Das Kamener Stadtwappen wird am Alten Markt zum Kunstwerk

dzKunst in Kamen

Kammrad und Schachbrett auf gelbem Grund: Eine künstlerische Version des Kamener Stadtwappens ziert nun das Gebäude am Markt 15. Doch was bedeuten die Symbole des Wappens?

Kamen

, 08.08.2019, 12:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

In luftiger Höhe sitzt der Künstler und Sternekoch Franz L. Lauter auf dem Baugerüst, Pinsel in der Hand, und gönnt dem Kammrad im Kamener Stadtwappen ein bisschen mehr gelbe Farbe.

Die künstlerische Version des Stadtwappens ziert nun das Gebäude am Markt 15, in dem etwa auch die Galerie „Zeitlos“ beheimatet ist. Der Auftrag stammt vom Eigentümer Michael Nosiadek, der dem Gebäude mit dem Werk ein besonderes Flair geben will.

Kammrad und Schachbrett

Künstler Lauter sieht die Arbeit als Freundschaftsdienst. „Für Geld würde ich mich nicht bewegen“, sagt er und lacht verschmitzt. Die wichtigen Bestandteile des Wappens sind alle vorhanden, also das Kammrad, um dessen Bedeutung sich einige Debatten aufhängen, und das sogenannte Märkische Schachbrett, das auf die Grafen von der Mark zurückzuführen ist, in dessen Territorium Kamen einst lag.

Ein Blick auf die Geschichte des Wappens

Die Geschichte des Stadtwappens kennt Ortsheimatpfleger und Stadtführer Klaus Holzer ganz genau. Diese lässt sich bis zum ersten Beleg des Stadtsiegels im Jahre 1284 zurückverfolgen. Kammrad und Märkisches Schachbrett gehörten bereits zu dieser Urversion.

Im Jahr 1912 wurde Kamen von Kaiser Wilhelm II das Stadtwappen verliehen, die entsprechende Urkunde befindet sich noch im Stadtarchiv. Die Symbole prangten fortan auf einem spitz zulaufenden, spanischen Schild, über dem Kammrad war eine stilisierte Stadtmauer mit Zinnen - ein Symbol, das Städten mit mittelalterlichem Ursprung vorbehalten war.

Mühlrad oder germanisches Sonnenrad

In den 1990-Jahren entschied man sich hingegen für eine vereinfachte Version, bei der auf die Stadtmauer verzichtet wurde. „Bei dem Kammrad gibt es verschiedene Interpretationen“, so Holzer. Zum einen könne man es als Mühlrad verstehen. Zum anderen sehen manche in dem Zeichen das germanische Sonnenrad. „Das halte ich aber für höchst unwahrscheinlich“, sagt Holzer. Seine Begründung: Warum sollte man dieses heidnische Symbol im christlichen Mittelalter verwenden?

Das Kamener Stadtwappen wird am Alten Markt zum Kunstwerk

Neben der Rathaus-Apotheke am Eingang der Arkaden - vom Markt kommend - findet sich eine Abbildung des Stadtwappens von 1912. © Stenger

Das alte Stadtwappen ist in der Innenstadt zu finden

Wer einen Blick auf das alte Stadtwappen von 1912 erhaschen möchte, hat an vier Kamener Standorten die Möglichkeit dazu:

  • Am Hotel „Stadt Kamen“
  • Am Eingang der Arkaden an der Rathaus-Apotheke (vom Markt kommend)
  • Am Eingang der Arkaden an der Stadtbücherei (ebenfalls vom Markt kommend)
  • An dem Haus an der Straße am Hanenpatt 1

Der Künstler Lauter hat sich bei seiner eigenen Darstellung offenbar am germanischen Sonnenrad orientiert. Am Gebäude am Markt prangt das Kammrad als eine Art Sonne über Blumen und dem Märkischen Schachbrett. Plausibel hin oder her, es geht in der Kunst ja auch um Ästhetik.

Das Kamener Stadtwappen wird am Alten Markt zum Kunstwerk

Am Eingang der Arkaden neben der Stadtbücherei - vom Markt kommend - lässt sich ebenfalls eine Abbildung des Stadtwappens von 1912 finden. © Stenger

Vernissage am 16. August

Und die besondere Ästhetik, die Lauter seinen Werken mit ausdrucksstarken Farben verleiht, können Kunstinteressierte ab Freitag, 16. August, auch in der Galerie „Zeitlos“ erleben. Dort wird Lauter einige seiner Werke ausstellen. Die Vernissage beginnt um 19 Uhr und wird musikalisch vom „Acoustic Jazz Trio“ begleitet.

Bis zum 28. September können Interessierte dann die Ausstellung zu den gewohnten Öffnungszeiten der Galerie besuchen: dienstags bis freitags von 10 bis 13 Uhr und von 15 bis 18.30 Uhr sowie samstags von 10 bis 14 Uhr. Die Finissage wird am 28. September um 18 Uhr stattfinden.

Weitere Informationen über die Geschichte Kamens gibt es etwa auf der Internetseite des Kamener Kulturkreises: http://www.kulturkreiskamen.de
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