versehen wird, müssen Trassenplanung und Umweltverträglichkeitsuntersuchungen durchgeführt und die Finanzierung geklärt werden“, so Kolter.

Letzter Stand: Weil die Planung der Umgehungsstraße nicht am Geld hapere, sondern an Kapazitätsmangel der Planungsbehörde, sollten die Kommunen die Straße stellvertretend für das Land planen lassen und die Kosten dann erstattet bekommen. Das sollte, so heißt es, den Bau der Straße beschleunigen.

Doch der Begriff „beschleunigen“ ist bekanntlich relativ, der auch zuträfe, wenn man vom Stillstand zum Schneckentempo überginge. Die Prüfung, ob die Planung vollständig über den Straßenbaulastträger Straßen NRW zu stemmen ist, läuft nach wie vor. Eine Westtangente sofort? Das ist wohl unmöglich. Wenn man sich die Planungsdauer anderer Verkehrsprojekte vor Augen führt, muss es wohl heißen: Wohl nicht vor zehn Jahren. Das wäre dann fast 2032, kurz bevor NRW die Olympischen Sommerspiele 2032 ausrichten will.

Den Stöpsel gegen den Stau rund um Ikea ziehen: Alle Grundstücke für die Westtangente im Sack

Die Westtangente verbindet Dortmund-Wickede mit dem Gewerbegebiet an der Stadtgrenze von Unna und Kamen. Sie schließt an der Massener Nordspange an, die einen Teil der neuen Achse bildet und Entlastung auf der Nord-Süd-Achse zwischen Unna und Kamen bringen soll. © Archiv

Gegen den Umgehungsverkehr aus Dortmund

Zu Gesprächen über das Thema hatten sich im Februar Verwaltungsspitzen von Kreis Unna und Stadt Dortmund auf Haus Opherdicke getroffen. Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau und Landrat Michael Makiolla waren sich dort einig: Die Westtangente sei sinnvoll und müsse mit allen Bauabschnitten vollständig gebaut werden, damit der Umgehungsverkehr aus Dortmund auf seinem Weg zur A1-Auffahrt in Kamen nicht erst ins heutige Straßennetz von Unna gelenkt wird. „Bei Unfällen, da saufen wir ab“, so Kolter nüchtern.

„Bei Unfällen, da saufen wir ab“
Unnas Bürgermeister Werner Kolter

Und Elke Kappen bestätigt: „Wenn am Kamener Kreuz irgendetwas ist, dann bekommen wir das deutlich zu spüren.“ Davon wissen zahlreiche Pendler zwischen Unna und Kamen ein Liedchen zu singen, wenn sie sich im Schritttempo zwischen den Städten bewegen. Ein Liedchen, das sie irgendwann nicht mehr hören mögen.

Auch Uwe Dräger könnte auf die Staus gern verzichten.

Immerhin kann er vom Parkplatz seines Fachgeschäfts im Kamen-Karree zur Autobahn blicken und sich seine eigene Stauprognose machen. „Ich kann von hier aus sehen, ob es läuft oder nicht.“

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