Das Aus für Kettler ist nicht das Aus fürs Kettler-Rad: Warum die Räder weiter laufen

dzKettler Alu-Rad besteht weiter

Das Kettler-Aus sorgt in einem ehemaligen Werk für Irritationen. Denn das Kettler Alu-Rad lebt weiter. Ein Händler sagt, was die Räder auszeichnet, für die Bastian Schweinsteiger Botschafter ist.

Kamen

, 16.10.2019, 13:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für Kettler-Räder gilt nicht nur das Motto des alten VW-Käfers: Sie laufen und laufen und laufen und sind auf der ganzen Welt zu sehen wie jüngst entdeckt von unserer Redaktion im japanischen Yokohama.

Und sie überzeugen die Kunden nach wie vor durch Solidität und Innovation, wie der Werner Fahrradhändler Heinrich Möllmann auf Anfrage der Redaktion berichtet. „Ein wirklich gutes, innovatives Produkt“ sagt er.

Seine Sorge wie auch von anderen Fahrradhändlern: Dass das Aus der Firma Kettler, die seit 1964 in Kamen ansässig war, sich auf das Kaufverhalten niederschlägt. „Viele Kunden meinen, das Kettler-Rad gibt es jetzt nicht mehr.“ Das sei aber nicht richtig. Die Firma „Kettler Alu-Rad“ bestehe weiter.

Das Aus für Kettler ist nicht das Aus fürs Kettler-Rad: Warum die Räder weiter laufen

Strampeln im iPod-Stil. Design spielt auch beim Fahrrad eine Rolle - und so hatten die früheren Kettler-Designer immer ein Händchen dafür, die Marke weltweit zu positionieren. Doch auch das rettete die Firma nicht. Die Kettler-Räder fahren nun unter Steuerung der ZEG. © dpa

Vor vier Jahren gab Kettler die Fahrrad-Sparte ab

In der Tat ist die Fahrrad-Sparte des heimischen Traditionsunternehmens bereits vor vier Jahren von der Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft (ZEG) übernommen worden - samt der Beschäftigten.

Produziert wird im Übrigen am alten Kettler-Standort im Saarland, wo ZEG kräftig investierte und die Mitarbeiterzahl seit der Übernahme verdoppelte. Das Werk Hanweiler, wo schon zuvor Fahrräder und E-Bikes hergestellt wurden, hatte zum Zeitpunkt der Übernahme etwa 100 Mitarbeiter, jetzt sind es demnach etwa 200. Georg Honkomp, Vorstandsvorsitzender der Kettler Alu-Rad, reagierte am Mittwoch auf jene Irritationen, die das örtliche Kettler-Aus seiner Firma bescherte. Kettler Alu-Rad sei von der Insolvenz nicht betroffen. „Ganz im Gegenteil.“

Jetzt lesen

Bastian Schweinsteiger ist Markenbotschafter

Nachdem Europas größter Zweirad-Fachhandelsverband die Fahrradsparte der damals schon insolventen Heinz Kettler GmbH übernommen hat, agiere Kettler Alu-Rad, so Honkomp, mit innovativen Modellen „Made in Germany“ sehr erfolgreich am Markt. Man habe im Saarland in eine hochmoderne Produktionsstätte investiert, um der hohen Nachfrage an Kettler-Fahrrädern und E-Bikes „jetzt und auch in Zukunft gerecht zu werden“.

Es gebe also nach wie vor Kettler-Produkte „Made in Germany“, die in der langjährigen Tradition der Marke innovativ seien. Kettler war vor einigen Jahrzehnten einer der ersten Rad-Hersteller, der auf Alumium setzte und einen hohen Marktanteil erlangte. Mit Markenbotschafter Bastian Schweinsteiger spricht das Unternehmen jetzt gezielt Kinder und Jugendliche mit einem eigens konzipierten Sportrad an.

Kettler Alu-Rad, so Honkomp, wehre sich nun gegen den Eindruck, „dass es künftig keine Kettler-Fahrräder mehr gibt. Das sorgt für Verunsicherung bei unseren Kunden und mögliche Umsatzrückgänge. Wir sind nicht gewillt, das hinzunehmen“.

Jetzt lesen

„Seit der Übernahme Räder noch besser geworden“

Für Heinrich Möllmann, der am Burgwall in Werne in dritter Generation das 1936 gegründete Fachgeschäft „Zweirad Möllmann“ betreibt, steht fest, dass er dieses und auch nächstes Jahr noch Kettler-Räder verkaufen wird, wogegen im Fachhandel in Kamen und Bergkamen, bei „Rad und Tat“ und „Wilmes“ auf andere starke Marken gesetzt wird, wie eine Anfrage unserer Redaktion ergab.

Möllmann: „Seit der Übernahme sind die Kettler-Räder noch besser geworden. Die haben noch einmal zugelegt.“ Das gelte vor allem für die E-Bikes mit Doppelakkutechnologie.

Das erklärt er auch den Kunden, die jetzt Fragen zu dem Thema rund ums Aus des örtlichen Freizeitherstellers haben. Und so lebt Kettler als Fahrrad weiter. Und ist wohl künftig auch in Japan noch zu sehen.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Reisebüro-Chef Jens Timmermann

Pleite von Thomas Cook: „Für uns entsteht natürlich ein finanzieller Schaden“

Hellweger Anzeiger Einzelhandel

Mayersche Buchhandlung in Kamen: Dank der vielen Krimileser - der Standort ist sicher

Hellweger Anzeiger Das düstere Bild des Trucker-Lebens

Große Angst vor Lkw-Schlitzerbanden: Hier ist das Ergebnis der Brummifahrer-Befragung

Hellweger Anzeiger Für Ikea Platz gemacht

Noch vor McDonald‘s, KFC und Co am Ikea-Standort: Der Schnitzel-Pionier aus dem Kamen-Karree

Hellweger Anzeiger Dem Online-Handel entgegen stemmen

Schriller Weckruf an die Kaufleute: „Geht der Einzelhandel nicht mit der Zeit, dann geht er!“

Meistgelesen