Der 3M-Konzern, der in Kamen ein großes Werk betreibt, fährt weltweit die Produktion von Schutzausrüstungen hoch. Der Hersteller erzeugt eine der wenigen wirksamen Atemschutz-Produkte gegen das Coronavirus.

Kamen

, 05.03.2020, 16:59 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die schnelle Ausbreitung des Coronavirus verleiht der Produktion des Multikonzerns 3M, der in Kamen ein großes Werk betreibt, ungeahnte Dynamik. Zurzeit wird weltweit in den Werken die Produktion von Schutzausrüstungen unter Hochdruck hochgefahren.

Die Atemschutzmasken, die durch ein spezielles Filtersubstrat im medizinischen Alltag verlässlichen Schutz gegen das hochansteckende Virus bieten, sind so stark nachgefragt, dass die Lager leer gefegt sind. „Die weltweite Nachfrage nach persönlicher Schutzausrüstung, inklusive Atemschutzmasken, übersteigt trotz massiv gestiegener Produktion derzeit das Angebot“, berichtet Konzernsprecherin Anja Ströhlein in Neuss.

Eine Atemschutzmaske, die medizinisches Personal vor der Infizierung mit dem Coronavirus schützen soll. Der Hersteller 3M, der in Kamen ein großes Werk hat, ist weltweit einer der wenigen Hersteller, der eine solche Maske mit der höchsten Schutzstufe im Angebot hat.

Eine Atemschutzmaske, die medizinisches Personal vor der Infizierung mit dem Coronavirus schützen soll. Der Hersteller 3M, der in Kamen ein großes Werk hat, ist weltweit einer der wenigen Hersteller, der eine solche Maske mit der höchsten Schutzstufe im Angebot hat. © 3M

Wie hoch die Nachfrage ist, zeigt eine aktuelle Meldung aus den USA, wonach US-Präsident Trump mit 3M einen Auftrag über eine Milliarde Dollar für den Ankauf von Schutzausrüstungen abschließen will.

Atemschutzmaskenproduktion: Keine Pläne für Kamen

Der Multikonzern betreibt an der Edisonstraße in Kamen eines der konzernweit bedeutendsten Werke für medizinische Produkte. Die zurzeit nachgefragten Atemschutzmasken, die vor allem im medizinischen Alltag in Arztpraxen und Krankenhäusern benötigt werden, stammen nicht aus dem Kamener Werk. Das Werk Kamen konzentriert sich auf die Fertigung besonderer Pflaster und Wärmedecken.

An diesen Produkten steigt der Absatz durch die Corona-Krise bisher nur leicht, wie Jörn Stute, Leiter der Medizinproduktfertigung, mitteilt. „In der Herstellung betrifft uns Corona bisher nur gering. Aber als Wirtschaftsunternehmen betrifft es uns wie jedes andere Unternehmen auch, weil wir die Hygienemaßnahmen zusätzlich verstärkt haben.“

Bei der Produktion im Kamener 3M-Werk wird auf Hygiene streng geachtet. Hierbei handelt es sich nicht um einen Mundschutz, sondern um einen Bartschutz.

Bei der Produktion im Kamener 3M-Werk wird auf Hygiene streng geachtet. Hierbei handelt es sich nicht um einen Mundschutz, sondern um einen Bartschutz. © Stefan Milk

Das Werk, das sich in Kamen mit über 80 Prozent auf medizinische Produkte wie das Wundpflaster „Tegaderm“ konzentriert, befindet sich weiter im Ausbau. Geplant ist der Bau einer 3000 Quadratmeter großen Halle für die Herstellung von Verbandsmaterialien und Wundversorgungs-Produkte. Im Zuge der 70 Millionen-Investition wird die Mitarbeiterzahl um 60 auf 500 gesteigert. In Kamen, so Ströhlein, sei allerdings nicht geplant, eine Atemschutzmaskenproduktion aufzunehmen.

Trotz massiv gestiegener Produktion ist die Nachfrage zu groß

Unterdes steigert der Konzern zurzeit weltweit den Ausstoß von Atemschutzmasken. „Wir haben unsere Produktion in Fertigungsstätten auf der ganzen Welt sehr schnell hochgefahren, um die gestiegene Nachfrage zu bedienen“, so Ströhlein. In Produktionsstätten in den USA, Lateinamerika, Europa, China und Asien würden monatlich Millionen von Atemschutzmasken hergestellt. „Wir arbeiten weltweit mit Kunden, Händlern, Regierungen und medizinischen Stellen daran, 3M-Lieferungen dorthin zu bringen, wo sie am dringendsten benötigt werden – dabei haben wir insbesondere die vom Coronavirus betroffenen Gebiete im Blick“, so Ströhlein.

Gleichzeitig bemühe man sich, dem bestehenden Kundenstamm im industriellen und medizinischen Bereich weiterhin die Schutzausrüstung zur Verfügung zu stellen, die sie für die tägliche Arbeit benötigten. Die Nachfrage übersteige trotz massiv gestiegener Produktion derzeit das Angebot.

Schutzmasken auch von Endverbrauchern stark nachgefragt

Spezielle Atemschutzmasken, die gegen die Coronaviren wirksam sind – sind die auch für den Hausgebrauch zu empfehlen oder nur für medizinische Profis? „Die Weltgesundheitsorganisation (WHO)“, so Ströhlein, „hat bisher keine Empfehlung für den Gebrauch von persönlicher Schutzausrüstung, einschließlich Atemschutzmasken, für die allgemeine Bevölkerung ausgesprochen.“

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Die Empfehlungen konzentrierten sich auf Mitarbeiter im medizinischen Bereich. „Trotzdem werden Atemschutzmasken sehr stark von Endverbrauchern nachgefragt, was sicherlich zur Knappheit im medizinischen Bereich beiträgt.“

Mundschutzmasken und Atemschutzmasken: Wo ist der Unterschied?

Grundsätzlich unterscheidet man, so Ströhlein, zwischen Atemschutzmasken und sogenannten OP-Masken, die auch als Mundschutzmasken bezeichnet werden. OP-Masken schützen medizinisches Personal und Patienten vor Partikeln, die vom Tragenden beim Sprechen oder Niesen in die Umgebung ausgestoßen werden. Sie verfolgen das primäre Ziel, die Verbreitung von Mikroorganismen durch den Maskenträger in die Umgebung zu verhindern. „Diese OP-Masken, aber auch Gesichtsmasken und nicht zertifizierte Staubmasken haben in der Regel kein geeignetes Filtermaterial und sind von ihrer Konstruktion her häufig nicht in der Lage, komplett am Gesicht abzudichten“, so Ströhlein.

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Viren können nur mit Filtermasken aufgefangen werden

Atemschutzmasken hingegen seien entwickelt worden, um die Belastung des Trägers durch luftgetragene Partikel – in denen sich die Viren befinden – zu reduzieren. Feinste Tröpfchen, wie sie bei Husten und Niesen entstehen, können in filtrierenden Halbmasken, FFP-Masken genannt, aufgefangen werden. Diese ist auch für medizinisches Personal im Umgang mit infizierten Patienten vorgesehen: Auch das Robert-Koch-Institut empfiehlt eine Maske solcher Bauart, die mit der Schutzstufe FFP2 bezeichnet wird.

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