Bakterien und Viren können auf Türklinken, Haltegriffen, Smartphones kleben – und auch auf dem Bestell-Terminal im Fastfood-Restaurant. Doch nur wenige Menschen machen sich das bewusst, wie ein Besuch vor Ort zeigt.

Kreis Unna

, 13.03.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mittagszeit bei McDonald‘s in Kamen: Ein Kunde tippt auf einen der großen Touchscreen-Monitore, auf denen die Fastfood-Gerichte abgebildet sind. Mit einigen Fingertipps löst er eine Bestellung aus und kann sie wenige Minuten später an der Theke abholen.

Nur wenige gucken genau hin

Die wenigsten Kunden schauen sich das Displays im Hinblick auf die Sauberkeit genauer an: Es ist übersät von Fingerabdrücken – und mit jedem Fingertipp dürften auch einige Krankheitserreger auf die glatte Oberfläche übertragen worden sein. Neben dem sichtbaren Schleier existiert noch die unsichtbare Schicht von Krankheitserregern.

2018 kam bei einer Untersuchung der London Metropolitan University heraus, dass die Bedienterminals von sechs McDonald’s-Restaurants in London und zwei in Birmingham mit Bakterien belastet waren, darunter der Darmkeim Enterococcus faecalis und der als Krankenhauskeim gefürchtete Staphylococcus. Diese können schwerwiegende Infektionen auslösen, wenn sie beispielsweise mit Wunden in Kontakt kommen.

Auch Viren können auf den Oberflächen von Touchscreens, wie zum Beispiel auf Smartphones, und auch auf Türklinken und Haltegriffen in Bussen und Bahnen überleben. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung warnt im Hinblick auf Influenza-Viren, dass die Erreger auf Oberflächen haften und von dort über die Hände weitergereicht werden.

Händewaschen nach der Bestellung

Jenny Homburg hat soeben minutenlang auf dem Touchscreen herumgetippt, umringt von ihrem Mann, ihrem Sohn und ihrer Tochter. Die Familie ist auf dem Rückweg aus Münster und hat einen Zwischenstopp auf der sogenannten Kamener Fastfood-Meile eingelegt, wo außer McDonald‘s auch noch Burger King und KFC sowie Filialen von Pizza Hut und L‘Osteria angesiedelt sind.

Bei der Bestellung hat Homburg keinen Gedanken an die Bakterien und Viren verschwendet, die sich wahrscheinlich auf der Oberfläche tummeln. „Ich wasche mir nach dem Bestellen und vor dem Essen immer die Hände“, sagt die 39-Jährige. „Ich bin Krankenschwester von Beruf und achte deshalb besonders auf Hygiene.“

Coronavirus bereitet Sorgen

Was für Jenny Homburg eine Selbstverständlichkeit ist, vernachlässigen andere Kunden. Die wenigsten, die sich an den Terminals tummeln, schlagen nach der Bestellung den Weg zum WC ein, um sich die Hände zu waschen. Das ist auch nicht weiter schlimm, wenn das Immunsystem intakt ist. Doch jetzt bei der grassierenden Coronavirus-Epidemie machen sich viele Menschen mehr Sorgen über Ansteckungsgefahren durch das Berühren von Oberflächen.

Hustenden Patienten simuliert

Klar ist: Auch das Coronavirus kann auf Oberflächen überleben, also auch auf den Bedien-Terminals im Fastfood-Lokal. Wie lange, das hängt von den Umweltbedingungen ab. In einer am Mittwoch veröffentlichten Untersuchung amerikanischer Wissenschaftler wurde ein hustender Covid-19-Erkrankter mit einem Zerstäuber simuliert: Bis zu drei Stunden später konnte das Virus in der Luft nachgewiesen werden, bis zu vier Stunden lang auf Kupfer, bis zu 24 Stunden auf Pappe und bis zu drei Tage auf Plastik und Edelstahl.

Erreger kann auf Oberflächen überleben

Das Robert-Koch-Institut (RKI) geht davon aus, dass das neuartige Sars-CoV-2-Virus ähnliche Eigenschaften wie andere Coronaviren hat und folglich auf unbelebten Oberflächen, wie Metall, Glas oder Plastik, „eine gewisse Zeit“ überleben kann. So sei das strukturell ähnliche Virus Sars-CoV-1 bis zu sechs Tage auf Plastik infektiös geblieben. Flächendesinfektionsmittel, die als „begrenzt viruzid“ deklariert sind, machen das Virus unschädlich, so das RKI.

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McDonald‘s verweist auf Hygienepläne

Wie oft die Bedienterminals bei McDonald‘s abgewischt und desinfiziert werden, das verrät der Konzern nicht. McDonald’s Deutschland verweist in einer Stellungnahme darauf, dass es Hygienepläne gibt, „deren Umsetzung regelmäßig überprüft wird und für die wir in der aktuellen Zeit natürlich besonders sensibilisieren“.

Die Pläne enthielten Hinweise auf korrekte Händehygiene sowie das richtige Reinigen sämtlicher Oberflächen, die häufig von Gästen und Mitarbeitern berührt werden. „Dazu zählen selbstverständlich auch die Touchscreens“, so eine Sprecherin.

Ähnlich äußert sich auch KFC Deutschland. „An allen Standorten in Deutschland haben wir Maßnahmen ergriffen, die auf den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO und anerkannten wissenschaftlichen Organisationen wie dem Robert-Koch-Institut basieren. Dazu gehört auch die regelmäßige Reinigung der Touchscreens“, so eine Sprecherin.

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Kein Unterschied festzustellen

Die Kunden am Berührbildschirm bei McDonald‘machen sich derweil wenig Sorgen. „Die Medien machen den Leuten Angst, damit sie sich die Hände waschen“, meint eine 20-Jährige. Und ein 40-Jähriger aus Recklinghausen, der eine Mahlzeit für die Mittagspause geholt hat, sagt: „Ich wasche mir gleich auf der Arbeit die Hände.“

Ohnehin dürften die Vorteile einer schnellen Bestellung am Terminal die hygienischen Bedenken überwiegen. „Aktuell vernehmen wir keinen Unterschied, wie unsere Gäste ihre gewünschten Produkte bestellen. Wir behalten jedem Gast vor, seine Bestellung auf die für ihn richtige Art und Weise in unseren Restaurants aufzugeben“, heißt es bei KFC. Derweil gibt es bei Burger King in Kamen nur eine Art zu bestellen: herkömmlich beim Mann oder bei der Frau an der Theke.

Tipp

Fünf Schritte beim Händewaschen

  • 1. Halten Sie die Hände zunächst unter fließendes Wasser. Die Temperatur können Sie so wählen, dass sie angenehm ist.
  • 2. Seifen Sie dann die Hände gründlich ein – sowohl Handinnenflächen als auch Handrücken, Fingerspitzen, Fingerzwischenräume und Daumen. Denken Sie auch an die Fingernägel. Hygienischer als Seifenstücke sind Flüssigseifen, besonders in öffentlichen Waschräumen.
  • 3. Reiben Sie die Seife an allen Stellen sanft ein. Gründliches Händewaschen dauert 20 bis 30 Sekunden.
  • 4. Danach die Hände unter fließendem Wasser abspülen. Verwenden Sie in öffentlichen Toiletten zum Schließen des Wasserhahns ein Einweghandtuch oder Ihren Ellenbogen.
  • 5. Trocknen Sie anschließend die Hände sorgfältig ab, auch in den Fingerzwischenräumen. In öffentlichen Toiletten eignen sich hierfür am besten Einmalhandtücher. Zu Hause sollte jeder sein persönliches Handtuch benutzen.
Quelle: www.infektionsschutz.de
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