Einen Corona-Schnelltest zu Hause durchführen? Über diese Möglichkeit wird aktuell diskutiert. Es gibt Stimmen dafür – und auch dagegen. © Stefan Milk
Coronavirus

Corona-Selbsttests für Privatleute: Arzt und Apothekerin sind skeptisch

Coronatests dürfen nur von geschultem Personal durchgeführt werden – zum Beispiel von Ärzten, Apothekern und Pflegern. In der Diskussion stehen nun aber auch Selbsttests. Fachleute sind skeptisch.

Frederike Blume-Lüttmann bietet in ihrer Rathaus-Apotheke am Alten Markt Corona-Schnelltests an. Sie und eine Mitarbeiterin haben dafür extra eine Schulung gemacht. Hier weiß man genau, wie tief das Stäbchen in die Nase und den Rachen muss, um ein sicheres Ergebnis zu gewährleisten.

„Ich glaube bei sich selbst würden viele nicht weit genug in die Nase gehen“, erklärt Blume-Lüttmann während der Vorstellung des Schnelltests-Angebotes der Rathaus-Apotheke. Es ist die Antwort auf die Frage, was sie von den Tests für Laien hält, über die aktuell diskutiert wird – also die Möglichkeit, dass sich jeder selbst testen kann.

„Ich sehe das skeptisch“, sagt die Apothekerin. Die Gefahr, dass falsch getestet wird und dann von einem möglicherweise falsch-positiven Ergebnis ausgegangen wird, sei zu groß. Nicht nur die Tiefe, sondern auch die richtige Stelle in der Nase müssten beim Abstrich mit dem Stäbchen getroffen werden.

Falsche Corona-Selbsttests könnten Sicherheit vortäuschen

Ähnlich sieht es der Kamener Arzt Manfred Michael Nickertz. Er fürchtet, dass sich Patienten nach einer Selbsttestung in falscher Sicherheit wiegen könnten. Auch bezweifelt er genau wie Blume-Lüttmann, dass die Abstriche beim Selbsttest nicht in ausreichender Tiefe durchgeführt werden.

„Hierdurch entstehende falsch negative Befunde sind nicht nur für den betreffenden Patienten ungünstig, sondern auch epidemiologisch äußerst heikel, da so womöglich Ansteckungen generiert werden, die bei korrekter Testdurchführung und korrektem Befund, durch eine Quarantäne hätten verhindert werden können/müssen.“

Aktuell sind entsprechende Schnelltests in Deutschland noch nicht zugelassen. Wie aus Medienberichten hervorgeht, kann das aber bald passieren. Aus diesem Grund wird zurzeit über das Thema diskutiert – und es gibt durchaus Befürworter der Selbsttestung.

Laut einer Studie an der Berliner Charité, die aber noch nicht abschließend überprüft worden ist, soll es zwischen den Ergebnissen der Selbsttestung und professionellem Testen keine signifikanten Unterschiede geben. Einen Einfluss auf die Richtigkeit der Ergebnisse soll laut dieser Studie die Viruslast haben.

Über die Autorin
Jahrgang 1991. Vom Land in den Ruhrpott, an der TU Dortmund studiert, wohnt jetzt in Bochum. Hat zwei Katzen, liest lieber auf Papier als am Bildschirm. Zu 85 Prozent Vegetarierin, zu 100 Prozent schuhsüchtig.
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Claudia Pott
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