Joghurt steht dieses Jahr ganz oben auf der Liste der beliebtesten Eissorten. Doch auch Fruchteis ist bei der Hitze ganz vorne mit im Rennen. Eine Eisdiele setzt zudem auf Umweltschutz.

Kamen

, 29.06.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit Maracuja, Holunder, Mango, Kirsche oder einfach pur: Joghurteis ist in diesem Sommer im Kommen. Die Kunden der Kamener Eisdielen setzen auf erfrischende Sorten. Neben Joghurt ist auch Fruchteis sehr beliebt. „Veganes Eis wird gerne genommen und einige wollen keine Sahne mehr“, sagt Silke Rapphold, Mitarbeiterin im Eis-Café Venezia an der Weststraße. Auf die Frage, ob die Leute mehr auf ihre Gesundheit achten, sagt sie: „Sie versuchen es, Eis essen sie ja trotzdem.“ Und das nicht zu wenig. Nach einem schleppenden Anfang der Saison boomt das Eisgeschäft mittlerweile – was bei dem Wetter nicht verwunderlich ist. Auch Eiskaffee, Orangen-Flip und Milchshakes seien eine beliebte Erfrischung, sagt Rapphold. Und vor allem bei den Shakes macht sich eine Experimentierfreude bemerkbar – da wird etwa Mango mit Zitrone gemischt.

Seit über 32 Jahren verkauft der Inhaber des Cafés Fabio Tiozzo Eis in Kamen, seit 2014 in dem Lokal an der Weststraße. Tiozzo war Fischer und kam aus der Nähe von Venedig nach Kamen, wo er sein Eis aus italienischen Produkten selbst herstellt.

Das sind die Eistrends 2019: Joghurt- und Fruchteis sind im Kommen, Sahne weniger

Fabio Tiozzo ist Inhaber der Eisdiele Venezia. Vor 32 Jahren kam Tiozzo aus der Nähe von Venedig nach Kamen, wo er sein Eis aus italienischen Produkten selbst herstellt. © Pott

Fruchtige Eissorten sind im Trend, aber auch Ausgefalleneres kommt gut an

Auch im Eiscafé San Remo stellt man sein Eis selbst her und auch hier stehen waschechte Italiener hinter der Theke. Renato De Tata, Inhaber der Eisdiele, kam vor 22 Jahren aus Neapel nach Deutschland. Schon sein Vater war Eismacher. Auch bei De Tata gehen fruchtige Eissorten wie „Mixed Berries“ oder „Limoncello“ – eine Mischung aus Joghurt und Zitrone – sehr gut. „Bei dem Wetter wollen die Besucher etwas Erfrischendes“, sagt er. Auf die Wünsche geht das Eiscafé mit immer wechselnden, teils ausgefallenen Sorten ein. „Letzte Woche gab es Joghurt des Orients mit Pistazien, Karamell und Salzsplittern. Das kam gut an“, sagt De Tata. Dass auch die Besucher von San Remo offen für Neues sind, zeigt nicht nur das orientalische Joghurteis. „Auch wenn viele glauben, dass die Sorte nur etwas für Kinder ist: Einhorn-Eis ist auch bei Erwachsenen beliebt“, sagt De Tata über die fruchtige Sorte, die nach Erdbeeren und Himbeeren schmecken soll.

Das Einhorn-Eis probieren würde wohl auch Dörte Steube, die sich den Donnerstagnachmittag mit einem Eis versüßt. Steube probiert immer mal wieder eine andere Eissorte aus, heute ist es Mango. Ihre Begleitung Marco Zebrowski löffelt sein Erdbeereis mit Sahnehaube. „Ich probiere zwar auch mal etwas anderes aus, aber man kommt doch immer zum Alten zurück“. Auch andere Klassiker wie das Spaghetti-Eis mit Erdbeersoße und weißen Schokostreuseln sind von den Tischen der Kamener Eisdielen nicht wegzudenken. Ein eher neuerer Trend ist Slush-Eis, das ebenfalls im San Remo angeboten wird. Eine Kundin ist froh darüber. Sie möge eigentlich kein Eis, aber ein erfrischendes Slush-Eis sei genau das Richtige. Fragt man De Tata nach seiner Lieblingseissorte, muss er erst einmal überlegen, bevor er dann doch Klassiker wie Stracciatella, Haselnuss und Vanille-Eis nennt. Er ist also eher der Sahneeis-Typ.

Das sind die Eistrends 2019: Joghurt- und Fruchteis sind im Kommen, Sahne weniger

Renato De Tata, Inhaber des Eiscafés San Remo, und seine Mitarbeiterin Maria Manuel zaubern am Willy-Brandt-Platz auch exotische Fruchtbecher – das kommt bei den hohen Temperaturen gut an. © Pott

Klassische Eissorten seien es auch, die die Kunden immer wieder ins Eiscafé Scarzanella nach Heeren-Werve locken. „Ich habe eine feste Kundschaft und viele nehmen immer die gleiche Sorte“, sagt Inhaberin Battistin Wilma. Neben Cookies und Amarena seien auch Joghurt und fruchtige Sorbets in diesem Jahr sehr beliebt. Ihre Eisdiele ist nicht mehr aus dem Stadtteil wegzudenken. In diesem Jahr gibt es das Café 50 Jahre. Bevor Wilma die Führung übernahm, gehörte das Lokal ihren Eltern.

Das sind die Eistrends 2019: Joghurt- und Fruchteis sind im Kommen, Sahne weniger

Während Marco Zebrowski die klassische Eissorte Erdbeere favorisiert, probiert Dörte Steube gerne neue Eissorten aus – wie zum Beispiel Mango. © Pott

Draußen nur noch Selbstbedienung im Eiscafé in Heeren-Werve

Während Wilma bei den Eissorten auf Altbewährtes setzt, geht sie beim Thema Verpackungen mit dem Trend. Zur Auswahl stehen Bio-Plastikbecher, Papierbecher oder Hörnchen-Becher. Doch obwohl Wilma ihre Kunden jedes Mal fragt, ob sie ihr Eis nicht in der Waffel essen wollen, entscheiden sich die meisten doch für die Plastik-Variante. Viele redeten nur über Klimaschutz, aber denken im Alltag nicht daran. Wilma habe auch einen neuen Mülleimer angeschafft, mit dem sich der Müll trennen lasse – „aber die Leute trennen trotzdem nicht.“

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Mit einer dritten Veränderung hat die Eiscafé-Besitzerin eine große Diskussionswelle angestoßen. Gäste, die an den Tischen draußen sitzen, werden nicht mehr bedient. Sie müssen sich ihre Eisbecher künftig an der Theke kaufen. Grund der Neuerung sind zu hohe Kosten für eine zusätzliche Bedienung. Die meisten Kunden holten sich ihr Eis ab, um es zu Hause zu essen. Das mache 80 Prozent ihrer Einnahmen aus, sagt Wilma. Eine zusätzliche Kraft für den kleinen Außenbereich lohne sich nicht. „Wenn ich draußen 20 Tische hätte, die ständig voll wären, dann würde sich Personal lohnen.“ Drinnen werde aber weiterhin bedient. Die Neuregelung hat in dem sozialen Netzwerk Facebook eine Diskussion ausgelöst. Für einige ist es kein Problem, sich selbst zu bedienen, für eine andere „gehört Bedienung zu einer guten Eisdiele dazu“. Doch Battistin Wilma sieht es gelassen: „Viele waren erst genervt, aber dann kamen sie doch wieder“.

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