Coronavirus-Verdacht: Wie eine Hausarztpraxis lahmgelegt wurde

dzGesundheit

„Coronavirus“ steht auf einem Warnschild direkt am Marktplatz. Es hängt im Fenster einer geöffneten Hausarztpraxis – so wie auch andere Ärzte derzeit auf Hygieneregeln hinweisen. Vorläufig geschlossen ist eine Arztpraxis in Methler.

Kamen

, 10.03.2020, 12:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Rollo am Fenster der Hausarztpraxis Dr. Quinna an der Germaniastraße in Methler ist heruntergelassen. Auf der Haustür klebt ein Computerausdruck mit roten Buchstaben. „Praxis erstmal geschlossen!!! Bitte an umliegende Arztpraxen wenden!!!“, steht darauf.

Auf ein Klingeln hin und einen kurzen Wortwechsel über die Gegensprechanlage wird das Rollo hochgezogen. Hausärztin Dr. Yasmin Quinna-Forst öffnet das Fenster und berichtet, dass die Praxis voraussichtlich am Donnerstag wieder geöffnet wird. Zu den Gründen für die Schließung will sie sich unter Verweis auf die ärztliche Schweigepflicht nicht äußern.

Zuvor hat sich die Praxis bereits in eine Diskussion in einer Kamener Facebook-Gruppe eingeschaltet. Dort heißt es: „Da wir leider auf ein Testergebnis warten müssen, bleibt die Praxis erstmal bis Mittwoch einschließlich geschlossen. Wir haben diese Maßnahme zum Schutz unserer Patienten getroffen. Wir hoffen, ab Donnerstag wieder loslegen zu können.“

Vorher anrufen, statt beim Arzt hereinzuschneien

Der Fall der Hausarztpraxis Dr. Quinna verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass Patienten wichtige Vorsichtsmaßnahmen beachten, damit sie nicht leichtsinnig einen ganzen Betrieb lahmlegen. Nach Informationen unserer Zeitung hängt die vorläufige, freiwillige Schließung der Praxis mit einem Coronavirus-Verdachtsfall zusammen. Wer vermutet, dass er erkrankt ist, soll nicht einfach in die Hausarztpraxis seines Vertrauens gehen, sondern sich vorher telefonisch anmelden, damit der Hausarzt entsprechende Vorkehrungen treffen kann.

Kamener Hausärzte sind derzeit nur selten mit der Situation konfrontiert, dass sich Menschen an sie wenden im Glauben, dass sie am Coronavirus erkrankt sind. Bislang sind vier bestätigte Coronavirus-Fälle im Kreis Unna bekannt, darunter der Fall einer Unnaerin und eines Bergkameners und seiner beiden Kinder. In diesem Zusammenhang hat das Kreisgesundheitsamt rund 200 Kontaktpersonen identifiziert.

Die Wartezimmer bei Kamener Hausärzten sind derzeit relativ voll. „Die Lage ist angespannt, aber im Moment noch überschaubar und zu managen“, meint Volker Rump, dessen allgemeinmedizinische Praxis am Alten Markt in Kamen liegt. Auf der Haustür und an einem Fenster klebt je ein Coronavirus-Warnschild: Patienten mit einschlägigen Symptomen sollen nicht einfach hereinschneien. „Bei Erkältungssymptomen bitte erst anrufen“, bittet Rump. „Bisher war noch keiner dabei, der ein konkreter Verdachtsfall war.“

Hausarzt fordert Ausweitung von Coronavirus-Tests

Was er sich als Hausarzt wünschen würde, ist eine Ausweitung von Tests bei Verdachtsfällen. Derzeit dürften die Ärzte laut Rump nur Kontaktpersonen von Infizierten testen, aber zum Beispiel nicht die indirekten Kontaktpersonen, also beispielsweise deren Partner, die im selben Haushalt leben. „Es muss von oben die Vorgabe kommen, dass wir auch den ersten indirekten Kontakt testen dürfen“, meint Rump.

Max Rolke vom Kreisgesundheitsamt bestreitet, dass die Hausärzte bei den Tests so wie von Rump geschildert eingeschränkt sind. „Wir haben den Hausärzten nicht vorgeschrieben, bis zu welchem Grad sie testen dürfen. Ist ein Hausarzt der Meinung, dass auch eine Kontaktperson der Kategorie 2 getestet werdem muss, kann der Hausarzt das gerne tun.“

Dieser Text wurde aktualisiert und um eine Stellungnahme des Kreisgesundheitsamts ergänzt.
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