Die verbogene Stelle im Lichtschacht-Gitter, durch die sich die mutmaßlichen Täter Zugang zum Kriechkeller verschafft haben könnten. © Carsten Janecke
Kriminalstück in Kamen

„Dahinten blinkt was Grünes!“ Verein ist den Bitcoin-Tätern auf der Spur

Die Amateurfunker Kamen/Unna gehen Spuren nach, die am Jugendheim in Heeren hinterlassen wurden. Dort haben Stromdiebe nach Bitcoins geschürft. Die Funker standen zuvor selbst unter Verdacht.

Eine Außensteckdose am Jugendheim Heeren und ein verbogenes Lichtschacht-Gitter. Das sind zwei wichtige Schauplätze, an denen sich das Kriminalstück über illegal geschürfte Bitcoins abgespielt hat. Da sind sich die Mitglieder des Amateurfunkvereins DARC Kamen/Unna sicher. Der diskreditierte Verein geht jetzt selbst auf Spurensuche und wertet die Hinweise aus, die auf die Täter schließen lassen.

Die technikversierten Funker waren unter Verdacht geraten, heimlich Bitcoin-Rechner ans städtische Stromnetz angeschlossen zu haben, und fühlen sich immer noch nicht rehabilitiert. Bitcoins sind eine sogenannte Kryptowährung, die auf leistungsfähigen Computern herstellbar ist und einen hohen Wert hat.

An der Außenwand des Jugendheims war eine Starkstrom-Steckdose angebracht, die nach dem Bitcoin-Vorfall demontiert wurde. © Carsten Janecke © Carsten Janecke

Außensteckdose als Ausgangspunkt des Kriminalstücks

Ausgangspunkt des Heeren-Werver Krimi-Dramas, so haben die Funker recherchiert, war eine Außensteckdose, die am Durchgang zum Sportplatz an der Heerener Straße liegt. Der mit Starkstrom ausgestattete Anschluss (400 Volt), mittlerweile demontiert, wurde von den dortigen Vereinen angezapft, wenn auf dem Außengelände Strom benötigt wurde.

Der Lichtschacht zum Kriechkeller ist vergittert, kann aber offenbar von außen geöffnet werden. An einer Stelle ist zu erkennen, dass das Metall verbogen wurde.
Der Lichtschacht zum Kriechkeller ist vergittert, kann aber offenbar von außen geöffnet werden. An einer Stelle ist zu erkennen, dass das Metall verbogen wurde.

Stromdiebe gingen gefährliches Risiko ein

Es war Anfang März 2019, als festgestellt wurde: Kein Strom mehr auf der Außensteckdose. Und niemand wusste zunächst, woran das lag. „Zu dem Zeitpunkt begann die Fehlersuche“, sagt Walter Christoph, Mitglied des Funkvereins und verweist auf eine entsprechende Notiz in der Polizeiakte, die dem Verein vorliegt. Auffällig: Die Zuleitung stand noch unter Strom, nur am Ende kam nichts an. Sie musste also irgendwo unterbrochen sein.

So wurden die Bitcoin-Geräte gefunden

Techniker der Stadt Kamen entschieden, die Fehlersuche im Kriechkeller zu beginnen, „da eine Unterbrechung aller Adern vorliegen musste“, schildert ein Zeuge im Polizeibericht. Den Zugang verschafften sie die städtischen Mitarbeiter von außen: Mit einem Schachtdeckelhaken, mit dem der Sicherungs-Splint des Gitters von außen herausgezogen wurde. Beim Öffnen der Kellertür, so heißt es weiter, „waren wir über die hohe Luftfeuchtigkeit und die Temperatur von über 30 Grad überrascht und dachten zunächst an nicht isolierte Heizungsrohre.“ Dann folgte der Ausruf: „Dahinten blinkt etwas Grünes.“ Es sind die Bitcoin-Geräte, die gerade gefunden werden. Es folgt der Anruf bei der Stadt und Polizei.

Kriechkeller war von außen für jedermann zugänglich

Die Hinweise sind für den Funkverein, der provisorisch im DRK-Heim an der Goethestraße Unterschlupf gefunden hat, wichtig. Denn es zeigt, dass der Kriechkeller von außen grundsätzlich für jedermann zugänglich war. Das zeigt auch eine Stelle in dem stählernen Gitter des Lichtschachts, durch die man es öffnen kann. „Die Stelle ist verbogen und oberflächlich angerostet. Das lässt darauf schließen, dass es mehrfach geöffnet wurde“, so Christoph. Zudem: „Die Leitung ist ziemlich dilettantisch durchtrennt worden. Selbst für Fachleute, wie wir es sind, wäre das bei fachgerechter Ausführung gefährlich gewesen“, wertet Dieter Scheck, Mitglied bei den Amateurfunkern, die Bilder der Polizei aus.

Ihm und dem Verein ist es wichtig, all das zu dokumentieren. Weil sie nicht wollen, dass sie weiter als Stromdiebe gelten, obwohl sie nichts damit zu tun haben. Das Verfahren, das gegen die Amateurfunker eingeleitet worden war, ist schon seit Ende 2019 eingestellt.

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1968, aufgewachsen in mehreren Heimaten in der Spannbreite zwischen Nettelkamp (290 Einwohner) und Berlin (3,5 Mio. Einwohner). Mit 15 Jahren erste Texte für den Lokalsport, noch vor dem Führerschein-Alter ab 1985 als freier Mitarbeiter radelnd unterwegs für Holzwickede, Fröndenberg und Unna. Ab 1990 Volontariat, dann Redakteur der Mantelredaktion und nebenbei Studium der Journalistik in Dortmund. Seit 2001 in Kamen. Immer im Such- und Erzählmodus für spannende Geschichten.
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Carsten Janecke
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