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Das Verschwinden der Kiebitze

Natur

Wie viele Vögel tummeln sich in heimischen Gärten zur Winterzeit? Diese Frage stellte der NABU im Januar wieder deutschlandweit. Auch in Kamen beteiligen sich viele Naturfreunde an der Aktion. Viel Grund zur Freude geben die aktuellen Zahlen nicht.

12.01.2019 / Lesedauer: 3 min
Das Verschwinden der Kiebitze

Englischen Rasen gibt es bei Karl-Heinz Kühnapfel nicht, der Ornithologe plädiert für eine natürlichere Gartengestaltung. Hier können sich Insekten besser ausbreiten, die dann den Vögeln als Nahrung dienen.drawe © Marcel Drawe

Wenn ich an meine Kindheit denken muss, könnte ich weinen“, klagt Karl-Heinz Kühnapfel. Kühnapfel ist Vogelkundler und in der Kamener Ortsgruppe des Naturschutzbundes Kreis Unna (NABU) aktiv. So wie viele tausend Deutsche hat auch er sich an der diesjährigen Zählaktion „Stunde der Wintervögel“ beteiligt, die an diesem Wochenende zu Ende geht. Das Ergebnis ernüchtere ihn, erklärt er: „Ich kann auf eine lange Beobachtungsspanne zurückgreifen und die Gartenvogelpopulation nimmt immer weiter ab.“

Vier Buchfinken, zwei Kohlmeisen, zwei Rabenkrähen und ein Buntspecht – nur einige der Arten, die Karl-Heinz Kühnapfel zählen konnte. Im Garten des Vogelkundlers scheint die Welt noch in Ordnung, doch der Eindruck täusche, meint Kühnapfel. Tatsächlich hätten die heimischen Gartenvögel mit einem starken Rückgang ihrer Populationen zu kämpfen. Die Gründe dafür sind vielfältig und ineinander verstrickt, Schuld daran trage aber zum größten Teil der Mensch. „Die Tiere finden nichts mehr zu fressen und das hemmt das Brutverhalten.“

Das Verschwinden der Kiebitze

Das Rotkehlchen kam im bei den Zählungen in diesem Jahr in NRW wieder etwas häufiger vor. Im Kreis Unna ist der Bestand allerdings um ein Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken.privat

Statistik im Jahresturnus

Jedes Jahr im Januar ruft der NABU die Bürger in allen Bundesländern auf, die heimische Vogelpopulation zu zählen. Egal ob im Garten, auf dem Balkon oder im Park: Eine Stunde lang sollen die Teilnehmer die Vögel zählen. Dabei wird immer nur die Höchstzahl der sichtbaren Vögel gezählt. Sehen die Teilnehmer also eine Gruppe von vier Dohlen, wird die Zahl „Vier“ aufgeschrieben. Wenn dann wenig später eine kleinere Gruppe derselben Art auftaucht, bleibt die Vier stehen. Für die Bestimmung der Arten hatte der NABU im Vorfeld eine Liste veröffentlicht, auf der die heimischen Vogelarten abgebildet sind. Die Zahlen wertet der Verein direkt auf der eigenen Internetseite aus.

Bernd Margenburg, ebenfalls Mitglied beim NABU, hat sich auch an der Zählung beteiligt. Daten übermittelt habe der Bergkamener aber keine, erzählt er: „Wir hatten innerhalb einer Stunde nicht einen Vogel im Garten.“ Besonders kritisch sei der Bestand der Kiebitze, so Margenburg. „Einige Bereiche im Kreis Unna sind zu 100 Prozent Kiebitz-frei.“ Auch hier ist die Futtersituation das ausschlaggebende Problem, das den Bestand der Tiere in den vergangenen Jahren stark reduziert hat. Die Zahlen geben ihm recht: In ganz NRW ist die Kiebitzpopulation laut dem NABU um 67 Prozent zurückgegangen, nur in 0,01 Prozent der ausgewerteten Gärten war der Vogel statistisch zu finden. Deutschlandweit ist die Zahl sogar um 75 Prozent zurückgegangen.

Das Verschwinden der Kiebitze

Der Blaumeisenbestand ist laut NABU in NRW um sechs Prozent zurückgegangen.privat

Problemzone „Garten“

Doch warum finden die Tiere kein Futter mehr in den Gärten? Das Problem sei der Ordnungswahn vieler Bürger, meint Kühnapfel. So gingen viele Hausbesitzer radikal gegen Wildkräuter vor. Doch diese bieten Insekten Nistplätze und Lebensräume, die als Nahrungsquelle für viele Vögel dienen. „Nur mit Vogelfutter kann man dem nicht entgegenwirken“, so Kühnapfel. „Die Tiere brauchen Eiweiß, besonders bei der Brutpflege.“ Die Landschaft würde von Straßen zerschnitten, die Rückzugsräume der Tiere verringerten sich von Jahr zu Jahr. Für Vögel wie den Kiebitz war der heiße Sommer zudem ein Problem. Denn bei anhaltender Trockenheit verziehen sich Regenwürmer immer tiefer ins Erdreich, die Kiebitze kommen nicht mehr an die Nahrungsquelle heran.

Ungepflegt und nützlich

Doch was können Gartenbesitzer tun, um dem Prozess entgegenzuwirken? Einfach zehn Prozent des Gartens wild lassen, rät Kühnapfel. Würden das alle Gartenbesitzer tun, würde das den Tieren schon sehr helfen. Noch immer würden zudem Pestizide in Gärten zum Einsatz kommen, damit müsse endlich Schluss sein, plädiert der Ornithologe.

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