Der Pavillon an der Maibrücke erhält eine neue Funktion. Ab November wird aus dem ehemaligen Blumenladen ein Pegelhäuschen. Auf einer LED-Tafel gibt es dann Informationen über die Seseke.

Kamen

, 22.08.2019, 14:33 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Pegelhäuschen an der Maibrücke. Hört sich so an wie das Wirtshaus zum Spessart. Gezecht wird dort aber nicht. Sondern gepegelt. Ab November soll dort der Pegelstand der Seseke auf einer großen LED-Tafel zu sehen sein. In einem Fenster des Pavillons, der am Sesekepark steht, wird eine 1,6 mal 1,0 Meter große Tafel installiert, die anzeigt, wie hoch das Wasser gerade steht und wie es im Wochen- oder Monatsvergleich aussieht. Dr. Alexander Hartung vom Lippeverband stellte das Projekt am Donnerstag zusammen mit Kollegen und Vertretern der Stadt Kamen direkt vor Ort vor. Zu sehen ist noch nichts, auch wenn die Arbeiten jetzt beginnen. Ende September wird der sogenannte digitale Pegelstands-Anzeiger installiert. Nach einem Testlauf soll die Anlage im Laufe des Novembers in Betrieb gehen.

Das Wirtshaus am Spessart? Nein, das Pegelhäuschen am Sesekepark!

Ein Fingerzeig dorthin, wo die LED-Tafel installiert wird: Dr. Alexander Hartung im Pavillon des Lippeverbandes, der künftig als sogenanntes Pegelhäuschen genutzt wird. © Janecke

Der Fluss rückt stärker ins Bewusstsein

„Mit dem großen LED-Display machen wir den Seseke-Pegel stärker sichtbar – die Messergebnisse übertragen wir dazu über Funk“, illustriert Hartung, der beim Lippeverband unter anderem zuständig ist für das Pegelwesen. Ermittelt wird der Pegelstand 250 Meter stromaufwärts vom Sesekepark entfernt. Der Pavillon, der früher einmal ein Verkaufsstand für Blumen war und jetzt unter anderem für das Ferienreisebüro in den Sommerferien genutzt wird, darf damit als Pegelhäuschen bezeichnet werden. Die LED-Tafel soll dort hängen, wo jetzt noch Veranstaltungsplakate aus den Jugendzentren hängen.

An der Seseke

Über die Pegelstände

  • Der aktive Pegel an der Ostenallee mit der Pegelnummer 20021 wurde am 15. November 2011 in Betrieb genommen. Grund für die Inbetriebnahme war der Umbau der Seseke in diesem Bereich im Jahre 2011. Das höchste seit dem registrierte Ereignis erreichte einen Pegelstand von 285 Zentimeter und trat am 19. September 2014 auf. Das zweithöchste Ereignis trat am 1. Dezember 2015 mit einem Pegelstand von 245 Zentimetern auf. Zum Vergleich: Der Mittelwasserstand beträgt 69 Zentimeter und das mittlere Niedrigwasser 39 Zentimeter. Diese Daten beziehen sich auf den Zeitraum von 2012 bis 2018.
  • Der Vorgängerpegel am gleichen Standort wurde am 1. Januar 1928 errichtet, die Daten des Pegels sind beim Lippeverband verfügbar ab dem 29. Januar1952. In dem sehr langen Zeitraum von 1953 bis 2011 betrug das höchste Ereignis 424 Zentimeter vom 5. Dezember 1960 und das zweithöchste 376 Zentimeter vom 1. November 1998. In dem gesamten Zeitraum (60 Jahre) führte die Seseke Abwasser.

Ein Gefühl dafür entwickeln, wie hoch das Wasser steht

„Bei großen Flüssen ist es selbstverständlich, dass dort der Pegel angezeigt wird. Auch wir wollen deutlich machen, dass es sich um ein Gewässer handelt, dass sich ständig verändert“, sagt Matthias Breuer, Fachbereichsleiter Planung, Bauen und Umwelt bei der Stadt Kamen, bei dem Ortstermin am Donnerstag. Mit der neuen Technik hätten jene Passanten, die im Sesekepark oder auf dem Sesekeweg unterwegs seien, die Möglichkeit ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sich der Wasserstand entwickelt . „Bald wissen wir wieder, ob das 60 Zentimeter oder anderthalb Meter sind“, sagte er. Das 40.000 Euro teure Projekt wird zu 80 Prozent (32.000 Euro) aus Landesmitteln finanziert. Die restlichen 8.000 steuert der Lippeverband bei.

Das Wirtshaus am Spessart? Nein, das Pegelhäuschen am Sesekepark!

In den 60er-Jahren trieb das Wasser der Seseke zu Hochwasserzeiten schon mal über die Straße. Das soll jetzt nicht mehr passieren. Der Hochwasserschutz wurde deutlich ausgebaut.

Sogenannte „Ganglinien“ in der Anzeige

Die digitale Anzeige gibt nicht nur Auskunft zur Höhe des aktuellen Wasserstands, sondern auch über die sogenannten „Ganglinien“. Das sind die Verläufe des Pegelstands der vergangenen Woche und des letzten Monats. Infos gibt es zudem zur Lufttemperatur. Außerdem stehen auch Informationen hinsichtlich der Pegelstation selbst und der dort eingesetzten Technik bereit. In Lünen und Dorsten gibt es die Anzeigen bereits. „Wir haben gute Erfahrungen gemacht“, sagt Hartung. Und Dr. Martina Oldengott, beim Wasserverband verantwortlich für die strategische Raumentwicklung, ergänzt: „Aus dem nicht genutzten Pavillon wird wieder ein öffentlicher Ort.“ Für den Lippeverband sei es wichtig, Wasserwirtschaft erlebbar zu machen - auch über das Wasser hinaus.

Jetzt lesen

Jahrzehnte lang ein offener Schmutzwasserlauf

Bekanntlich diente die Seseke ab Bönen jahrzehntelang als offener Schmutzwasserlauf, der das Abwasser der Region abführte. Mit dem Auslaufen des Bergbaus ab den 1980er-Jahren wurde zum ersten Mal die kanalisierte Form der Gewässer und die offene Abwasserführung in Frage gestellt. „Bis dahin hatte es dazu keine echte Alternative gegeben“, so Oldengott. Da die bergbaubedingten Bodensenkungen durch die Einstellung der letzten Schachtanlagen abklingen würden, entwickelte der Lippeverband das Seseke-Programm, um die Seseke und ihre Nebenläufe wieder in eine abwasserfreie und naturnahe Flusslandschaft zu verwandeln. Vor der Umgestaltung des Seseke-Gebietes mussten zunächst an sämtlichen, zu offenen Schmutzwasserläufen umfunktionierten Bächen unterirdische Kanäle verlegt werden.

Vier Kläranlagen und 73 Kilometer Abwasserkanäle an den Flüssen

Zwischen dem Ende der 1980er-Jahre und 2014 hat der Lippeverband durch den Bau von vier modernen Kläranlagen und rund 73 Kilometern geschlossene Abwasserkanäle eine neue abwassertechnische Infrastruktur im Einzugsgebiet der Seseke geschaffen. Seitdem fließt nur noch gereinigtes Wasser in der Seseke und ihren Nebenläufen. Das Schmutzwasser wird in parallel zum Gewässer verlaufenden unterirdischen Kanälen zu den Kläranlagen in Bönen, Kamen, Dortmund-Scharnhorst und Lünen geführt und dort gereinigt in die Seseke sowie ihre Zuflüsse Rexebach und Körnebach eingeleitet.

Betonschalen wurden aus dem Flussbett entfernt

Nach der Befreiung vom Abwasser wurden auch die Seseke und ihre Nebenläufe ökologisch verbessert: Die Seseke selbst wurde von einem geradlinigen, in Betonplatten gefassten Gewässer in einen naturnahen, geschwungenen Flusslauf umgestaltet. Dazu wurden die Betonschalen aus dem Flussbett entfernt, die Böschungen abgeflacht sowie Flachwasserzonen und Regenrückhalteflächen eingerichtet. Durch Anpflanzungen sowie das Einsetzen von Fischen wie Quappen und Forellen wurden darüber hinaus Impulse gesetzt, damit die Natur zurückkehren und sich neue Lebensräume erobern kann.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Baudenkmal darf nicht wackeln

Heikler Kanalbau an Kirche: Mini-Tunnelbohrmaschine schafft die ersten Meter

Hellweger Anzeiger Breitbandausbau

Wahrscheinlich kommen als erstes Grundschulen in den Genuss des schnellen Netzes