In Hamm gelten wegen hoher Infektionszahlen schärfere Corona-Regeln als anderswo in NRW. Die Maßnahmen strahlen bis in den Kreis Unna aus, wie sich am Beispiel von Kamen zeigt.

Kamen, Unna, Bergkamen, Werne

, 23.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mehrere Kamener wollten eine private „Küchenparty“ in einem renommierten Lokal in Hamm feiern. Der Termin stand schon fest. Doch daraus wird erst einmal nichts. Der Wirt hat die Veranstaltung abgesagt. Weil infolge einer Großhochzeit in der Nachbarstadt auffällig viele Corona-Fälle aufgetreten sind, hat Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann (CDU) verschärfte Coronaschutz-Regeln in Kraft gesetzt.

Kleiner Bruder des Lockdowns

Hamm begegnet gerade dem kleinen Bruder des großen Lockdowns. Direkt hinter der Stadtgrenze von Unna, Kamen, Bergkamen, Bönen und Werne gelten in einigen Lebensbereichen strengere Regeln als im Kreis Unna und anderen Landesteilen. Das bedeutet für die Gastronomie in Hamm, das private Feiern bis 150 Personen nicht mehr ohne Weiteres erlaubt sind: Ab sofort sind solche Feiern ab einer Teilnehmerzahl von 25 Personen anzeigepflichtig, ab 50 bis 150 Teilnehmern genehmigungspflichtig. Diese Veränderung soll in dem Beispielfall die Entscheidung des Wirts beeinflusst haben, die Gesellschaft mit Kamener Gästen abzusagen.

Corona-Hotspot vor der Haustür

Hamm ist zum Corona-Hotspot geworden, weil sich auf einer Hochzeit mit mehreren Teilveranstaltungen unter anderem in Hamm, Dortmund und Werl Dutzende Gäste angesteckt haben. Mit Stand von Mittwoch, 12 Uhr, sind in Hamm nachweislich 179 Menschen infiziert, davon bringen die Behörden mehr als 100 Infektionen in Zusammenhang mit den Hochzeitsfeierlichkeiten. Das Gesundheitsamt in Hamm hat mittlerweile 309 Gäste identifiziert. Hamm hat nun mit 94,9 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen den bundesweit höchsten Wert zu verzeichnen. Da die Gäste nicht nur aus Hamm kamen, strahlen die Folgen des Events auch ins Umland aus. Mit Stand von Montag ist mindestens ein Gast aus dem Kreis Unna infiziert. Oberbürgermeister Hunsteger-Petermann machte seinem Ärger über den Leichtsinn der Hochzeitsgäste bei Instagram Luft.

Keine verschärften Maßnahmen im Kreis Unna

Verschärfte Maßnahmen sind im Kreis Unna derzeit „nicht zu erwarten“, sagt Kreissprecher Max Rolke in Unna. „Der Kreis Unna ist mit einer Inzidenz von 11,1 weit weg davon.“ Für den Fall, dass der Wert die Schwelle von 50 übersteigt, sind Maßnahmen wie jetzt in Hamm nicht zwangsläufig. „Das kann man nicht eins zu eins übertragen“, so Rolke. Im Fall eines Ausbruchs würden zusammen mit der Landesregierung „individuelle Maßnahmen erarbeitet“.

Kamener Lehrer in Quarantäne

Die Infektionen in Hamm haben Kreise gezogen: Hunderte Schüler und Lehrer aus neun Schulen sowie zwei Kitas in Hamm sind nach städtischen Angaben von Quarantäne-Maßnahmen betroffen. Dies trifft beispielsweise einen Lehrer aus Kamen, der an einem Gymnasium in Hamm lehrt. Er ist zwar nachweislich nicht infiziert, muss aber als Kontaktperson in häuslicher Isolation verbringen.

Hamm-Lerche ist Kamener Kirchenrevier

Wenn Hamm schärfere Corona-Regeln einführt, interessiert das die Evangelische Kirchengemeinde Kamen. Denn ihr Gemeindegebiet umfasst Hamm-Lerche. Pfarrer Andreas Dietrich sagt, dass das Gemeindeleben in Lerche derzeit vorwiegend aus Gottesdiensten einmal im Monat besteht und sich durch die aktuelle Entwicklung nichts verändert hat. Gottesdienste finden weiterhin an wechselnden Orten unter freiem Himmel statt. „Die Kapelle in Lerche ist so klein, dass wir maximal 13 Personen unterbringen dürfen“, sagt Dietrich. „Wenn man dann noch Pfarrer, Küster, Organist und Presbyter abzieht, wären nur noch neun Gemeindeglieder zugelassen.“ Gefeiert wurde schon vor der Trauerhalle auf dem Friedhof, beim Gala-Bau-Betrieb Untermann und auf dem Hof Plaß. Für das Erntedankfest, das traditionell mit dem Harkemai-Umzug des Ev. Männerforums verbunden ist, werde noch ein Ort für den Open-Air-Gottesdienst gesucht.

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Zusätzliche Corona-Beschränkungen in Hamm

  • Private Feiern mit geselligem Charakter (z. B. runde Geburtstage, Hochzeiten, Jubiläen) sind ab sofort ab einer Teilnehmerzahl von 25 Personen anzeigepflichtig. Ab 50 Teilnehmern bis zur Obergrenze von 150 Teilnehmern müssen Feiern von der Stadt Hamm genehmigt werden. Als verpflichtender Bestandteil der Anzeige bzw. des Antrags müssen außerdem Listen über die voraussichtlichen Teilnehmer der Veranstaltung sowie ein Hygiene- und Infektionsschutzkonzept eingereicht werden.
  • Kontaktverbot: Ab sofort dürfen sich in Hamm maximal fünf Personen (statt zehn Personen) oder Angehörige von zwei häuslichen Gemeinschaften gemeinsam im öffentlichen Raum aufhalten. Die Beschränkung gilt auch für Restaurants und Gastronomie, Geschäfte, Kultur- und Freizeiteinrichtungen.
  • Maskenpflicht im Unterricht: An allen weiterführenden Schulen gilt die Maskenpflicht auch im Unterricht – überall, wo der Mindestabstand von 1,50 Metern zwischen den Schülern nicht eingehalten werden kann. In anderen Landesteilen ist das Tragen der Maske im Unterricht freiwillig.
  • Maskenpflicht bei Sport- und Kulturveranstaltungen: Es gilt eine umfassende Maskenpflicht – drinnen und draußen. Ausnahme: am Sitzplatz, wenn der Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten wird. In anderen Landesteilen gilt die Maskenpflicht nur, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann.
  • Bei Sportveranstaltungen dürfen ab sofort maximal 150 Zuschauer zugelassen werden (statt 300 Zuschauer). Ausnahme laut Corona-Schutzverordnung des Landes für Bundesligen: Das Handball-Spiel des ASV Hamm-Westfalen gegen den TV Emsdetten wird am 2. Oktober ohne Zuschauer stattfinden.
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