Bürgerinitiative bekommt marodes Stadtteilbad für einen Euro angeboten

Bei Besichtigungstour

Die Bürgerinitiative für die Heerener Schwimmhalle stellt sich nach einer Besichtigung die Frage, ob die mögliche Sanierung eine Nummer kleiner ginge. Außerdem erhielt sie ein unverbindliches Ein-Euro-Angebot.

Kamen

, 17.03.2019, 15:08 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bürgerinitiative bekommt marodes Stadtteilbad für einen Euro angeboten

Delegation der Bürgerinitiative bei der Besichtigung der Kleinschwimmhalle Heeren-Werve am 14. März. © privat

3,9 Millionen Euro soll die Sanierung des Lehrschwimmbeckens der Astrid-Lindgren-Schule laut einem Bädergutachten kosten. Das ließen sich Mitglieder und Freunde der Bürgerinitiative jetzt bei einer Besichtigung des Stadtteilbads aus erster Hand erklären. Von der Bürgerinitiative waren unter anderem Burkhard Allebrodt, Jörg Theis und Walter Utermann dabei, vom Badbetreiber GSW Geschäftsführer Jochen Baudrexl und Bäderchef Marcus Müller sowie Gutachten-Verfasserin Daniela Kersting.

Baudrexl überreichte Allebrodt eine frühere Fassung des Sanierungsgutachtens, dessen Herausgabe er der Bürgerinitiative zunächst verweigert hatte. Die Mitglieder ließen sich alle Bereiche des Gebäudes zeigen und den baulichen Zustand erläutern. Dabei seien ehrliche und sachliche Gespräche geführt worden, berichtete Allebrodt.

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Auf Basis des aktuellen Sanierungsgutachten befürwortet GSW-Chef Baudrexl nach Abwägung aller Belange den Neubau eines zentrales Kombibads auf dem heutigen Freibadgelände in Kamen-Mitte. Dieses decke den gesamtstädtischen Bedarf ab. Dem Sanierungsgutachten zufolge ist es preiswerter, ein Bad neu zu bauen, als vorhandene Bäder zu sanieren.

In den Gesprächen mit der Bürgerinitiative würdigte Baudrexl das Engagement der Bürger für den Erhalt des Stadtteilbads. Der GSW-Chef wies aber darauf hin, dass bei einer Neubaullösung eine Konzeption zum Erhalt weiterer Bäder nach dem Verständnis der Geschäftsführung und nach der bisherigen Diskussion im Aufsichtsrat eher nicht unter der finanziellen Verantwortung des Unternehmens gesucht werden müsse. „Er hat uns das Bad für einen Euro angeboten“, fasste Initiativsprecher Allebrodt diesen Punkt zu sammen. Diese Möglichkeit sehe die Initiative jedoch nicht.

Keine Anzeichen dafür gefunden, dass Gutachten unseriös ist

Die Bürgerinitiative hat keine Belege dafür gefunden, dass das Sanierungsgutachten unseriös ist. Dennoch hinterfragen die Mitglieder die ihr hoch erscheinenden Kosten. Die Architektin habe erklärt, dass sie nichts von einer Teillösung halte. „Es bleibt natürlich die Frage offen für uns: Kann es richtig sein, dass die geschätzten Kosten zum Beispiel bei der Kostengruppe Bauwerk und Baukonstruktion von rund 500.000 Euro im Jahr 2014 auf jetzt 1,8 Millionen gestiegen sind?“, erklärt Allebrodt. „Das könnten wir nur durch ein weiteres Guachten, das wir in Auftrag geben müssten, klären, aber dazu sind wir nicht in der Lage.“ Auch eine Kostensteigerung bei den technischen Anlagen von 500.000 im Altgutachten auf 900.000 Euro in der neuen Fassung wird von der Initiative hinterfragt.

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Auf Bitten der Bürgerinitiative nahm auch ein Experte, der sich mit Betonbau und Brückensanierung auskennt, an der Besichtigung teil. Einen besseren Eindruck als erwartet machte die Betonkonstruktion. Es seien keine massiven Schäden sichtbar gewesen. „Die Schäden, die vorhanden sind, kommen daher, dass der Beckenrand über Jahrzehnte nicht gewartet wurde und undicht ist“, so Allebrodt,

Wie es jetzt weitergeht für die Initiative? Keine Unterstützung für das Ziel des Bad-Erhalts gebe es von den GSW, nun wolle man versuchen, einen Termin bei Bürgermeisterin Elke Kappen zu bekommen, um ihr die Problematik zu schildern. Allebrodt befürchtet, dass der Verlust der Kleinschwimmhalle auch das Aus für einige Kurse bedeuten würde. So habe er von Kursleiterinnen gehört, dass die TG Heeren sich aus der Kinderausbildung zurückziehen würde. „Ich bin gespannt auf die Einwohnerversammlung am 13. Mai“, sagte Allebrodt.

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