Das Doppelleben der früheren Kamener Vizebürgermeisterin Bettina Werning

dzStrafprozess beginnt

Die Kamener Vizebürgermeisterin trat vor zwei Jahren wegen Betrugsvorwürfen zurück. Es geht um Hundertausende Euro, die sie in die eigene Tasche gesteckt haben soll. Nun steht der Start des Strafprozesses fest.

Kamen

, 30.10.2019, 17:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Vizebürgermeisterin von Kamen, Bettina Werning (damals Grüne), führte jahrelang ein Doppelleben: Im Ehrenamt die zweite Stellvertreterin des damaligen Bürgermeisters Hermann Hupe (SPD), im Hauptberuf eine nur scheinbar integre Buchhalterin bei einem Kamener Elektrohändler. Dort soll Werning Hundertausende Euro privat abgezweigt haben. So viel ist bislang durch die Anklage der Staatsanwaltschaft sowie durch arbeitsgerichtliche Prozesse bekannt.

Eines der Rätsel: Wo ist das Geld geblieben?

Ein großes Rätsel ist indessen geblieben: das Motiv für den jahrelangen mutmaßlichen Betrug. Griff Werning zu krummen Tricks, um sich selbst zu bereichern und einen aufwendigen Lebensstil zu finanzieren? Oder handelte sie aus selbstlosen Motiven? Und wo ist das Geld geblieben, das nicht durch das per Gerichtsbeschluss eingefrorene Vermögen abgedeckt ist? Werning hat sich bislang nicht öffentlich zu den Vorwürfen der Anklage geäußert, jedoch früher durch ihre Anwälte erklärt, dass sie beizeiten zu einer Aufklärung der Vorwürfe beitragen werde.

Prozess gegen Bettina Werning beginnt am 12. November

Dieser Zeitpunkt rückt jetzt näher: Die Geheimnisse um das Doppelleben der Bettina Werning könnten nun bald ans Licht kommen. Am Landgericht Dortmund beginnt am 12. November der Strafprozess gegen die frühere Grünen-Politikerin, die von 2014 bis zu ihrem Rücktritt im April 2017 eines der höchsten politischen Ämter in Kamen ausübte. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die 59-Jährige dann ihr langes Schweigen bricht und reinen Tisch macht. Knapp eine halbe Million Euro Schaden hat die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift dokumentiert, die seit März 2018 am Landgericht vorliegt. Wernings Arbeitgeber hatte bereits 2017 vor dem Arbeitsgericht Dortmund einen Schaden von mehr als 800.000 Euro für einen jahrelangen Zeitraum geltend gemacht. Werning erklärte sich in dem arbeitsrechtlichen Verfahren zu einer Rückzahlung bereit.

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Die strafrechtliche Aufklärung des Falls Werning liegt nun in der Hand der 43. Strafkammer des Landgerichts unter Vorsitz von Thomas Beumer. Die auf Wirtschaftsdelikte spezialisierte Kammer hatte es mit einer Eröffnung der Hauptverhandlung zunächst nicht eilig, insbesondere weil Verfahren mit Angeklagten in Untersuchungshaft vorgingen. Zum Beispiel der Fall einer Ex-Berufsbetreuerin (51) aus Unna, die vorige Woche wegen Betrugs der Pflegekasse und einer Versicherung zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt wurde. Die Kamener Ex-Vizebürgermeisterin war von Untersuchungshaft verschont geblieben. Im Fall einer Verurteilung droht Werning eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren, im schweren Fall bis zu zehn Jahren. Das Gericht hat die Möglichkeit, die lange Verfahrensdauer – genau 600 Tage liegen zwischen Eingang der Anklage und dem ersten Prozesstermin – strafmildernd zu berücksichtigen.

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Fünf Verhandlungstermine angesetzt

Die Hauptverhandlung wird in der übernächsten Woche beginnen, am 12. November, 9.30 Uhr, im Saal 101 des Landgerichts Dortmund. Vorsorglich sind noch vier weitere Termine am 29. November sowie 3., 6. und 10. Dezember angesetzt. Wie viele Zeugen geladen werden, konnte ein Gerichtssprecher noch nicht sagen. Das hängt auch davon ab, ob Werning den Prozess durch ein Geständnis abkürzen wird.

Das Doppelleben der früheren Kamener Vizebürgermeisterin Bettina Werning

Bettina Werning kurz nach ihrer Wahl zur zweiten Vize-Bürgermeisterin im Jahr 2014 (mit dem ersten Stellvertreter Manfred Wiedemann und Bürgermeister Hermann Hupe, M.). © Stefan Milk

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