Das Geheimnis um hohe Pegel im Sesekepark: Hochwasserschutz ausgebaut – mit Bildern der Flut!

dzDigitale Technik im Sesekepark

Am Donnerstag lüftet der Lippeverband das Geheimnis, wo der neue Pegelstandsanzeiger im Sesekepark postiert wird. Die Gewässermanager haben den Fluss für den Hochwasserschutz gebändigt.

Kamen

, 19.08.2019, 11:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zu hoher Pegel im Sesekepark? Das kann missverstanden werden, wenn laue Abende zu Alkoholgenuss einladen. Das ist aber nicht gemeint, wenn es um die neue Technik geht, die am Donnerstag freigeschaltet wird: Ein digitaler Pegelstandsanzeiger. Das Element soll eine zusätzliche Bereicherung für die Naherholungszone in der Innenstadt sein. Wo er steht, wie er aussieht und was er über die Seseke verrät - das Geheimnis soll am Donnerstag gelüftet werden.

Das Geheimnis um hohe Pegel im Sesekepark: Hochwasserschutz ausgebaut – mit Bildern der Flut!

Hochwasser der Seseke in den 60er-Jahren mit Blick auf die Westicker Straße/Ecke Ulmenplatz. Szenen wie diese sollen durch den erweiterten Hochwasserschutz verhindert werden.

Hochwasserschutz deutlich verbessert

Mit dem Umbau des Gewässers zum naturnahen Fluss hat der Lippeverband auch den Hochwasserschutz verbessert. Die Stadt ist nun gegen ein sogenanntes Hundertjährliches Hochwasser gewappnet. Dazu sind nach der Renaturierung, die 2012 abgeschlossen wurde, Ende 2017 noch einmal zwei Stellen in der Innenstadt mit höherem Mauerwerk versehen worden. Davor war die Innenstadt vor einem 50-jährlichen Hochwasser sicher, ein Pegelstand, der statistisch einmal in 50 Jahren eintritt. Das ist bei einem Seseke-Hochwasser von 3,38 Metern der Fall.

Das Geheimnis um hohe Pegel im Sesekepark: Hochwasserschutz ausgebaut – mit Bildern der Flut!

Der alte Pegelstandsanzeiger vor der Renaturierung der Seseke in Höhe Ostenallee/Sesekedamm. Nur selten steigt der Pegel richtig hoch. © Stefan Milk

Hundertjährliches Hochwasser wird als „HQ100“ bezeichnet

Ein Hundertjährliches Hochwasser hätte etwa 50 Zentimeter mehr, also einen Pegel von 3,88 Metern. Zum Vergleich: Der aktuelle Pegelstand beträgt lediglich 48 Zentimeter (Messpunkt Brücke Ostenallee). Die Schwankungen sind aber groß. Am Sonntag waren es noch 100 Zentimeter - nach den selten gewordenen Regenfällen des Wochenendes. Im Fachjargon im Übrigen bezeichnen die Flussmanager ein Hundertjährliches Hochwasser als „HQ100“. Es soll, wie der Name schon sagt, lediglich alle 100 Jahre vorkommen. Der Buchstabe „H“ steht naheliegenderweise für Hochwasser, der Buchstabe „Q“ steht in der Hydrografie für die Durchflussmenge (lat. quantitas, Menge). Zumindest das „H“ sollte den Kamenern künftig erspart bleiben.

Das Geheimnis um hohe Pegel im Sesekepark: Hochwasserschutz ausgebaut – mit Bildern der Flut!

Das Wehr Beckinghausen an der Lippe im Jahr 1964 mit Waschmittelschaum, der über die Hochwasser führenden Ufer schlägt. Eine Aufnahme, die auch zeigt, wie belastet die heimischen Flüsse damals waren. © Archiv

Größere Auslaufzonen, weniger Überschwemmungen

Für den Hochwasserschutz der Innenstadt sorgen vor allem die beiden Hochwasserrückehaltebecken (HRB) in Bönen und in Heeren an der Stadtgrenze zu Unna. Seit der Renaturierung, mit der der Flussquerschnitt zwischen Heeren-Werve und Kamen-Mitte mit größeren Auslaufzonen erweitert wurde, gab es keine Überschwemmungen im Stadtgebiet. Die seitdem am höchsten gemessenen Werte datieren vom 19. September 2014, als die Seseke einen Pegel von 2,85 Meter erreichte, vom 1. Dezember 2015, als 2,44 Meter gemessen wurden, und vom 2. April 2015, als die Seseke einen Wasserstand von 2,19 Metern hatte. Die Pegelstände sind abrufbar unter https://howis.eglv.de/pegel.

Das Geheimnis um hohe Pegel im Sesekepark: Hochwasserschutz ausgebaut – mit Bildern der Flut!

Die Seseke trieb das Wasser in den 60er-Jahren auf die Straßen. Heute ist der Hochwasserschutz besser geregelt. © Archiv

Keine hundertprozentige Sicherheit möglich

Bei allen Vorkehrungen, die in den vergangenen Jahren gegen Hochwasser getroffen wurden: „Eine hundertprozentige Sicherheit wird es niemals geben“, so sagte einmal Dirk Klingenberg, der damals für den Lippeverband das Renaturierungsprojekt an der Seseke leitete - mit Blick auf das 340.000 Kubikmeter Wasser fassende Hochwasserrückhaltebecken am Schwarzen Weg in Bönen, direkt hinter der Stadtgrenze zu Kamen. 340.000 Kubikmeter Wasser sind umgerechnet 340 Millionen Liter oder 2,43 Millionen Badewannen voll Wasser, eine Flut, die kurz vor Kamen gebremst werden kann. Der Hochwasserschutz für Kamen besteht in Bönen aus drei großen Becken, die östlich der Bahnlinie Unna-Bönen und des Klöcknerbahnwegs liegen.

Drei Becken deshalb, weil es der Grundstückserwerb durch den Lippeverband nicht anders zuließ, ein ungewöhnlicher Zuschnitt, der den Schutz aber nicht vermindere, so der Lippeverband. 200.000 Kubikmeter, 120.000 Kubikmeter und 20.000 Kubikmeter Wasser können die Becken auf der etwa zwölf Hektar großen Fläche anstauen. Wasser, das Kamen-Mitte nun nicht mehr erreichen wird. Diese Kubikmeter kann der neue Pegelstandsanzeiger demnach nicht anzeigen. Gut so!

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