Peter Wehlack von der Fridtjof-Nansen-Realschule erfuhr vom Kreisgesundheitsamt, dass trotz eines Corona-Falls keine Quarantäne angeordnet wird. Der Grund: unter anderem die Maske im Unterricht. © Stefan Milk
Neuer Corona-Fall

Corona an Realschule in Kamen: Schüler infiziert, aber keine Quarantäne für die Klasse

Die Maske im Klassenzimmer schützt offenbar vor Quarantäne – das zeigt ein neuer Corona-Fall an der Fridtjof-Nansen-Realschule. Die Mitschüler eines Infizierten dürfen weiterhin zur Schule kommen.

Corona-Fälle an Schulen hatten sich vor den Herbstferien gehäuft und zogen Massentests unter anderem an der Gesamtschule und am Gymnasium nach sich. Nun wird der erste Fall an einer weiterführenden Schule nach den Ferien bekannt. Ein Kind aus der Klasse 5b der Fridtjof-Nansen-Realschule ist positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden.

Schulleiter Peter Wehlack bekam das Ergebnis des Coronatests am späten Donnerstagnachmittag. „Zur Vorsorge verblieben die Schülerinnen und Schüler dieser Klasse für den heutigen Tag zuhause und wurde auf Distanz unterrichtet“, teilte er am Freitag auf der Internetseite der Schule mit.

Unklar blieb zunächst, ob das Gesundheitsamt noch Quarantäne für die Mitschüler anordnen wird und wenn nein, warum nicht. Der Schulleiter teilte unter Berufung auf das Gesundheitsamt mit, dass in der Klasse „kein weiterer Corona-Test“ erfolgen wird und die Schüler „ab Montag wieder regulär am Präsenzunterricht in der Schule teilnehmen werden.“

Max Rolke, Sprecher des Kreises Unna, sagte am Freitagnachmittag, ihm lägen keine Informationen darüber vor, ob es an der Fridtjof-Nansen-Realschule einen Corona-Fall gegeben habe, und er könne diese Informationen wegen Überlastung des Gesundheitsamtes auch nicht mehr beschaffen.

Gibt der Schulleiter das Gesundheitsamt korrekt wieder? Tatsächlich kein Corona-Test für Mitschüler eines Infizierten und keine Quarantäne? Ja, wie Bürgermeisterin und Schuldezernentin Elke Kappen bestätigt, die ebenfalls mit dem Gesundheitsamt gesprochen hat. Die Vorgehensweise im aktuellen Fall scheint sich vom Prozedere bei früheren Infektionen an Kamener Schulen zu unterscheiden, als dutzendfach Quarantäne angeordnet und zahlreiche Rachenabstriche veranlasst wurden.

Schulleiter: Kein erhöhtes Infektionsrisiko mit Maske

Der Schulleiter liefert, wieder unter Berufung auf das Gesundheitsamt, eine Erklärung, die Kappen ebenfalls bestätigt: „Da die Schülerinnen und Schüler unter Beachtung aller aktuell getroffenen und vorgeschriebenen Maßnahmen (regelmäßiges Lüften, Abstand wo möglich, Handreinigung/-desinfektion und das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung) unterrichtet werden, ist nach Aussage des Gesundheitsamtes kein erhöhtes Infektionsrisiko für die restliche Lerngruppe und die unterrichtenden Lehrerinnen und Lehrer anzunehmen.“

Während das Gesundheitsamt keine Stellung nimmt, beleuchtet ein Blick auf die Arbeitsgrundlage der Behörde die möglichen Hintergründe der Entscheidung. Die Maskenpflicht im Unterricht kann offenbar als Argument dafür herangezogen werden, dass das Instrument der Quarantäne nicht ergriffen werden muss.

So wird das Ansteckungsrisiko hoch eingeschätzt

Eine 14-tägige Quarantäne wird laut Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts in der gültigen Fassung vom 19. Oktober für sogenannte Kontaktpersonen ersten Grades angeordnet, die einen engen und längeren Kontakt zum Infizierten hatten. Beispielhaft nennt das RKI „Personen in relativ beengter Raumsituation oder schwer zu überblickender Kontaktsituation mit dem bestätigten COVID-19-Fall (z.B. Schulklassen, Gruppenveranstaltungen), unabhängig von der individuellen Risikoermittlung.“

So wird das Ansteckungsrisiko gering eingeschätzt

Von einer Quarantäne abgesehen – und das scheint an der Realschule so zu sein – wird bei Kontaktpersonen zweiten Grades, deren Infektionsrisiko als gering eingeschätzt wird. Das RKI nennt als Beispiel, wenn der Infizierte und seine Kontaktperson weniger als 15 Minuten und weniger als 1,5 Meter zusammenstanden; wenn sie beide einen Mund-Nasen-Schutz getragen haben. Auch ein Aufenthalt unter 30 Minuten in einem Raum mit hoher Konzentration infektiöser Aerosole wird als Beispiel genannt.

Fazit: Maskentragen verringert das Infektionsrisiko

Das Fazit des Falls an der Realschule: Bei Schülern, die gemäß der verschärften Tragepflicht eine Maske im Unterricht tragen, geht das Gesundheitsamt generell oder unter bestimmten Umständen davon aus, dass das Infektionsrisiko so gering ist, dass sie bei Kontakt mit einem Infizierten nicht in Quarantäne müssen.

Welche Reaktionen der Verzicht auf die Quarantäne bei den Lehrer, Eltern und Schülern auslöst, blieb am Freitag offen. Schulleiter Wehlack war nach Schulschluss nicht für Rückfragen zu erreichen. Bürgermeisterin Kappen sagte, es bestehe kein Grund zur Sorge. Sie vertraue auf die Empfehlungen des RKI.

Dieser Text wurde nach Vorliegen einer Stellungnahme der Bürgermeisterin aktualisiert.

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1973, aufgewachsen im Sauerland, wohnt in Holzwickede. Als Redakteur seit 2010 rund ums Kamener Kreuz unterwegs, seit 2001 beim Hellweger Anzeiger. Ab 1994 Journalistik- und Politik-Studium in Dortmund mit Auslandsstation in Tours/Frankreich und Volontariat bei den Ruhr Nachrichten in Dortmund, Lünen, Selm und Witten. Recherchiert gern investigativ, zum Beispiel beim Thema Schrottimmobilien. Lieblingssatz: Der beste Schutz für die liberale Demokratie ist die Pressefreiheit.
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Carsten Fischer

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