Zuletzt wurde noch an den Plänen für den neuen Heerener Ortskern gefeilt, nun liegt die Schlussfassung vor. Stolperkanten sind verschwunden, und neu ist ein Platz fürs Heerener Einhorn.

Kamen

, 04.12.2018 / Lesedauer: 4 min

Der Landschaftsarchitekt, der am Montagabend im Rathaus den endgültigen Entwurf vorstellen sollte, steckte im Stau und verpasste die Präsentation. Nicht mehr aufzuhalten ist dagegen das lange erwartete Heerener Stadtentwicklungsprojekt, dessen Bau ursprünglich 2018 beginnen sollte und wegen Verzögerungen bei der Finanzierung erst 2019 starten kann. „Wir erwarten täglich den letzten Bewilligungsbescheid“, verkündete Vize-Verwaltungschef Dr. Uwe Liedtke. Es geht noch um die letzten 290.000 Euro des auf 1,5 Millionen Euro bezifferten Gesamtprojekts.

Zunächst will die Stadt Kamen das Ergebnis der Planungen, die auf dem Siegerentwurf eines städtebaulichen Wettbewerbs beruhen und unter Einbeziehung von Bürgervorschlägen verfeinert wurden, am 10. Januar, 19 Uhr, bei einer Bürgerversammlung im Lutherzentrum in Heeren-Werve öffentlich vorstellen. Anschließend wollen die Fachleute um Tiefbau-Projektleiter Sebastian Schmücker im Rathaus in die Vorbereitungen des Baustarts einsteigen. Das Ziel sei, den Spaten im Frühjahr in die Erde zu bekommen, sagte der Erste Beigeordnete Liedtke.

Die Straße mit Epoxidharz-Beschichtung

Die Märkische Straße einschließlich Fahrbahn, Gehwegen und kleinem Platz vor Sparkasse und Volksbank wird auf einer Länge von etwa 160 Metern von Grund auf erneuert – im Westen anschließend an die bereits vor einigen Jahren neu gestaltete Kreuzung Mittelstraße/Elsa-Brandström-Straße und weiter bis zur Kreuzung Westfälische Straße, die zum Kreisverkehr mit Zebrastreifen an den Ästen umgebaut wird. Die Fahrbahn wird asphaltiert und durch eine Epoxidharz-Beschichtung (Liedtke: „robust und haltbar“) farblich an die Umgebung angepasst, für die drei verschiedene Betonpflaster vorgesehen sind.

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So sieht die neue Mitte in Heeren-Werve aus

So soll die neue Mitte in Heeren-Werve aussehen: Das Landschaftsarchitekturbüro "Kraft Raum" aus Krefeld und die Stadt Kamen haben die Schlussfassung der Pläne für die Umgestaltung des Ortskerns vorgelegt.
04.12.2018
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So soll die neue Mitte in Heeren-Werve aussehen: Das Landschaftsarchitekturbüro "Kraft Raum" aus Krefeld und die Stadt Kamen haben die Schlussfassung der Pläne für die Umgestaltung des Ortskerns vorgelegt - hier das Deckblatt der Präsentation.© Kraft Raum Landschaftsarchitektur/Stadt Kamen
Die Punkte auf dem Plan markieren Leuchtenstandorte: Das Landschaftsarchitekturbüro "Kraft Raum" aus Krefeld und die Stadt Kamen haben die Schlussfassung der Pläne für die Umgestaltung des Ortskerns vorgelegt.© Kraft Raum Landschaftsarchitektur/Stadt Kamen
Mögliche Beispiele für die Beleuchtung der neuen Mitte in Heeren-Werve: Das Landschaftsarchitekturbüro "Kraft Raum" aus Krefeld und die Stadt Kamen haben die Schlussfassung der Pläne für die Umgestaltung des Ortskerns vorgelegt.© Kraft Raum Landschaftsarchitektur/Stadt Kamen
Sitzpodst in Form eines Einhorns: Das Landschaftsarchitekturbüro "Kraft Raum" aus Krefeld und die Stadt Kamen haben die Schlussfassung der Pläne für die Umgestaltung des Ortskerns vorgelegt.© Kraft Raum Landschaftsarchitektur/Stadt Kamen
Sitzmöbel für die neue Mitte in Heeren-Werve: Das Landschaftsarchitekturbüro "Kraft Raum" aus Krefeld und die Stadt Kamen haben die Schlussfassung der Pläne für die Umgestaltung des Ortskerns vorgelegt.© Kraft Raum Landschaftsarchitektur/Stadt Kamen
Solche Spielgeräte sind vorgeschlagen: Das Landschaftsarchitekturbüro "Kraft Raum" aus Krefeld und die Stadt Kamen haben die Schlussfassung der Pläne für die Umgestaltung des Ortskerns vorgelegt.© Kraft Raum Landschaftsarchitektur/Stadt Kamen
Der Platz mit dem einhornförmigen Sitzpodest sowie möglichen Ausstattungsdetails: Das Landschaftsarchitekturbüro "Kraft Raum" aus Krefeld und die Stadt Kamen haben die Schlussfassung der Pläne für die Umgestaltung des Ortskerns vorgelegt.© Kraft Raum Landschaftsarchitektur/Stadt Kamen
Eine Auswahl von Gehölzen: Das Landschaftsarchitekturbüro "Kraft Raum" aus Krefeld und die Stadt Kamen haben die Schlussfassung der Pläne für die Umgestaltung des Ortskerns vorgelegt.© Kraft Raum Landschaftsarchitektur/Stadt Kamen
Eine Auswahl von Pflanzen: Das Landschaftsarchitekturbüro "Kraft Raum" aus Krefeld und die Stadt Kamen haben die Schlussfassung der Pläne für die Umgestaltung des Ortskerns vorgelegt.© Kraft Raum Landschaftsarchitektur/Stadt Kamen
n: Das Landschaftsarchitekturbüro "Kraft Raum" aus Krefeld und die Stadt Kamen haben die Schlussfassung der Pläne für die Umgestaltung des Ortskerns vorgelegt.© Kraft Raum Landschaftsarchitektur/Stadt Kamen
Mögliche Mülleimer, Fahrradbügel und Poller: Das Landschaftsarchitekturbüro "Kraft Raum" aus Krefeld und die Stadt Kamen haben die Schlussfassung der Pläne für die Umgestaltung des Ortskerns vorgelegt.© Kraft Raum Landschaftsarchitektur/Stadt Kamen
Die östliche Kreuzung wird in einen Kreisverkehr umgewandelt. Das Landschaftsarchitekturbüro "Kraft Raum" aus Krefeld und die Stadt Kamen haben die Schlussfassung der Pläne für die Umgestaltung des Ortskerns vorgelegt.© Kraft Raum Landschaftsarchitektur/Stadt Kamen
Querschnitt durch die Märkische Straße und den Platz: Das Landschaftsarchitekturbüro "Kraft Raum" aus Krefeld und die Stadt Kamen haben die Schlussfassung der Pläne für die Umgestaltung des Ortskerns vorgelegt.© Kraft Raum Landschaftsarchitektur/Stadt Kamen

Der Platz mit Einhorn-Deck und Eiche

Die rechteckige Platzmitte erhält noch eine vierte Pflastervariante, die den Aufenthalts- und Veranstaltungsort hervorhebt. „Kein Rumpelpflaster“, betonte Projektleiter Schmücker. In der Mitte des Platzes wird eine Eiche gepflanzt, darunter können sich Passanten auf einem mehrstufigen Sitzpodest („Einhorn-Deck“) niederlassen, deren Form aus der Vogelperspektive an einen Einhorn-Kopf erinnern soll. Das Einhorn war bis 1967 das offizielle Heerener Wappentier.

Ein früherer Streitpunkt, eine Bordsteinkante zwischen dem Platz und der südlich liegenden Fahrbahn, ist beseitigt; es ist nur noch eine drei Zentimeter tiefe Rinne übrig geblieben. Eine Pollerreihe soll nun verhindern, dass Autos – mit Ausnahme der Zufahrten – auf den Platz fahren. Parkplätze befinden sich anders als jetzt nur noch auf der Südseite der Märkischen Straße. Die Pläne spiegeln den sogenannten Heerener Parkplatz-Kompromiss wider. Wegfallende Stellflächen vor Geschäften werden unter anderem durch die Öffnung des Sparkassen-Kundenparkplatzes mehr als ausgeglichen.

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Kreisverkehr sorgt für Nachfragen

Besonders viele Nachfragen aus dem Ausschuss gab es zum Kreisverkehr. Der Kreisel könne aus Platzgründen nicht anders gelegt werden, sagte Projektleiter Schmücker auf Nachfrage von Karsten Diederichs-Späh (CDU), der meint, dass ein Zebrastreifen „aus der Gehrichtung heraus“ liegt. Eigene Fahrradspuren gebe es bei einem Kreisel dieser Größe in einer Tempo-30-Zone nicht und es sei sicherer für Radler, bei einem kleinen Kreisel in der Mitte zu fahren, erklärte Fachbereichsleiter Matthias Breuer auf Nachfrage von Anke Dörlemann (Grüne). Der neue Ortskern wird ein öffentliches WLAN bekommen, außerdem sind die Planer auf Elektroautos und E-Bikes vorbereitet, wie Martin Wilhelm (CDU) vom Projektleiter erklärt wurde. Bereits vor zwei Wochen konnte sich der von Renate Jung (SPD) geleitete Behindertenbeirat davon überzeugen, dass die neue Ortsmitte die Belange geh- und sehbehinderter Menschen berücksichtigt, zum Beispiel durch sogenannte Taststeine und barrierefreie Übergänge.

Städtebaulicher Wettbewerb

Nach mehr als drei Jahren der Planung sind die Pläne so gut wie umsetzungsreif. Anfang 2017 startete ein städtebaulicher Wettbewerb, aus der das Krefelder Büro „Kraft Raum“ von René Rheims im Juli 2007 als Sieger hervorging. Unter anderem bei einer Bürgersammlung im Februar 2018 konnten Bürger ihre Anregungen für die Planung nennen. In die weitere Bürgerversammlung im Januar 2019 geht der Erste Beigeordnete nun mit der Hoffnung, dass „wir all das umsetzen konnten, was Sie sich vorstellen“, sagte er dem Ausschuss. „Viele Anregungen sind eingeflossen aus dem Gewerbe und von Bürgern“.

Damit ist es auch unwahrscheinlich, dass die Planer bei der Bürgerversammlung von einem wütenden Einhorn aufgespießt werden. Das gezähmte Fabeltier kann sich auf dem neuen Platz einrichten, muss sich aber vielleicht noch modisch anpassen. „Da fehlt noch etwas Pink und Glitzer“, scherzte Ursula Müller (SPD).

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