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Polizei und Ordnungsdienst haben zum Start des Wochenendes erhöhte Präsenz in der Kamener Innenstadt gezeigt. Stärke demonstrieren – das ist die Antwort auf Beschwerden über Störer.

Kamen

, 26.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Ein sonniger Frühlingsabend auf dem Kamener Marktplatz: Nicht nur die Sitzplätze draußen vor den Restaurants sind begehrt, sondern auch am Marktbrunnen haben sich Leute niedergelassen. Die einen gönnen sich ein Abendessen à la carte auf der Außenterrasse, die anderen lassen ein selbst mitgebrachtes Flaschenbier zischen. Jeder läutet auf seine Weise das Wochenende ein.

Polizisten kreuzen auf

Es ist Freitag, 18.37 Uhr, als ein Mannschaftswagen der Polizei in die Kirchstraße einbiegt. Kurz vor Erreichen des Marktplatzes stoppt der Transporter. Vier Uniformierte steigen aus und setzen ihre Dienstmützen auf. Das ist aber noch nicht alles. Ein Streifenwagen fährt auf dem Marktplatz vor – und ein weiterer Beamter steigt aus. Es ist Martin Volkmer, Leiter der Polizeiwache Kamen.

Der Erste Polizeihauptkommissar hat den sogenannten Schwerpunkteinsatz der Polizei geplant, der soeben für die Marktöffentlichkeit sichtbar geworden ist. „Wir werden deutlich Präsenz zeigen an den Orten, die besonders belastet sind und in der öffentlichen Wahrnehmung als besonders unsicher gelten“, sagt Volkmer. „Darüber hinaus wird es in der Nacht Gaststätten- und Jugendschutzkontrollen gemeinsam mit der Stadt Kamen geben.“

Darum war so viel Polizei in der Kamener Innenstadt zu sehen

Erster Polizeihauptkommissar Martin Volkmer: Präsenz zeigen an den Orten, die in der öffentlichen Wahrnehmung als besonders unsicher gelten. © Carsten Fischer

Sieben Ordnungshüter unterwegs

Wachleiter Volkmer und die vier Kolleginnen und Kollegen aus dem Mannschaftswagen sind nicht allein aufgekreuzt. In unregelmäßigen Abständen fährt noch ein mit zwei Polizisten besetzter Streifenwagen quer über den Marktplatz und dreht weitere Runden durch die Innenstadt. Dazu kommt noch die Doppelstreife eines privaten Sicherheitsdienst in der Fußgängerzone. Ein Mann und eine Frau tragen grellgelbe Westen mit der Aufschrift „Ordnungsdienst“ und patroullieren im Auftrag der Stadt Kamen.

Der Alte Markt sieht allerdings gerade recht friedlich aus. Eine der Polizistinnen, Hauptkommissarin Sonja Wundrock, stoppt zwei junge Männer, die mit dem Fahrrad in die Fußgängerzone einbiegen. „Fällt euch etwas auf?“, fragt sie. Die Radler steigen sofort ab und schieben weiter. Eigentlich soll die geballt auftretende Ordnungsmacht die Antwort sein auf mutmaßliche Missstände, die von Anwohnern und Gastwirten angeprangert wurden. Dazu kam noch ein offener Brief eines SPD-Mitglieds an Bürgermeisterin Elke Kappen (SPD). Es ging dabei nicht um verbotenes Fahrradfahren in der Fußgängerzone.

Darum war so viel Polizei in der Kamener Innenstadt zu sehen

Bitte in der Fußgängerzone absteigen – die Polizisten belassen es bei einer mündlichen Ermahnung. © Stefan Milk

Sicherheitsgefühl erhöhen

Es geht um Störungen durch meist junge Leute, die sich abends oder nachts rund um den Marktplatz treffen. Verschiedenste Einzelpersonen oder Gruppen, Deutsche und Ausländer, treffen sich dort, aber einige verhalten sich so, dass sich Gastwirte, Passanten und Anlieger gestört fühlen. Regeln werden gebrochen und das Sicherheitsgefühl von Bürgern leidet. Die Palette der Verstöße reicht von verbotenen Ballspielen über hingeworfenen Müll bis hin zu Straftaten. Insgesamt 62 Polizeieinsätze im Bereich Alter Markt, Bahnhofstraße und Weststraße wurden zwischen Januar und April verzeichnet – unter anderem wegen Schlägereien (11 Mal), Streitigkeiten (4), Randale (11), Einbrüchen (3), Raubüberfällen (2), allgemeinen Hilfeersuchen (3) und je einer hilflosen Person, einem Hausfriedensbruch und einer sexuellen Belästigung. Das geht aus einer Auskunft der Polizei hervor.

Kein Alkohol an Minderjährige

Bis in die Nacht hinein wollen die Ordnungshüter auf den Straßen und Plätzen und in Gaststätten unterwegs sein. Eine Bilanz sollen frühestens am Montag vorliegen. „Die Stadt Kamen beteiligt sich mit mehreren Bediensteten des Ordnungamts, sodass wir gleichzeitig mehrere Objekte aufsuchen können“, erklärt Einsatzleiter Volkmer. Kontrolliert wird beispielsweise, ob illegal Alkohol an Minderjährige ausgegeben wird. Solch ein Schwerpunkteinsatz ist extrem personalaufwändig. Die Polizisten aus dem Streifendienst werden durch zusätzliche Kräfte verstärkt. Weil Stadt- und Polizeikollegen sich absprechen, ist auch von einem Einsatz im Rahmen der Ordnungspartnerschaft die Rede. Bürgermeisterin Elke Kappen (SPD) hatte kürzlich mit Volkmer über die Sicherheitslage gesprochen und anschließend die Verdopplung der Streifen des Ordnungsdiensts an Wochenenden sowie gemeinsame Streifen mit der Polizei angekündigt.

Darum war so viel Polizei in der Kamener Innenstadt zu sehen

Ordnungsdienst auf Streife auf der Weststraße. Bis in die Nacht hinein waren Polizei und Ordnungshüter beim Schwerpunkteinsatz unterwegs. © Carsten Fischer

Polizei und Stadt „gut aufgestellt“

Obwohl die Straßenkriminalität in Kamen statistisch seit Jahren zurückgeht, gibt es Stimmen insbesondere von Bürgerinnen, die abends oder nachts nur mit Unbehagen oder lieber gar nicht allein durch die Innenstadt gehen. Heike Ross vom Sozialverband Kamen schilderte kürzlich, wie sie von einer Gruppe von Männern verbal belästigt wurde – und sich wehrte.

Wie schätzt der Einsatzleiter die Sicherheitslage ein? „Die Kamener Innenstadt ist sicher im Vergleich zu anderen Städten“, sagt Volkmer. „Wir haben hier anlassbezogene Straftaten am Wochenende, zum Beispiel Körperverletzungen, aber auch den einen oder anderen Geschäftseinbruch. Polizei und Stadt sind aber gut aufgestellt. Das zeigt der Einsatz, den wir heute durchführen.“

Die Präsenz der Polizisten bleibt von den Besuchern der Kamener Innenstadt an diesem Freitagabend nicht unbemerkt. Ein Mann, der entspannt draußen vor der Gaststätte „En place“ sitzt, begrüßt die Aktion der Behörden, findet aber, dass schon früher mehr Einsatz hätte gezeigt werden müssen. „Das ist sagenhaft“, meint er.

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