Brutale Auto-Attacke von Wasserkurl: „Ihre Frau hätte sterben können“

dzGewalttätiger Ehemann

Die Auto-Attacke galt zunächst als Mordversuch: Nun ist ein 59-Jähriger, der seine Ehefrau absichtlich mit dem Auto anfuhr und schwer verletzte, zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Vor Gericht wurden grausame Details bekannt.

von Sylvia Mönnig

Kamen

, 13.02.2020, 17:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Ich fahre Dich kaputt.“ Diesen verstörenden Worten ließ ein Kamener im Herbst Taten folgen. Er gab Gas und quetschte seine Ehefrau zwischen einer Wand und seinem Auto ein, verletzte sie schwer. Nun saß der 59-Jährige im Amtsgericht Unna auf der Anklagebank.

Seine wahnhafte Eifersucht, Alkoholmissbrauch und stete Drohungen sorgten dafür, dass die 61-Jährige über Trennung nachdachte. Sie hielt das Zusammenleben mit ihm nicht mehr aus. Als der 59-Jährige am Morgen des 29. September bereits mit rund drei Promille im Blut zum Bäcker fuhr, nahm sie ihr Gepäck und ging. Er bemerkte ihr Verschwinden sofort, nahm die Verfolgung mit seinem VW Beetle auf, entdeckte sie auf der Wasserkurler Straße und forderte sie zwei Mal rüde auf, einzusteigen. Sie weigerte sich, flüchtete in eine Hofeinfahrt – und saß damit in der Falle. Er folgte ihr, stieg kurz aus, kündigte an, sie kaputtzufahren, stieg wieder ein und fuhr mit etwa 30 Stundenkilometer gegen die Frau, die buchstäblich mit dem Rücken zur Wand stand und mit der Polizei telefonierte. Die 61-Jährige, die eine komplizierte Oberschenkel-Fraktur erlitt, fiel schließlich hin. Er setzte zurück, fuhr davon, wurde kurz darauf festgenommen und verbrachte die letzten Monate in U-Haft.

Angeklagter gesteht unter Tränen

Über seinen Verteidiger räumte der Kamener seine Schuld nun vor dem Unnaer Schöffengericht ein und spätestens in dem Moment, in dem der Anwalt betonte, dass er, der Angeklagte, das alles zutiefst bereue, flossen die Tränen, die sich immer wieder zu einem lauten Schluchzen steigerten. Er selbst bestritt beharrlich, ein Alkoholproblem zu haben. Und dabei blieb er auch. „Ich glaube, es gibt ein Problem, sich die Realität einzugestehen“, formulierte es sein Verteidiger.

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Das Opfer, das nach wie vor auf eine Gehhilfe angewiesen ist, trat in den Zeugenstand und schilderte den Vorfall aus ihrer Perspektive. „Ich hatte Angst“, erinnerte sich die 61-Jährige und war dennoch weit davon entfernt, etwas aufzubauschen oder zu dramatisieren. Worte der Entschuldigung wollte sie von ihm nicht hören. Größe zeigte sie trotz allem, lehnte einen Schmerzensgeld-Titel ab. Ihrer Anwältin erklärte sie in dem Kontext: „Der Mann ist gestraft genug.“

Rücktritt vom Mordversuch

Der Staatsanwalt brachte es in seinem Plädoyer auf den Punkt. Er wandte sich direkt an den Angeklagten: „Ihre Frau hätte dort sterben können.“ Allerdings gingen der Ankläger und das Gericht von einem Rücktritt vom Tötungsversuch aus, da der 59-Jährige nach der Kollision keinen zweiten Anlauf nahm. Ansonsten hätte der Fall auch an das Dortmunder Schwurgericht verwiesen werden müssen. Der Kamener, der nach der Tat unter dem Verdacht des Mordversuchs verhaftet worden war, wurde letztlich wegen gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung, Gefährdung des Straßenverkehrs, Fahren unter Alkoholeinfluss und Unfallflucht zu drei Jahren und einem Monat Haftstrafe verurteilt.

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