Corona reißt riesiges Loch in den Stadthaushalt: Defizit wohl bis zu zehn Millionen höher

dzStadtfinanzen

Jahrelange Anstrengungen zur Haushaltskonsolidierung für die Katz: Corona reißt in Kamen ein tiefes Loch in die Stadtkasse. Bis zu zehn Millionen Euro und vielleicht auch mehr könnten am Ende fehlen.

Kamen

, 30.05.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bis zur Corona-Pandemie hatte Ralf Tost noch ein „breites Grinsen“, wie er selbst sagt, im Gesicht. So gut sah für den Kämmerer und Finanz-Kümmerer die Datenlage für Kamen aus. Erstmals seit Jahrzehnten war ein ausgeglichener Stadthaushalt ohne neues Jahresdefizit in Sicht.

Mit Corona ist schlagartig alles anders. Weniger Gewerbesteuer, ein Einbruch bei der Einkommen- und Umsatzsteuer, weniger Elternbeiträge durch Kitas und Offenen Ganztag. Und höhere Verlustübernahmen für den Technopark durch weniger Miete – und ebenso für die Stadthalle durch weniger Veranstaltungen.

Stand Donnerstag, 28. Mai, sind es 4,5 bis 5 Millionen Euro, die in der Kasse fehlen. Ein Loch, das am Ende des Jahres auf 7 bis 10 Millionen Euro wachsen kann und vielleicht noch größer wird. Tost: „Wo wir landen werden, wissen wir nicht.“

Kämmerer Ralf Tost hatte sich am Jahresbeginn noch gefreut, dass die Finanzdaten für Kamen aussichtsreich aussahen. Doch mit der Corona-Krise hat sich alles geändert – wie in anderen Städten und Kommunen auch.

Kämmerer Ralf Tost hatte sich am Jahresbeginn noch darüber gefreut, dass die Finanzdaten für Kamen gut aussehen. Doch mit der Corona-Krise hat sich alles geändert – wie in anderen Städten und Kommunen auch. © Marcel Drawe

Gewerbesteuer-Ansatz schon um 2,1 Millionen gesunken

Nach seinem aktuellen Zahlenwerk, das er jetzt in öffentlicher Sitzung des Stadtrats in der Stadthalle vorstellte, fehlen schon jetzt allein 2,1 Millionen an Gewerbesteuer.

Die bisherige Planung von 16 Millionen Gewerbe-Euro, die jeweils auch in den vergangenen Jahren im Stadthaushalt verbucht wurden, liegt nun bei 13,9 Millionen Euro. „Es ist wohl davon auszugehen, dass wir dort weiter verlieren werden“, sagt Tost mit Blick auf die vom Virus geschädigte Wirtschaft.

Die bisher mit 20,5 Millionen Euro eingeplante Einkommenssteuer hätte ohne Pandemie sogar höher ausfallen können, als für das Jahr erwartet wurde. „Wir lagen in der zwischenzeitlichen Prognose schon 400.000 Euro darüber. Es hätte ein hervorragendes Jahr werden können“, sagt Tost verdrossen. Jetzt geht es runter. Wie tief, ist noch nicht zu prognostizieren.

Jetzt lesen

Desinfektionsmittel so teuer wie Spirituosen

Es sind nicht nur weniger Steuern und Gebühren, sondern auch mehr Ausgaben, die in der Corona-Krise anfallen. Für Schutzausrüstung, Desinfektionsständer und weiteres Equipment wie Touchpad-Stifte für Drucker-Displays, die man wegen der Ansteckungsgefahr nicht mehr anfassen soll. Etwa 150.000 Euro schlagen dafür zu Buche. „Und wir haben uns die Hygieneschutzwände, die man woanders für viel Geld kaufen konnte, durch den Bauhof selbst bauen lassen.“

Zusätzliche Kosten durch den Corona-Ordnungsdienst bezifferte Tost mit 65.000 Euro, die Minderbeiträge durch Kitas, OGS und nicht verkaufte Mittagessen durch den Mensaverein liegen bei ca 250.000 Euro. Weitere Kosten gibt es zudem im Bereich Reinigung zusätzlich durch mehr Personal, Reinigungsmittel und Flächendesinfektion. Tost sagt zu Preissteigerungen in manchem Sektor nicht ohne Ironie in der Stimme: „Ich hatte bis dahin gar nicht gewusst, dass einige Spirituosenhersteller jetzt Desinfektionsmittel herstellen – für die gleichen Preise wie die Getränke.“

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Karstadt-Drama
Karstadt-Story: Wie Kamen um Karstadt kämpfte, verlor und sich neu erfinden musste
Hellweger Anzeiger Schwerer Autobahn-Unfall
Auto schleudert über die A2: Frauen aus Kamen teilweise schwer verletzt
Hellweger Anzeiger Wirtschaft in Kamen
Stellenabbau bei Vahle: Angebote und Zeitplan auf dem Tisch – „Ab jetzt wird verhandelt“
Hellweger Anzeiger Feuer in Methler
Beim Feuerwehrmann brennt es zuhause: Was er dann tut, kann für Laien schnell gefährlich werden
Hellweger Anzeiger Service für Bürger
Die Bitte der Bürgermeisterin: Rathaus-Besuche möglichst nur mit Terminabsprache