Das Gymnasium lässt alle Schüler ins Klassenzimmer zurückkehren, die Gesamtschule nicht. Zum Ferien-Ende stoßen Schüler auf widersprüchliche Corona-Regeln an den größten Schulen in Kamen.

Kamen

, 24.10.2020, 15:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eine Vorgabe von Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) gilt einheitlich: Schüler müssen im Unterricht einen Mund-Nasen-Schutz tragen, wenn sie am Montag aus den Herbstferien ins Klassenzimmer zurückkehren. Darüber hinaus können sich die Regeln an einzelnen Schulen in Kamen unterscheiden, wie zwei Fallbeispiele zeigen.

Gesamtschule: Oberstufenschüler bleiben zu Hause

So dürfen Oberstufenschüler der Gesamtschule am Montagmorgen nicht zum Unterricht in die Schule kommen, denn sie erhalten Fernunterricht. Nur die Klassen 5 bis 10 müssen persönlich zum Unterricht im Klassenzimmer erscheinen.

Gymnasium: Oberstufenschüler gehen zur Schule

Das Gymnasium erwartet hingegen sowohl die Schüler der Sekundarstufe 1 als auch der Sekundarstufe 2 zurück am Platz. „Wir gehen davon aus, dass wir am Montag mit Präsenzunterricht für alle Schülerinnen und Schüler starten werden“, heißt es in einer Elterninformation von Schulleiter Lars Wollny. „Sollten individuelle Gründe einem Schulbesuch Ihres Kindes entgegenstehen, bitten wir um eine kurze Nachricht.“

Gymnasium legt Corona-Regeln des Gesundheitsamts locker aus

Lars Wollny

Lars Wollny © Michael Neumann

„Am Montag mit Präsenzunterricht für alle Schülerinnen und Schüler starten.“
Lars Wollny, Gymnasium

An der Gesamtschule erläutert Schulleiter Frank Stewen die Absage des Präsenzunterrichts für die Oberstufe so: „Da in der Sekundarstufe II der Unterricht nicht in homogenen Lerngruppen stattfinden kann, wird gemäß der Allgemeinverfügung des Kreises Unna vom 19.10.2020 für die kommende Woche Lernen auf Distanz organisiert. (...) Der Unterricht in der Sekundarstufe I findet unter Berücksichtigung der dringenden Empfehlung des Kreisgesundheitsamtes, die wir als Weisung verstehen, nur noch in festen Lerngruppen statt.“

Warum das Gymnasium diese bis 31. Oktober gültige Weisung offenbar anders interpretiert und alle Schüler einschließlich der Oberstufe zurückerwartet, erschließt sich aus den Informationen selbst nicht. Bürgermeisterin und Schuldezernentin Elke Kappen (SPD) liefert nach Rücksprache mit den Schulleitern eine Antwort: „Die Gesamtschule fährt nach den dortigen Corona-Fällen vorsichtig wieder hoch.“ Der Präsenzunterricht für die Oberstufe werde dort eine Woche später als am Gymnasium wieder starten – also nach Auslaufen der Verfügung.

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Vier Corona-Nachweise bei Schülern und Massentests sowie über 200 Quarantänefälle vor den Herbstferien veranlassen die Gesamtschule zur Vorsicht. Am Gymnasium war eine Lehrkraft positiv getestet worden, die geringeren Auswirkungen lassen nun offenbar eine lockere Auslegung der Regeln verantwortbar erscheinen.

Schulen in der Zwickmühle wegen widersprüchlicher Vorgaben

Frank Stewen

Frank Stewen © Marcel Drawe

„Gemäß der Allgemeinverfügung für die kommende Woche Lernen auf Distanz organisiert.“
Frank Stewen, Gesamtschule

Die Schulen in Kamen sind selbst mit „durchaus unterschiedlichen und auch zum Teil widersprüchlichen Vorgaben des Ministeriums und lokaler Behörden“ konfrontiert, wie Gesamtschulleiter Stewen in der Elterninformation anmerkt. Schulministerin Gebauer will einen „angepassten Schulbetrieb in Corona-Zeiten mit Unterricht möglichst nach Stundentafel nach den Herbstferien unverändert fortsetzen“, wie es in der sogenannten Schulmail des Ministeriums vom 21. Oktober heißt. Ein solcher Unterrichtsbetrieb habe „für uns alle höchste Priorität“.

Der Rückkehr zur Normalität stehen aber teils strengere Corona-Regeln entgegen, die der Kreis Unna in bislang drei Allgemeinverfügungen veröffentlicht hat. Die aktuelle, seit 19. Oktober gültige Allgemeinverfügung besagt: „Der Schulunterricht soll möglichst im Klassenverband bzw. in homogenen Lerngruppen erteilt werden. Sofern dies nicht möglich ist, ist Distanzunterricht zu bevorzugen.“ Diese Soll-Vorschrift gilt bis zum 31. Oktober. Da Oberstufenschüler im Kurssystem unterrichtet werden, das feste Lerngruppen ausschließt, müssten sie im Sinne der Allgemeinverfügung also im Distanzunterricht beschult werden, was das Gymnasium aber durch eine lockere Auslegung umgeht. Wegen erhöhter Corona-Fallzahlen gelten im Kreis Unna derzeit strengere Corona-Regeln als in anderen Landesteilen.

Warm anziehen, wenn alle 20 Minuten gelüftet wird

Für Eltern und Schüler empfiehlt sich vor dem ersten Schultag ein Blick auf die Internetseiten der Kamener Schulen, um etwas über die individuellen Corona-Regeln zu erfahren. Im Gymnasium gilt beispielsweise ab Montag „ein Rechtsgeh-Gebot im Gebäude“.

Wie das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes am Platz wird auch das Lüften zur festen Regel. Die Räume sollen laut Vorgaben des Ministeriums alle 20 Minuten stoßgelüftet werden, dazu „Querlüften wo immer es möglich ist“ und „Lüften während der gesamten Pausendauer“. Lars Wollny (Gymnasium) und Frank Stewen (Gesamtschule ) bitten die Schüler in wortgleichen Elterninformationen, „auf wetterangepasste Oberbekleidung zu achten, die bei Bedarf natürlich auch im Unterricht an- und abgelegt werden kann“.

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