Das Torhaus zum Haus Heeren ist ausgebaut und renoviert

dzBaudenkmal

Das Torhaus am Wasserschloss Heeren erscheint auf zahlreichen Fotos und Ansichtskarten und blickt auf mehr als 300 Jahre Geschichte zurück. Jetzt tut sich etwas an dem ehrwürdigen Baudenkmal.

von Karl-Heinz Stoltefuß

Kamen

, 20.03.2020, 13:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der imposanten Bau mit den zwei mächtigen, aus Eichenholz gefertigten Torflügeln hat eine über 300 Jahre alte Geschichte. Der heutige Zustand wird im Buch „Baudenkmale in Kamen“ so beschrieben: „Das Torhaus aus der Zeit um 1700 wurde 1820 ausgebaut. Die Außenfront ist von Pilastern gerahmt und durch Gesimse unterteilt. Im Scheitel des Torbogens sitzt eine Kartusche aus Blattwerk, die einen Kopf umschließt, darüber, zwischen den Fenstern, eine Sonnenuhr mit der Jahreszahl 1820.“

Geschichte des Torhauses ist Teil der Ortsgeschichte

Der erste Plettenberger in Heeren, Jobst Henrich, ließ in den Jahren 1689 bis 1693 die Vorburg mit den notwendigen Wirtschaftsgebäuden errichten. Die Zufahrt zum Hof wurde im westlichen Gebäude angelegt. Der Durchfahrtsbogen ist heute noch als großes Wohnraumfenster zu sehen. Von der Landstraße aus erreichte man das Haus Heeren über die heute verschwundene „Wienkämper Straße“, die an der alten Wasserburg Heeren vorbei, über Mühlenbach und Seseke, nach Derne führte.

Vor diesem schweren Eichentor ist in den vergangenen 300 Jahren so mancher abgeblitzt, 1918 sogar die Rote Armee.

Vor diesem schweren Eichentor ist in den vergangenen 300 Jahren so mancher abgeblitzt, 1918 sogar die Rote Armee. © privat

Bau um 1700

Um 1700 ließ Jobst Henrich die Zufahrt zum Schlosshof in das südliche Gebäude verlegen und das Torhaus mit dem zweiflügeligen Eichenholz-Tor bauen, das heute immer offen steht. Es ist nicht leicht, dieses schwere Haupteingangstor zu bewegen. Vermutlich gehört es noch zum Ursprungsbau. Unverkennbar ist die Fertigung des Tores durch grobe Handarbeit. Dem damaligen Zimmermann standen zum Zuschnitt der Bohlen lediglich Axt, Spalt- und Langsäge und das Zieheisen zur Verfügung. Die Beschläge wurden vermutlich in der hauseigenen Schmiede angefertigt. Auffällig ist das kleine Durchgangstor für die Menschen. Es misst gerademal 1,55 Meter. Bei geschlossenem Tor war das Herrenhaus abgeriegelt. Ob es in unruhigen Zeiten Feinde abhielt, ist nicht dokumentiert.

1918: Schüsse auf das Tor durch Rotarmisten

Ein Vorfall aus der Zeit der Revolution von 1918 ist allerdings belegt. Im Ruhrkampf rückte die Rote Armee über Heeren nach Hamm vor. Haus Heeren lag an der Marschroute. Graf Friedrich ließ die schweren Flügel im Torhaus schließen. Durch keine Drohung der Rotarmisten war er zu bewegen, das Tor zu öffnen. Die Soldaten schossen in das schwere Eichentor. Einige drangen in den Garten bis zur Gräfte vor. Durch einige Schüsse gingen Fensterscheiben zu Bruch. Die Soldaten zogen ab.

Durch diesen Durchgang von gerade einmal 1,55 Metern Höhe, muss man sich zwängen, will man nicht die großen und sehr schweren Doppelflügel des Tores öffnen.

Durch diesen Durchgang von gerade einmal 1,55 Metern Höhe, muss man sich zwängen, will man nicht die großen und sehr schweren Doppelflügel des Tores öffnen. © privat

Dreiste Diebe stahlen gleich den ganzen Schreibtisch

1836 war das Torhaus Schauplatz eines dreisten Diebstahls. In einer klaren Vollmondnacht im Dezember stiegen zwei Diebe durch ein Fenster in das Büro des Rentmeisters Carl Krupp ein. Der schlief im benachbarten Zimmer. Sie ließen den Bürotisch durch das Fenster herab, trugen ihn ins Kateneck und brachen die Lade auf. Die Beute war beachtlich. 1000 Reichstaler Bargeld, eine Doppelflinte, die Jagdtasche und einige schöne Pfeifen des Rentmeisters fielen den Dieben in die Hände. Die Fahndung nach den Tätern übernahm der Bürgermeister von Unna, Prizonius. Der hatte schnell Erfolg. Zwei Polizei bekannte Spitzbuben aus Hemmerde fielen durch ihre Sauftouren in Unna auf. Bei Hausdurchsuchungen fand man einen Großteil der Beute.

Alle Räume der Vorburganlage sinnvoll genutzt

Mit der Renovierung des Torhauses und der Nutzung als Büro sind alle Räume in der Vorburganlage einer sinnvollen Nutzung zugeführt worden. Das Um- und Ausbauprogramm hat einige Jahre gedauert und eine hohe Investition erfordert. Damit hat die Familie von Plettenberg ihr Baudenkmal, das allen Generationen sehr am Herzen liegt, fit gemacht für die Zukunft - auch zur Freude aller Denkmalschützer in Kamen und darüber hinaus.

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