Beim Jonglage-Kurs fliegen Bälle durch die Luft, beim Breakdance-Kurs die Füße. Im Freizeitzentrum geht es sportlich zur Sache, einer der Trainer ist sogar ein waschechter, deutscher Meister.

26.10.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn Julian Süssengut durch die Luft wirbelt, wirkt alles ganz einfach. In der Breakdance-Szene ist er bekannt als BBoy Juz und gemeinsam mit der Reckless Crew gewann er bereits zweimal die Deutsche Meisterschaft.

Im Freizeitzentrum an der Lüner Höhe (FZ) gibt der versierte Breakdancer sein Wissen an drei Tagen an rund zehn Jugendliche weiter. So einfach, wie Süssengut es aussehen lässt, ist es dann allerdings doch nicht.

Florian Weber-Kaesler und Martin Goebel sind ebenfalls echte Profis. Während die Breakdancer den Keller für sich beansprucht haben, probt das „Duo Artistico“ mit den Kindern bereits für die große Abschlussveranstaltung auf der Bühne des FZ.

Auch beim Jonglage-Kurs sieht alles so einfach aus, wenn die beiden Artisten loslegen.

Außerdem gibt das Duo Artistico den rund 15 jungen Kursteilnehmern einen tiefen Einblick in ihre Kunst. Augen-Hand-Koordination ist hier der Schlüssel zum Erfolg, gepaart mit jeder Menge Übung.

Jonglage fördert Konzentration und Kreativität

Deswegen beginnen auch Goebel und Weber-Kaeseler mit den Grundschritten. Zu Beginn versuchen die Kinder, einen einzigen Ball zu beherrschen. Diesen gilt es, erst einmal möglichst gerade hochzuwerfen und mit der selben Hand wieder aufzufangen.

„Wenn das klappt, können die Kinder probieren, den Ball von einer Hand in die andere zu werfen“, erklärt Goebel. „Wenn auch das klappt, arbeiten wir an der Flugbahn.“ Je höher und runder der Bogen, den der Ball beschreibt, desto besser. Neben der Augen-Hand-Koordiantion fördere das Jonglieren auch die Konzentration, so der Profi: „Kreativität ist ein weiterer Faktor, der hier ganz stark zum Tragen kommt.“

Ein Weltmeister zu Gast in Kamen: Breakdance und Jonglage im FZ Lüner Höhe

Das Jonglieren bietet viele Aspekte. Nicht immer müssen dabei Bälle zum Einsatz kommen, auch Teller sind Teil der Show. © Niklas Mallitzky

Kreativität ist auch Süssengut wichtig. Das beginnt schon beim sogenannten Up Rock, die erste Lektion beim Breakdance-Kurs. Hier gilt es, leichtfüßig hin und her zu rocken.

Das dient als Einstieg in die Performance und als Überleitung hin zu anspruchsvolleren Moves. „Die Kids können hier ihren eigenen Stil entwickeln“, so BBoy Juz. „Aber natürlich gibt es auch Grundschritte wie den ‚Criss Cross‘, die es zu meistern gilt.“

Süssengut brachte sich das Breakdancen selber bei

Julian Süssengut hat das Breaken als Jugendlicher am Dortmunder Bahnhof gelernt, Kurse wie seinen habe es damals noch nicht gegeben, erinnert er sich: „Wir haben uns dann gegenseitig beeinflusst und gepusht. Ich musste mir vieles selbst beibringen, da haben es die Teilnehmer hier natürlich deutlich einfacher.“

Deswegen halte er es auch für so wichtig, dass die Kinder ihre eigenen Ideen und Ansätze entwickeln, das gehöre quasi zu den Grundprinzipien des Breakdance.

Ein Weltmeister zu Gast in Kamen: Breakdance und Jonglage im FZ Lüner Höhe

Julian Süssengut zeigt, wie es geht. Wichtig ist ihm, dass die Kinder ihren eigenen Stil entwickeln. © Niklas Mallitzky

Dass er schon bei Deutschen Meisterschaften punkten konnte und auch bei internationalen Turnieren eine gute Figur machte, für BBoy Juz sei das zweitrangig: „Das sind Dinge, die auf dem Papier stehen.“

Wie gut man wirklich sei, darüber würden diese Dinge aber kaum Auskunft geben. „Man muss sich ständig weiterentwickeln und an seinem Stil arbeiten, darauf kommt es an.“

FZ verwandelt sich in eine Zirkusmanege

Im Erdgeschoss des FZ treffen derweil die ersten Besucher ein. Die Kinder des AWO Kindergarten „Atlantis“ schauen bei der Generalprobe zu, bei der die Teilnehmer des Jonglage-Kurs ihr Programm für die große Abschlussvorstellung einstudieren.

„Ich musste mir vieles selbst beibringen, da haben es die Teilnehmer hier natürlich deutlich einfacher.“
Julian Süssengut, Breakdancer

Weber-Kaesler und Goebel engagieren sich seit vielen Jahren im Kinder- und Jugendzirkus „Quamboni“ in Hagen, deswegen ähnelt auch das Geschehen auf der Bühne dem einer Zirkusvorstellung.

Zirkusdirektor Melvin (13) begrüßt die Gäste, dann sind die Artisten an der Reihe. Die jonglieren Teller auf Stäben und sogenannte Devil Sticks, die mit zwei Hölzern geworfen und gefangen werden.

Nach der Generalprobe üben die Kinder ein letztes Mal. Ben (8) hat sich für das Diabolo entschieden, das er mit zwei an einem Seil verbundenen Hölzern in die Luft katapultiert. „Das Diabolo und die Bälle fand ich am schwierigsten“, gibt er zu. „Aber es hat auch am meisten Spaß gemacht.“

Ein Weltmeister zu Gast in Kamen: Breakdance und Jonglage im FZ Lüner Höhe

Für die Abschluss-Show haben die Kinder auch einige akrobatische Elemente trainiert, die sie ihren Eltern vorführen wollen. © Niklas Mallitzky

Breakdance als neues Angebot im Freizeitzentrum

Bei den Breakdancern hat sich das Geschehen auf den Boden verlagert. Süssengut zeigt den Kindern und Jugendlichen einen Move, den er selbst entwickelt hat: „Den dürft ihr dann auch gerne verwenden.“

Immer wieder sollen die jungen Breaker die Moves üben, bis sie ihnen in Fleisch und Blut übergehen. Noah (9) ist eigentlich Handballer, hat am Breakdance aber großen Gefallen gefunden. Die blauen Flecken an Ellenbogen und Knien nimmt er dafür gerne in Kauf: „Ich würde das gerne auch noch weiter machen.“

„Man muss sich ständig weiterentwickeln und an seinem Stil arbeiten, darauf kommt es an.“
JULIAN SÜSSENGUT, BREAKDANCER

Auch Burak (11) hat Blut geleckt, seine Mutter hatte ihn auf die Idee gebracht. Besonders zu schaffen mache ihm der Back Spin, bei dem es gilt, sich auf dem Rücken zu drehen.

Jonathan (11) hat den bereits gemeistert, sogar den Head Spin kann er schon. Jede Woche fährt er mit seinem Vater zum Training in die Niederlande. Trotz seiner Erfahrung habe ihm der Kurs viel gebracht, meint Jonathan: „Ich hab hier viele Sachen gelernt, die ich vorher noch nicht kannte.“

Ab November will BBoy Juz dann regelmäßig das FZ besuchen, die Termine dafür stünden allerdings noch nicht endgültig fest. Auf jeden Fall soll das Angebot aber kostenlos bleiben.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Freizeitzentrum in Kamen

B-Boy, Beats und Blues: Was die Bühne auf der Lüner Höhe bis Dezember zu bieten hat

Hellweger Anzeiger Carina Felske

Keine Angst vor Anschlägen: Liebeserklärung einer Kamenerin ans „schönste Land der Welt“

Hellweger Anzeiger Zeichen gegen Clankriminalität

Polizei und Zoll kontrollieren Shisha-Bars: Illegales Casino muss Betrieb einstellen

Meistgelesen