Coronakrise zeigt auch: Ohne Fördervereine wären unsere Schulen ziemlich arm dran

dzDer Preis einer Pizza

Nach den Ferien könnte Unterricht auf Distanz wieder zu einer notwendigen Ergänzung werden. Mara-Rosa Groer vom Förderverein der Gesamtschule ist sicher, bei der Umsetzung helfen zu können.

von Werner Wiggermann

Kamen

, 12.07.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Eine Pizza für den Förderverein“ – mit dieser griffigen Formel wirbt Mara-Rosa Groer immer wieder um neue Mitglieder. Zwölf Euro kostet der Jahres-Beitrag, so viel eben wie eine gut belegte Pizza. Das sollte es Eltern und Lehrern doch wert sein, findet die Vorsitzende des Fördervereins der Kamener Gesamtschule. Die meisten lassen sich rasch überzeugen – auch weil Mara-Rosa Groer selbst so überzeugt vom Sinn ihres Tuns ist.

Gegen den Absturz aus der Gemeinschaft

Immer wieder geht es darum, Kindern aus finanziell schlechter gestellten Familien vor dem Absturz aus der Gemeinschaft zu bewahren. Wenn zum Beispiel der Elternbeitrag für eine Klassenfahrt nicht aufgebracht werden kann, leistet der Förderverein eine kleine aber entscheidende Hilfestellung. In den meisten Fällen, ohne den Eltern die Ausgabe komplett abzunehmen.

„Wir achten sehr darauf, dass den Eltern ihr Selbstwertgefühl nicht verloren geht“, erläutert die Vorsitzende. Deshalb werde stets gemeinsam ausgelotet, was die Eltern selbst beisteuern können, oder ob vielleicht auch eine Ratenzahlung sinnvoll wäre. „Bis jetzt haben wir immer eine Lösung gefunden“, beteuert Mara-Rosa Groer. Eine Lösung, zu der es auch gehört, dass die jeweils hilfebedürftigen Eltern anonym bleiben.

Manchmal gibt‘s zu Hause nur ein Smartphone

Der Grundsatz mag auch gelten, wenn demnächst über neue Hilfen geredet werden muss. Zum Beispiel für Tablets oder Notebooks, mit denen Home-Schooling überhaupt erst durchgeführt werden kann. Wer weiß schließlich, ob nach dem Ende der Sommerferien Präsenzunterricht wieder im gewohnten Umfang möglich sein wird? Gerade für Kinder aus einkommensschwachen Familien wäre es eine schlimme Vorstellung, sich vielleicht mit mehreren Geschwistern ein betagtes Smartphone teilen zu müssen, um überhaupt etwas von neuem Unterricht auf Distanz haben zu können.

Das würde soziale Ungleichheiten dann wieder verschärfen, deren Abbau seit jeher selbst gestecktes Ziel der Fördervereine ist. „Bis jetzt haben wir noch keine konkreten Nachfragen“, sagt die Vorsitzende. Das könne aber im neuen Schuljahr schnell kommen. Beim nächsten Treffen des Vorstands werde sie das Thema jedenfalls schon einmal ansprechen. Um vielleicht verschiedene Lösungswege gestalten zu können. Etwa das Leasing moderner und geeigneter Endgeräte, das der Förderverein dann unterstützen könnte.

Rechnung mit einigen Unbekannten

Zurzeit hat das Thema jedenfalls noch einige Unbekannte, die konkrete Finanzplanungen nicht zulassen: Was wird das Land am Ende konkret tun? Welche Möglichkeiten hat die Stadt? Lassen sich vor Ort Spenden beschaffen?

Sicher ist dagegen, dass der Förderverein selbst eine konstruktive Rolle bei der Behebung des Problems wird spielen können.

Wenn zum Beispiel der Elternbeitrag für eine Klassenfahrt nicht aufgebracht werden kann, leistet der Förderverein der Gesamtschule eine kleine aber entscheidende Hilfestellung. In den meisten Fällen, ohne den Eltern die Ausgabe komplett abzunehmen.

Wenn zum Beispiel der Elternbeitrag für eine Klassenfahrt nicht aufgebracht werden kann, leistet der Förderverein der Gesamtschule eine kleine aber entscheidende Hilfestellung. In den meisten Fällen, ohne den Eltern die Ausgabe komplett abzunehmen. © picture-alliance/ obs

Zum einen weil man schon jetzt finanziell ganz gut ausgestattet ist, zum anderen weil der Förderverein immer wieder als verlässlicher Partner wahrgenommen und unterstützt wird. „Wir haben einfach so viele wundervolle Eltern, die zwölf Euro – oder auch freiwillig ein wenig mehr – gern und aus voller Empathie geben“, sagt Mara-Rosa Groer, „und die meisten Lehrer und auch viele ehemalige Lehrer unterstützen uns auch.“

Schulleben wird an vielen Stellen unterstützt

Deshalb sei es nie ein Problem gewesen, in konkreten Einzelfällen zu helfen oder die Schule bei besonderen Vorhaben oder vielen scheinbar kleinen Details des Schullebens zu unterstützen. Ob es nun um den tollen Rahmen der 50-Jahr-Feier ging, um Futter für die Fische in den Aquarien oder die Finanzierung eines besonderen Projekts in einer der vielen Arbeitsgemeinschaften. Man habe stets helfen können und tue das auch sehr gern. „Besonderes wird erst besonders, wenn man sich an der Umsetzung beteiligt“, weiß die Vorsitzende. Aus Erfahrung, die sie so fest mit „ihrer“ alten Schule verbindet.

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Persönliche Erfahrung, die auch sensibel gemacht hat für die prekäre Situation in vielen Elternhäusern. Mit ihren vier Geschwistern habe sie sich manchmal abwechseln müssen, wenn es um die Zusage für eine Ferienfahrt ging. Das ließe sich verhindern, wenn Eltern ihre Schamgrenze ein wenig verschöben und Hilfe suchten. Beim Förderverein zum Beispiel. Der kann und wird helfen, die Kinder bleiben nicht im Regen stehen – und niemand außerhalb wird jemals davon erfahren.

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