Nach einem Feuer mahnten die Behörden den Vermieter eines Wohnblocks wegen schleppender Schadensbeseitigung ab und erklärten das Haus für unbewohnbar. Nun zeichnet sich eine Freigabe ab.

Kamen

, 29.08.2018 / Lesedauer: 4 min

„Hier war kein Durchkommen. So hoch war alles mit Sperrmüll gestapelt“, sagt Rudolf Gießler und hebt demonstrativ seine Hände in die Höhe. Der Hausmeister steht in einem Kellergang im Wohnblock an der Blumenstraße 9 in Kamen, in dem es am 1. März und am 2. Juli zweimal gebrannt hat.

Beim zweiten Feuer zog so viel Rauch durchs Treppenhaus, dass einige der 40 Bewohner teilweise per Drehleiter aus den oberen Geschossen gerettet werden mussten. Die Stadt Kamen erklärte das Haus für unbewohnbar und mahnte einige Tage später den Vermieter Ahmet Koca ab, weil er „nur sehr unzureichende Vorkehrungen“ getroffen habe, um die Schäden zu beseitigen, insbesondere drohende gesundheitliche Schäden von den Mietern abzuwenden.

15 Kellerräume liegen unter dem Mehrfamilienhaus. Bis vor einigen Tagen waren die Räume und auch die Gänge zugemüllt, jetzt sind sie entrümpelt und neu gestrichen. In den beiden Räumen, in denen die Feuer ausgebrochen waren, sind keine Rußspuren mehr zu erkennen. Es riecht nach frischer Farbe, auch im Treppenhaus.

„Wir haben 42 Kubikmeter Sperrmüll entfernt, das sind fünf Container voll“, sagt Gießler. Allerdings stehen in einem Kellerraum noch alte Möbel. „Das ist der Sperrmüllraum, der nur dann genutzt werden darf, wenn die Mieter eine Bescheinigung vorlegen, dass der Sperrmüll abgeholt wird“, sagt Gießler.

Brandhaus-Eigentümer reagiert auf Druck der Behörden, damit Mieter zurückkehren dürfen

Das für unbewohnbar erklärte Haus an der Blumenstraße 9 steht vor der Freigabe. © Stefan Milk

Hausmeister eingestellt

Der Druck der Behörden auf den Vermieter hat Wirkung gezeigt. Ahmet Koca, ein Privatmann aus Bochum stellte zum 1. August einen Hausmeister für seine Kamener Immobilie ein: Rudolf Gießler, 60 Jahre, gelernter Dachdecker, Anwohner der Blumenstraße seit 2009. Der Bärtige in Arbeitshose leitete die Aufräum- und Renovierungsarbeiten und sorgt dafür, dass die Auflagen der Behörden erfüllt werden. Das heißt auch: Es darf niemand im Haus übernachten, solange die Unbewohnbarkeitsverfügung der Stadt Kamen gilt.

Gießler scheint nach seinem Auftreten genau der richtige Mann für den Hausmeister-Job zu sein. Er pflegt eine klare Ansprache und ist in der Lage, sich Respekt bei den Mietern zu verschaffen. Bislang ging in dem Mehrfamilienhaus offenbar alles drunter und drüber. Der Vermieter soll seiner Verantwortung für den Zustand des Hauses nicht gerecht geworden sein, niemand schien sich um die Einhaltung der Hausordnung zu kümmern. Gießler sagt: „Die Hausordnung gibt es jetzt in fünf Sprachen: Deutsch, Englisch, Türkisch, Albanisch und Russisch.“

Jetzt lesen

Schon durch das erste Feuer wurden Gasleitungen in Mitleidenschaft gezogen. Handwerker haben nun die beanstandeten Rohre ersetzt. Gießler führt den Gaszähler-Raum vor, für jede der zwölf Wohnungen gibt es einen Zähler. „Die Anlage ist betriebsbereit. Wir warten darauf, dass die GSW das abnehmen“, sagt er.

Techniker der Gemeinschaftsstadtwerke wurden am Mittwoch zur Abnahme der Anlage erwartet. Darauf wird auch im Rathaus gewartet. „Wenn uns die GSW danach grünes Licht geben, würden wir am Donnerstag die Bewohnbarkeit des Hauses in schriftlicher Form erklären“, sagt Rathaus-Sprecher Hanno Peppmeier. Dann dürften die Bewohner zurückkehren. Weitere Auflagen, wie eine Emissionsmessung zum Nachweis der Brandschadenbeseitigung, seien bereits erfüllt.

Die Stadt Kamen hatte in einem aufsehenerregenden Schritt wegen der Mängel an dem Haus auf das Wohnungsaufsichtsgesetz zurückgegriffen, die Unbewohnbarkeit verfügt und gegen den Vermieter ein Zwangsgeld verhängt. „Offenbar hilft nur der Druck auf das Portemonnaie“, sagte der Stadtsprecher.

Nicht alle der 40 Bewohner der Nummer 9 werden in ihre Wohnungen zurückkehren, weil sie sich zwischenzeitlich etwas Neues gesucht haben. Darunter auch ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Kamen, der geholfen hatte, die eigenen Nachbarn vor dem Feuer zu retten.

Brandhaus-Eigentümer reagiert auf Druck der Behörden, damit Mieter zurückkehren dürfen

Siribana Ajeti will in das teilweise renovierte Wohnhaus einziehen. © Stefan Milk

Die Feuer-Historie und das Umfeld schrecken neue Mieter nicht ab. So preisgünstige Wohnungen wie an der Blumenstraße sind rar in Kamen. Siribana Ajeti ist soeben mit ihren alten VW Golf vorgefahren und lädt einen Rolle mit PVC-Boden aus dem Kofferraum. Von dem beseitigten Brandschaden hat die neue Mieterin gehört, nicht aber von der Unbewohnbarkeitsverfügung. „Mir wurde gesagt, dass ich zum 1. September einziehen kann“, sagt sie. An dem Haus müsse ihrer Meinung nach aber noch einiges gemacht werden. „Die Haustür muss mal ausgewechselt werden, die schließt nicht richtig.“

Das Haus an der Blumenstraße 9 liegt in einem Kamener Viertel, das als vernachlässigt gilt. Der Wohnblock Nummer 9 ist einer der wenigen, der nicht zu der Wohnungsgesellschaft Altro Mondo gehört, gegen die sich wiederholt Mieterkritik wegen Mängeln gerichtet hat, zum Beispiel nicht funktionierenden Aufzügen. Als Eigentümer des Mehrfamilienhauses wird der Bochumer Ahmet Koca im Grundbuch geführt. Er erwarb es am 14. Juni 2005 bei einer Zwangsversteigerung. Das Haus hat mehrere Eigentümerwechsel hinter sich. Koca ist laut Grundbuch der sechste Eigentümer der Immobilie, seit die damaligen Bergmannswohnungen 1968 bezogen wurden.
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Suche nach den Vorfahren

Georg Palmüller findet bei der Ahnenforschung auch die Frau fürs Leben

Hellweger Anzeiger Technik für den Sesekepark

Das Wirtshaus am Spessart? Nein, das Pegelhäuschen am Sesekepark!

Hellweger Anzeiger 40 Kirmes-Geschäfte

Es wird knallen und feurig im Himmel knistern: Bei der Pflaumenkirmes geht‘s rund

Meistgelesen