Schottergärten gelten zunehmend als Umweltfrevel. Nun haben Spaziergänger im Sesekepark geschotterte Beete entdeckt. Was es damit auf sich hat, erklärt der Park-Architekt.

Kamen

, 25.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Prachtvolle Stauden blühen im Sesekepark – einer städtischen Anlage am Ufer des Flusses. Die dicht bepflanzten Beete sind eine Augenweide für Spaziergänger. Die üppigen Pflanzen vom Phlox bis zur Zitronen-Taglilie sind ein Paradies für Bienen und andere Insekten. Und sie sind ein Beispiel dafür, dass nicht jeder vermeintliche Schottergarten auch eine Steinwüste sein muss.

Spaziergängern ist aufgefallen, dass die Staudenbeete im Park eine geschotterte Oberfläche haben. Während im Stadtrat kritisch über Schottergärten diskutiert wird, mit denen Privatleute ihre Vorgärten versiegeln und vermeintlich pflegeleicht gestalten, scheint die Stadt selbst durchaus Gefallen an Schotter als Beet-Gestaltungselement zu finden. Doch bei den Staudenpflanzungen im Sesekepark handelt es sich wohl um Schotterbeete, die selbst Umweltaktivisten nicht allzu kritisch beäugen müssen.

Das hat es mit den Schotterbeeten im Sesekepark auf sich

Blütenpracht

Was im Sesekepark wächst

© Stefan Milk

In diesem Schotterbeet sollen sich auch Insekten wohlfühlen

Blütenpracht

Was im Sesekepark wächst

  • Chinaschilf, Miscanthus sinensis ‚Hermann Müssel‘
  • Rutenhirse, Panicum virgatum ‚Shenandoah
  • Raublatt-Aster, Aster novae-angliae ‚Herbstschnee‘
  • Reitgras, Calamagrostis x acutiflora ‚Karl Foerster‘
  • Brauner Storchschnabel, Geranium phaeum ‚Samobor‘
  • Zitronen-Taglilie, Hemerocallis citrina
  • Großer Wiesenknopf, Sanguisorba officinalis
  • Pfingstrosen, Paeonia Rot ‚Charles Burgess‘
  • Großblatt-Phlox, Phlox amplifolia ‚Minnehaha‘
  • Hoher Stauden-Phlox, Phlox paniculata ‚Graf Zeppelin‘

Landschaftsarchitekt Michael Glück hat den Sesekepark gestaltet und erklärt, was es mit den Stauden aus dem Schotterbett auf sich hat. Fragen der Redaktion hat der Experte durch die Pressestelle im Kamener Rathaus beantwortet. Handelt es sich bei den Schotterbeeten im Sesekepark um Vorzeigebeispiele für ökologisch gestaltete Schottergärten? „Es sind hochwertige naturnahe Pflanzungen, die für eine Vielzahl von Insekten Lebensraum und Nahrungsquelle bietet“, so die Antwort.

Das Grün sprießt so üppig auf den Schotterbeeten, dass sie mit den Steinwüsten in manchen Vorgärten kaum etwas gemein haben. Folgende Merkmale zeichnen die Beete laut Landschaftsarchitekt Glück aus:

  • Die oberflächig sichtbare Schotterschicht ist ca. 5 Zentimeter stark, besteht aus Splitt der Körnung 8/16 und ist als Mulch auf das Pflanzsubstrat aufgestreut. Das darunter befindliche Substrat ist ein speziell für den Standort der Stauden aufbereitetes Oberbodensubstrat. Die Flächen sind nicht versiegelt, also wasserdurchlässig.
  • Je nach gewünschter Charakteristik der Staudenpflanzung wird das Oberbodensubstrat mit entsprechenden Zuschlagsstoffen aufbereitet, sodass die Standortbedingungen für die Stauden optimal sind. Dabei spielen der Humus-Nährstoffgehalt und der Lehmanteil und die Wasserdurchlässigkeit eine besondere Rolle.

Das hat es mit den Schotterbeeten im Sesekepark auf sich

Blühende Uferpflanzen spiegeln sich im Wasser der Seseke. © Stefan Milk

Der Schotter soll die Beete auch pflegeleichter machen. Durch die Steine werde eine Austrocknung des Boden vermieden bzw. vermindert und der Aufwuchs von Unkräutern stark zurückgedrängt. Die „Mulchung der Staudenflächen mit einer Splittabstreuung“ habe sich in vergangenen Jahren als sehr erfolgreiche Methode zur Wachstumsförderung bei Staudenpflanzungen bewährt und durchgesetzt. Gleichzeitig werde der Pflegeaufwand der Staudenflächen dadurch deutlich reduziert.

Trockene Pflanzen bleiben bis zum Ende des Winters stehen

Wenn die Stauden und Gräser verblüht sind, bleiben sie als trockene Pflanzen bis zum Ende des Winters stehen. Erst im zeitigen Frühjahr Ende Februar bis Anfang März werden die alten Stauden aus dem vorigen Jahr wieder zurückgeschnitten, sodass die Pflanzen wieder neu austreiben können. Die getrockneten Pflanzen seien im Winter Lebensraum für eine vielfältige Tierwelt, insbesondere für die Überwinterung von Insekten.

Nur über einen kurzen Zeitraum im Frühjahr, wenn die Stauden und Gräser zurückgeschnitten werden, ist die Mulchschicht aus Splitt deutlicher sichtbar und wird aber von den neu austreibenden Pflanzen schnell wieder überdeckt.

Das hat es mit den Schotterbeeten im Sesekepark auf sich

Der Hohe Stauden-Phlox, auch Rispige Flammenblume, Herbstflieder oder einfach Flammenblume genannt, sorgt für Farbtupfer im Sesekepark. © Stefan Milk

Landschaftsarchitekt Glück hat die Stauden für die Schotterbeete in Zusammenarbeit mit dem Büro Heiner Luz aus München erstellt. Heiner Luz gilt als anerkannter Spezialist für naturnahe, standortgerechte Wiesenstaudenpflanzungen.

Tipps für Gartenliebhaber

Welche Tipps kann der Landschaftsarchitekt Glück den Gartenliebhabern geben, die Gefallen an den Beeten im Sesekepark gefunden haben? „Gartenliebhaber können den Sesekepark als Inspiration für eigene Pflanzungen nutzen“, so die Antwort. Ortsansässige Garten- und Landschaftsbaubetriebe seien sicherlich auch sehr gute Ansprechpartner für die Planung und Realisierung von Stauden- und Pflanzbeeten auf dem eigenen Grundstück. Zahlreiche Tipps seien zudem im Internet zu finden.

Das hat es mit den Schotterbeeten im Sesekepark auf sich

Schotterbeete im Sesekepark: „Mulchung der Staudenflächen mit einer Splittabstreuung“. © Carsten Fischer

Bis zu vier Pflegegänge pro Jahr

Damit die Beete auch in Zukunft noch schön anzusehen sind, ist eine regelmäßige Pflege erforderlich. Vorgesehen sind drei bis vier Pflegegänge im Jahr. „Hierzu liegt der Stadt Kamen ein Pflegekonzept vor. Derzeit erfolgt im Sesekepark noch die regelmäßige Anwuchspflege durch den Unternehmer, der den Sesekepark im Auftrage der Stadt Kamen gebaut hat“, erklärt Stadtsprecher Peter Büttner. In absehbarer Zeit sind also die städtischen Gärtner für die Stauden aus dem Schotterbeet verantwortlich.

Das hat es mit den Schotterbeeten im Sesekepark auf sich

Gartenliebhaber können den Sesekepark als Inspiration für eigene Pflanzungen nutzen. © Stefan Milk

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