Die Bürgerinitiative zum Erhalt der Heerener Schwimmhalle fordert Einblick in ein Gutachten über den Sanierungsbedarf des Stadtteilbads. Der Betreiber GSW soll einem Unnaer Beispiel folgen.

Kamen, Unna

, 10.12.2018, 13:01 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eine eher ungewöhnliche Weihnachtspost bekam der Chef der Gemeinschaftsstadtwerke (GSW), Jochen Baudrexl, am vorigen Freitag. Die Bürgerinitiative zum Erhalt der Kleinschwimmhalle Heeren-Werve wünscht dem Geschäftsführer und seinen Mitarbeitern in einer E-Mail zwar mit den üblichen Floskeln „ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest und Glück und Gesundheit für 2019“, doch im Kern geht es in dem offenen Brief um konkrete Forderungen an den Betreiber der Kamener Schwimmbäder.

Eigenes Bild machen

Während Kinder in diesen Tagen an den Weihnachtsmann schreiben, hat die Bürgerinitiative sich einen anderen Adressaten für ihren höflich, aber bestimmt formulierten Wunschzettel gesucht. Sie fühlt sich auch nicht wie ein Bittsteller, sondern sieht einen gesetzlichen Anspruch. „Offenlegung des Sanierungsbedarfes“ ist der Brief an den GSW-Geschäftsführer überschrieben. Die Bürgerinitiative will von den GSW Einblick erhalten in ein Gutachten, aus dem der Sanierungsaufwand des Heerener Stadtteilbads hervorgehen soll. Sie droht indirekt mit rechtlichen Schritten, falls sie solche Auskünfte nicht bekommt. Die Bürgerinitiative möchte sich ein eigenes Bild vom Sanierungsaufwand machen, um daraus eigene Schlüsse zu ziehen.

Der Weihnachtsbrief folgt wenige Wochen, nachdem die GSW den ersten konkreten Entwurf samt Kostenschätzung für den Neubau eines Ganzjahresbads („Kombibad) in Kamen-Mitte vorgelegt haben. Dieses Kombibad ist darauf ausgelegt, alle bisherigen Kamener Hallenbäder – Methler, Kamen-Mitte, Heeren-Werve – am Standort des heutigen Freibads Kamen zu ersetzen, bei prognostizierten Gesamtkosten von bis zu 23,6 Millionen Euro netto bzw. 28,1 Millionen Euro brutto. Die zuständigen Ratsauschüsse beauftragten daraufhin Bürgermeisterin Elke Kappen (SPD), Anfang 2019 einen Finanzierungsvorschlag für die weiteren Beratungen vorzulegen. Die Bürgerinitiative verfolgt das Ziel, ungeachtet von Neubauplänen das Heerener Bad zu erhalten.

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Zahlen offenlegen

Der Sprecher der Initiative Burkhard Allebrodt verweist in seiner Mail einleitend darauf, dass sich zahlreiche Bürger „auf vielfältige Weise für den Erhalt der Kleinschwimmhalle in Heeren-Werve eingesetzt und dies mit ihren Unterschriften und durch Teilnahme an verschiedenen Aktionen gegenüber der Stadt Kamen zum Ausdruck gebracht“ haben.

Allebrodt erwähnt ein Gespräch vom 15. September 2016, in dem GSW-Chef Baudrexl deutlich gemacht haben soll, dass die GSW nicht bereit seien, den tatsächlichen Zustand wie auch den Sanierungsbedarf der Kleinschwimmhalle gegenüber der Bürgerinitiative offen zu legen. „Diese Reaktion hat uns schon damals irritiert und kann von uns angesichts vergleichbarer Entwicklungen in anderen Kommunen nicht mehr akzeptiert werden“, schreibt Allebrodt.

Die Bürgerinitiative wünscht sich eine Vorgehensweise wie bei der Eishallen-Diskussion in Unna. „Die ebenfalls privatwirtschaftlich organisierten Wirtschaftsbetriebe Unna haben gegenüber der Initiative ,Unna braucht Eis‘ ungeachtet der immer noch punktuell geäußerten Kritik, es könne noch mehr Transparenz erzeugt werden, mehrere Besichtigungen und Begehungen durch technisches Personal im Auftrag der Initiative zugelassen und begleitet“, hebt Allebrodt hervor.

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Bürgerinitiative zur Rettung des Heerener Bads will sich an „Unna braucht Eis“ orientieren

Der Sanierungsbedarf der Kleinschwimmhalle Heeren-Werve wurde im sogenannten Constrata-Gutachten vor vier Jahren auf 2,4 Millionen Euro geschätzt.ARchiv © Stefan Milk

Wie bei „Unna braucht Eis“

Weiter verweist der Sprecher darauf, dass ebenso „eine umfangreiche Darstellung der veranschlagten Sanierungskosten auf Basis der festgestellten Schäden ausgehändigt“ worden sei. Diese biete der Unnaer Initiative „seit Längerem eine Basis für eigene Überlegungen über alternative Formen einer Fortführung des Betriebes“.

Vor diesem Hintergrund stellt die Heerener Initiative nun die Frage, „warum das bei der GSW nicht ebenfalls so gehandhabt wird?“ Zudem wirft sie die Frage auf: „Müssen wir tatsächlich erst den Weg über einen gesetzlichen Auskunftsanspruch gehen und diesen gerichtlich durchsetzen, weil die GSW sich einer kooperativen Vorgehensweise entzieht?“

Allebrodt bittet Baudrexl, die „bisherige Position zeitnah zu überdenken und Vertretern unserer Bürgerinitiative die in Ihrem Hause vorhandenen Schadensfeststellungen und Sanierungsbedarfe nebst den dafür kalkulierten Kosten transparent und nachvollziehbar offen zu legen“.

Die Gemeinschaftsstadtwerke hatten im sogenannte Constrata-Gutachten aus dem Jahr 2014 einen Investitionsbedarf von 27,6 Millionen Euro für ihre damals sieben Freizeiteinrichtungen in Kamen und Bergkamen ermittelt. Davon entfielen 2,4 Millionen Euro auf das Bad in Heeren-Werve. Sofern die GSW dieses Gutachten herausrücken, könnte sich die Bürgerinitiative ein detailliertes Bild von vier Jahre alten Zahlen machen.

Was bisher geschah

Eine Grundsanierung aller Einrichtungen würde die finanzielle Leistungsfähigkeit der Gemeinschaftsstadtwerke übersteigen, hieß es damals. Als Reaktion auf die Misere suchten die Stadträte der GSW-Eignerkommunen Kamen und Bergkamen das Heil in der Entwicklung von Neubau-Plänen in ihren Städten. Bergkamen privatisierte die Eishalle Bergkamen. Im Kamener Bürgermeisterwahlkampf forderten Tanja Brückel (CDU, Grüne, FW/FDP, Grüne) und Jonas Büchel (parteilos) einen Erhalt der Kleinschwimmhalle. Die spätere Wahlsiegerin Elke Kappen forderte ausreichend Wasserflächen für alle Nutzer, die Kleinschwimmhalle wolle sie „im Blick behalten“.

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