Das Fischtaxi kommt

dzWie der ASV die Fische rettet

Im Düker, der die Seseke unter dem Datteln-Hamm-Kanal herleitet, stranden immer wieder Fische. Das Fischtaxi des ASV Kamen soll helfen.

Kamen

, 16.11.2018, 13:09 Uhr / Lesedauer: 3 min

Jetzt gilt es, Fische vor dem sicheren Tod zu retten. Jetzt wird der Düker überprüft, der die Seseke unter dem Datteln-Hamm-Kanal herleitet. Dort stranden immer wieder Fische, die nicht weiterkommen. Jetzt kommt eine Art Fischtaxi, damit die Tiere weiterziehen können. Gerd Knepper und Hans-Jörg Klaer haben im Außenbereich der Düker-Anlage in Lünen-Horstmar Stellung bezogen. Zwischen dem großen Fahrzeug eines Kanalreinigers und einem kleinen Anhänger, den der Schriftzug „Fischtransport“ ziert. Knepper ist mit Klemmbrett, Papier und Stift bewaffnet, Klaer beugt sich immer wieder über ein Gefäß, das einem Speisfass ähnelt, und greift hinein. Die Fische, die er herausholt, sind unterschiedlich groß. Mal wie ein kleiner Finger, mal so groß wie ein Unterarm, die Spitzenreiter messen gar über 50 Zentimeter.

Barbe, Döbel, Rotaugen

Die Größen kennen Klaer und Knepper aber genau, denn jeder einzelne Fisch wird bestimmt und vermessen, bevor er in den großen Behälter auf dem Anhänger gesetzt wird und Knepper auf seinen Listen einen weiteren Strich macht. „Barbe, Döbel, Rotauge“, sagt Klaer am laufenden Band, und Knepper macht einen Strich nach dem anderen. Zur Ruhe kommen sie dabei nicht. Kaum ist ein Bottich leer, wird über die Hebe- und Sauganlage des Spezialfahrzeugs ein weiteres Fass aus der Tiefe nach oben geholt und die Arbeit beginnt von neuem.

Zunächst werden die oben schwimmenden Blätter entfernt, dann die großen Fische herausgenommen, damit der Sauerstoff im vorhandenen Wasser nicht zu schnell verbraucht wird. Dauert die Bestimmungsaktion länger, wird umgeschüttet, um das Wasser wieder anzureichern und die Fischmenge auf zwei Eimer zu verteilen. Hemmungen, in das dunkle Wasser zu greifen, hat Hans-Jörg Klaer nicht, obwohl er nicht genau weiß, was er als nächstes greifen wird. „Die Krebse beißen ein bisschen, aber da passiert nichts. Die Fische tun nichts“, erklärt er.

In der Regel reicht ein Blick auf den Fisch, um seine Art zu bestimmen. Manches Mal muss er aber genauer gucken, vor allem bei den kleinen Fischen. Dann werden die Flossen gespreizt, die Heckflosse unter die Lupe genommen und der Kopf des Tieres genau begutachtet. Am späten Nachmittag wissen die beiden genau, was sie seit 9 Uhr getan haben: Sie haben 1957 Tiere gesichtet, dabei 16 verschiedene Arten festgestellt und eben Krebse.

Das Fischtaxi kommt

Über die Hebe- und Sauganlage des Spezialfahrzeugs wird ein Fass aus der Tiefe nach oben geholt.

500 Kilogramm Fisch

„Das waren bestimmt 500 Kilogramm Fisch“, sagt auch Kreisfischereiberater Michael Prill, der unten im Düker dafür sorgte, dass seine Vereinskollegen oben auch genug zu tun hatten. Während die jedoch an der frischen Luft waren, stand Prill bis zu den Hüften im Schlamm des Dükerwassers, umgeben von Fäulnisgasen und undurchdringlicher Dunkelheit. „Ich hatte nur meine Kopflampe“, beschreibt Prill am nächsten Tag, und dass er den Gestank noch immer in der Nase habe. „Dabei habe ich bestimmt eine Stunde lang geduscht.“ Und noch etwas hat Spuren hinterlassen: „Ich habe unglaublichen Muskelkater in den Oberschenkeln.“

Prill hatte die Fische im Düker mit Hilfe des Elektrofischens abgekeschert. Ein kleiner Stromschlag im Wasser sorgt dafür, dass die Fische kurzzeitig betäubt werden und an die Oberfläche kommen. Bei einer Düker-Länge von 170 Metern und musste Prill das jedoch oft tun – und die volle Wanne mit Fisch jedes Mal aufs Neue durch die rund drei Meter breite Röhre bis zum Ausgang schieben, jedes Mal durch den hüfthohen Schlamm.

Der Kreisfischereiberater ist vom Ergebnis des aufwendigen Einsatzes aber begeistert. „Wir haben 60 große Barben gefangen“, erklärt er. Dieser Grundfisch ist der Leitfisch der Lippe – und dass er in die Seseke geht, sei ein gutes Zeichen. „Den haben wir ja erst vor kurzem erstmalig nachweisen können.“ Im Frühjahr will Prill nun Laichplätze suchen, um zu gucken, ob sich der Fisch in der Seseke auch vermehrt.

Das Fischtaxi kommt

Gar nicht mal so klein, die Fische, die in der Seseke schwimmen. Die Artenzahl ist gewachsen.

Armdicke Aale

Zuletzt hatte Prill die Regenbogenforelle in der Seseke nachgewiesen, im Düker fanden sich allerdings keine Exemplare. Dafür große, armdicke Aale, die jedoch in der Lippe wieder ausgesetzt wurden, damit sie zum Ablaichen wandern können. Die übrigen Fische wurden oberhalb des Dükers wieder ausgesetzt. „Die haben dann erst einmal in der Strömung gestanden und ihre Kiemen gereinigt. Man sah richtig, wie sich die kleine Bröckchen lösten“, beschreibt Prill. Und erst nach einer Weile erkundeten die Fische ihre neue Umgebung jenseits des Dükers.

Große Zahl an Fischen

Der ist eigentlich durchlässig, und genau wie das Wasser können die Fische von der Seseke kommend in den Oberlauf der Seseke gelangen, oder umgekehrt. Manchen Fischarten fällt das leichter, anderen schwerer. „Viele Fische bleiben aber dort, weil da alles an ihnen vorbeikommt, was sie brauchen. Die müssen eigentlich nur die Schnauze aufhalten“, erklärt Prill. Das erklärt auch die große Zahl an Fischen, die nun aus dem Düker geholt wurden. Zur Inspektion muss der nämlich trockengelegt werden – und diesen Vorgang hätten die Fische anders nicht überlebt.

„Wir machen halt viel, viel mehr als nur angeln“, sagt Hans-Jörg Klaer. „Das bedenken viele gar nicht.“

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