Großer Zuspruch bei der Bürgerversammlung am Dienstagabend im Lutherzentrum, wo Geld aus einem neuen Haushaltstopf bürgernah verteilt wird. Die Heerener haben reichlich Wünsche mitgebracht.

Kamen

, 28.01.2020, 21:10 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zum dritten Mal heißt es „Sprechen wir über Geld“. Dieses Mal im Heerener Lutherzentrum, wo sich am Dienstagabend etwa 80 Bürger, darunter auch einige Ratsvertreter, versammeln, um eben über dieses Thema zu sprechen: Beim sogenannten „Bürgerdialog“, bei dem aus dem neuen, bürgernahen Haushaltstopf der Stadt 8200 Euro für den Stadtteil Heeren-Werve zur Verfügung stehen.

Die größere Resonanz als bei der Veranstaltung für Kamen-Mitte, bei der mit 21.000 Euro deutlich mehr Geld zu Verfügung stand, lässt zunächst vermuten, dass der Verteilungskampf härter werden könnte, als bei den vorigen zwei Veranstaltungen. Doch es kommt anders.

Rentnerbank, Baumhaus, Segeltörn: In Heeren gehen alle Bürgerwünsche in Erfüllung

Sehr gut besucht war die Bürgerversammlung im Lutherzentrum. Etwa 80 Bürger sammelten sich zum Bürgerdialog. © Marcel Drawe

Überlegen, was man für seinen Stadtteil tun kann

„Hier treffen sich Bürgerinnen und Bürger, die überlegen, was sie für ihren Stadtteil tun können“, sagt Bürgermeisterin Elke Kappen mit Blick auf die bisherigen Veranstaltungen, bei denen schon zahlreiche Vereine und Verbände mit ihren Wünschen berücksichtigt wurden. „Mit einem Budget, das nicht wahnsinnig groß ist“, wie Kappen einräumt. Aber immerhin: Es sei ein Versuch, der wiederholt werden könnte, wenn er auf ausreichend Widerhall stoße. Auch das Budget könnte dann erhöht werden.

In Heeren-Werve, so ist an dem Abend festzustellen, ist diese Resonanz groß. Und auch wenn das Budget klein ist, am Ende reicht es aber trotzdem: Viele Wünsche sind von den Kosten überschaubar, einige können aus anderen Töpfen finanziert werden.

Rentnerbank, Baumhaus, Segeltörn: In Heeren gehen alle Bürgerwünsche in Erfüllung

Kämmerer Ralf Tost beim Schnelldurchlauf durch den städtischen Haushalt. © Marcel Drawe

Rentnerbank im Luisenpark, Sitzgelegenheiten an den Straßen

Nachdem Kämmerer Ralf Tost den städtischen Haushalt im Schnelldurchlauf vorgestellt hat, geht es los: Es kommen die Wünsche auf den Tisch, die Moderator Werner Wiggermann aufnimmt. Wie die Rentnerbank, die Günter Kunert von den Sportschützen Heeren-Werve für den Luisenpark anregt. „Mit den neuen Seniorenwohnungen in unserer Nachbarschaft ist der Bedarf vorhanden“, sagt er.

Auch woanders sind Sitzgelegenheiten gefragt. Wie auf der kleinen Mauer vor dem Pförtnerhaus der Awo, wo Sitze aus Holz aufmontiert werden könnten, wie Stadtteilmanager Jakob Hamborg anregt. Ein Vorschlag, der von Volker Nordalm vom Sozialwerk „Bürger für Bürger“ unterstützt wird. Weitere Sitzgelegenheiten sind unter dem Motto „Heeren will sitzen“ erwünscht. Wie an der Westfälischen Straße und Märkischen Straße; dort, wo zu Fuß Einkäufe zwischen dem Edeka und den Wohnhäusern an der Bergstraße erledigt werden, wie Wilhelm Kemna anmerkte.

Rentnerbank, Baumhaus, Segeltörn: In Heeren gehen alle Bürgerwünsche in Erfüllung

Günter Kunert von den Sportschützen Heeren-Werve, die in der Nähe des Luisenparks ihr Vereinsheim haben. Kunert regt eine Rentnerbank für den Park an, der in diesem Jahr neu gestaltet werden soll. © Marcel Drawe

„Finde das ganz toll, dass es dieses Angebot gibt“

„Ich finde es ganz toll, dass es dieses Angebot gibt und auch, dass die Bürger hierher kommen und das in Anspruch nehmen“, so sagt im Gespräch mit der Redaktion Doris Keidel, die zusammen mit Heinz-Peter Bastian für die BSG Kamen 1955 den Wunsch für jenen 53 Mitglieder starken Verein formuliert, der Reha-Sport, Herzsport und Wassergymnastik in Heeren und Südkamen anbietet. Im 65. Jahr des Bestehens möchte der Verein eine Feier auf die Beine stellen und erbittet einen Zuschuss.

Einen Wunsch für die Segelgruppe Möhnesee äußert Burkhard Allebrodt. Auch hier könnte ein kleiner Zuschuss eine Jugendfreizeit für jene Familien erschwinglich machen, die sich das sonst nicht leisten könnten. „Bei der Freizeit lernen die Jugendlichen die Grundbegriffe des Segelns kennen und können am Ende eigenständig ein Boot steuern“, erläutert er.

Rentnerbank, Baumhaus, Segeltörn: In Heeren gehen alle Bürgerwünsche in Erfüllung

Zahlreiche Blankozettel lagen auf den Tischen, wo jeder seinen Wunsch eintragen konnte. © Marcel Drawe

Handballverein, BSV, Feuerwehr und Kita Herz-Jesu

Weitere Wünsche folgen Schlag auf Schlag. Der BSV Heeren benötigt neues Trainingsmaterial für die 250 Kinder, die dort Fußball spielen. Der Förderverein der Kita Herz-Jesu benötigt finanzielle Hilfe, um ein marodes Baumhaus zu sanieren, das zurzeit nicht bespielt werden kann. „Das Baumhaus ist der Hit bei den Kindern“, heißt es. Der Handballverein Heeren-Werve benötigt einen Internetanschluss für die Sporthalle. Und das Haus Mühlbach möchte zusammen mit den Bewohnern des benachbarten Pröbstinghauses einen Tagesausflug organisieren. Ortsheimatpfleger Karl-Heinz Stoltefuß verweist auf Heerens 17 Baudenkmäler, von denen nur drei mit einer Denkmaltafel versehen sind. „Es sollten auch die anderen beschildert werden.“ Und die Kinderfeuerwehr braucht eine Erstausstattung.

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Für alle Vorschläge eine Lösung

Auch infrastrukturelle Probleme werden von den Bürgern benannt. Probleme, die die Stadt nicht aus dem Topf mit dem Bürgergeld beheben will, sondern mit anderen Mitteln. Wie die Sicherung der Querung zwischen Edeka und Gesundheitshaus, die die Landfrauen Heeren fordern. Oder die Verbesserung der Beleuchtungssituation am Spielplatz Bergstraße, die Beate Siebert vom Sozialwerk „Bürger für Bürger“ für verbesserungswürdig hält. Die Naturfreunde halten zusätzliche Fahrradabstellanlagen an der Astrid-Lindgren-Schule für sinnvoll.

Am Ende gibt es für alle Vorschläge eine Lösung. Heeren sprach über Geld - ganz ohne Verteilungskämpfe.

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An diesem Mittwoch wird die Serie zunächst abgeschlossen mit Runde vier für den Stadtteil Methler - ab 18 Uhr im dortigen Bürgerhaus.
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