Dank des ADFC ist das Auto nicht mehr das einzige denkbare Verkehrsmittel

dz40-Jähriges Bestehen

Seit 40 Jahren gibt es in Kamen den ADFC. Das feiert der Ortsverband und blickt dabei zurück: Auf eine Zeit, in der Menschen, die mit dem Rad zur Arbeit fuhren, als etwas merkwürdig galten

von Sebastian Pähler

Kamen

, 02.02.2020, 17:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei der Jubiläumsfeier zum 40-jährigen Bestehen des ADFC Ortsverbands gab es viel Gelegenheit für den Blick zurück, nach vorne und viel Lob für das massive Engagement von Mitgliedern und Vorstand. Unter anderem bekamen die rund 60 Teilnehmer Besuch von Bürgermeisterin Elke Kappen und Landesministerin Ina Scharrenbach, die beide die große Bedeutung des ADFC Kamens herausstellten.

Wortspiele über die Fahrrad-Lobbyisten

Vor Wortspielen war man an diesem Sonntagmittag im Restaurant „Lokaltermin“ freilich nicht sicher. Da hieß es „im Sattel bleiben“, es wurde sich „abgestrampelt“ und „offene Türen eingefahren“. Doch die wohlgemeinten Scherze hatten sich die Jubilare redlich verdient. 40 Jahre einen Verein am Leben zu erhalten und darüber hinaus auch noch das Geschehen in Stadt, Kreis und sogar auf Landesebene mitzugestalten, ist schon eine große Leistung. Und die wurde bei der Jubiläumsfeier ausführlich gewürdigt.

Dank des ADFC ist das Auto nicht mehr das einzige denkbare Verkehrsmittel

Bürgermeisterin Elke Kappen erinnerte daran, dass vor 40 Jahren nur diejenigen mit dem Rad zur Arbeit fuhren, die sich kein Auto leisten konnten. © Borys Sarad

1979 gegründet gehört der Ortsverband zu den ältesten im ADFC. Auch das mache ihn stolz, erklärte Sprecher Heinrich Kissing und stellte heraus, wie sich die Einstellung der Gesellschaft seither verändert habe: „Das Auto ist nicht mehr das prominente Verkehrsmittel.“ Daher sei die Neuordnung der Verkehrsräume und die Vernetzung der Verkehre eine der großen kommunalen Aufgaben in den kommenden Jahren.

Dank des ADFC ist das Auto nicht mehr das einzige denkbare Verkehrsmittel

An der Ehrung für Detlef Knop (l.), Edith Lange-Löckenhoff (4. v.l.) und Ulrich Lenz (3. v.r.), de sich seit Jahrzehnten für den ADFC engagieren, beteiligten sich Ortsverband-Sprecher Heinrich Kissing (2.v.l.), Bürgermeisterin Elke Kappen (3.v.l.), ADFC-Landesvorsitzender Thomas Semmelmann und Landesministerin Ina Scharrenbach. © Sebastian Pähler

Dem pflichtete auch Bürgermeisterin Elke Kappen bei, die selbst wenn möglich statt dem Dienstwagen den Drahtesel nutzt. Sie erinnere sich noch an die Zeit, als der Ortsverband gegründet wurde. „Wer damals mit dem Fahrrad zur Arbeit fuhr, war entweder Purist, jemand der sich kein Auto leisten konnten oder etwas merkwürdig“. Der Verdienst des ADFC sei daher auch, dass er die Akzeptanz für das Fahrrad als modernes Fortbewegungsmittel in allen Bevölkerungsschichten geschaffen habe.

Auch lobte sie den Verein für die gute Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung. Heute sei es in Kamen nicht mehr denkbar, bei der Verkehrsplanung das Fahrrad nicht mitzudenken.

Ministerin beklagt, dass Ruhrgebiet autozentriert

Heimat, Kommunales, Bauen und Gleichstellung, das sind die Aufgabengebiete von NRW-Ministerin Ina Scharrenbach, gleich mehrere dieser Bereiche betreffen auch die Anliegen des ADFC, stellte Ortsverbandssprecher Kissing fest. „Das Ruhrgebiet ist autozentriert, dass merken wir bis heute“, erläuterte Scharrenbach. Daher sei es nicht einfach, die Rolle von Fußgängern und Radverkehr zu stärken.

Dennoch habe sich die Landesregierung entschlossen, die Volksinitiative „Aufbruch Fahrrad“, die eine Steigerung des Anteils von Fahrrädern im Verkehr auf 25 Prozent im Jahr 2025 vorsieht, mit einem Fahrradgesetz zu unterstützen. Viele Forderungen des ADFC sollen damit umgesetzt werden. Auch der lange diskutierte Radschnellweg Ruhr soll bald kommen, kündigte sie an: „Alles steht auf Grün für den Radverkehr.“

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Über weitere Baustellen und Projekte im Rahmen der Initiative „Kamenal pedal“ referierte Beigeordneter Dr. Uwe Liedke. Vor allem die Asphaltierung von Radwegen mit einer wassergebundenen Oberfläche sei dringend notwendig.

Abgerundet wurde der Festakt durch die Ehrung von Detlef Knop, Ulrich Lenz und Edith Lange-Löckenhoff die seit Jahrzehnten das Geschick des Ortsverbandes mitbestimmen.

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