Darum eröffnet Irene Lebrecht ein neues Fachgeschäft in der Kamener City

dzEinzelhandel

Ungefähr sechs von zehn Menschen tragen mindestens gelegentlich eine Brille. Gekauft werden die Sehhilfen zunehmend online. Das muss kein Ladensterben bedeuten, wie ein Beispiel aus Kamen zeigt.

Kamen

, 01.10.2019, 13:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Handyshops und Frisiersalons gehen immer: Wo Innenstädte unter Ladensterben leiden, scheinen manche Branchen so gut wie immun dagegen zu sein. Auch Optiker können sich trotz einer leicht sinkenden Zahl von stationären Geschäften in den vergangenen Jahren behaupten – das Umsatzvolumen wächst seit Jahren kontinuierlich. In Kamen hat jetzt sogar ein neues Optik-Fachgeschäft eröffnet.

Irene Lebrecht, 42, hat den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. „Als Einzelkämpferin“, wie sie sagt, betreibt die Unnaerin seit Anfang September ihr Geschäft „Contact Optic“ an der Kampstraße 6. Zuvor war die Augenoptikermeisterin bei Unnaer Optikern tätig. Warum sie das Wagnis der Selbstständigkeit eingeht? „Da ich schon immer den Wunsch gehabt habe mehr im Bereich der individuellen Kontaktlinsenanpassung zu machen, habe ich die Chance ergriffen“, erzählt sie.

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Ihr eigener Laden vor dem Einkaufszentrum „Kamen Quadrat“ sieht aus wie ein typisches Brillen- und Kontaktlinsengeschäft, ist aber auch ein Beispiel dafür, wie sich Einzel- und Online-Handel zunehmend verzahnen. Der Grundsatz, dass ein Brillenkauf online nicht funktioniert, gilt heute nur noch bedingt, und das sieht Lebrecht als Chance an. Sie arbeitet als lokale Partnerin mit einem bundesweit tätigen Online-Vertrieb zusammen. Kunden finden dort Angebote und können auf der Internetseite einen Termin mit einem der 600 Partnergeschäfte in Deutschland generieren. Beratung, Dienstleistung und Betreuung der Kunden findet vor Ort statt.

Kunden von außen in die Stadt gezogen

Die Inhaberin berichtet, dass auf diese Weise schon Kunden zu ihr gekommen seien, die wohl sonst nicht in die Kamener Innenstadt gelandet wären. „Der Kunde wird durch den Onlineauftritt wieder dazu bewegt, in die Stadt zu kommen. In diesem Zusammenhang werden auch weitere Angebote des stationären Handels genutzt“, erklärt sie. „Inzwischen konnte ich schon Kunden aus Hamm und Bönen bei mir begrüßen.“

Die Kamener Neueröffnung passt in eine Entwicklung hinein, die vom Augenoptiker-Branchenverband ZVA so beschrieben wird: Die Vertriebsformen auf dem Markt vermischen sich, die sogenannten hybriden Vertriebsformen nehmen laut Jahresbericht 2018 zu. „Die vormals reinen Online-Unternehmen gehen vermehrt dazu über, mit Partnern vor Ort zusammenzuarbeiten. Aus dem reinen Online-Vertrieb wird daher vermehrt ein Multichannel-Vertrieb“, stellt der Zentralverband fest. Deshalb fällt es den Statistikern schwer, Laden- und Online-Käufe scharf voneinander zu trennen.

Für Brillenkauf meist in den Laden

Die meisten Kunden in Deutschland kaufen ihre Brille weiterhin in einem der 11630 Optikgeschäfte. Dazu zählen in Kamen beispielsweise Optik „Gert Schulte“ (Kamen-Mitte; erweiterte sein Ladenlokal um die früheren Räume des Kindermodegeschäfts Fiffikus), Spanuth (Kamen-Mitte) „Lethaus Augenoptik“ (Methler) und „Premium Optics“ (Heeren-Werve). 12,84 Millionen komplette Brillen wurden im vorigen Jahr in Deutschland verkauft, die Tendenz ist steigend. Nur ein kleiner Anteil, rund 910.000 Brillen, werden dem Online-Geschäft zugerechnet. Tendenz ebenfalls steigend. Der Markt ist hart umkämpft, was sich an einem Konzentrationsprozess zeigt. Die zehn größten Filialunternehmen – ganz vorne die auch in Kamen vertretenen Ketten Fielmann und Apollo – erwirtschaften rund 47 Prozent des Gesamtumsatzes.

Alle profitieren davon, dass es eine wachsende Zahl von Brillen- oder Kontaktlinsenträgern gibt. Sieben von zehn Frauen und sechs von zehn Männern tragen mindestens gelegentlich eine Brille.

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