Manuel Sperlich ist einer von vielen Schaustellern, die durch Corona über Monate ihre Arbeit verloren haben. © Stefan Milk
Vandalismus

Bitteres Aus für Mandelverkäufer: „Man hat versucht, die Tür einzutreten“

Nach nur zehn Verkaufstagen gibt Mandelverkäufer Manuel Sperlich auf. Zu groß sind die Verluste durch mutwillige Zerstörungen an seinem Wagen, der auf dem Alten Markt platziert war.

Das Aus für den Mandelverkäufer Manuel Sperlich ist bitter. Bereits nach zehn Verkaufstagen auf dem Alten Markt wird er zur Aufgabe gezwungen. Mehrfach wurde der Verkaufsstand Ziel von Vandalen. „Ich wollte eigentlich bis Ende Juli bleiben. Doch das ist nun nicht mehr möglich.“

Zu hoch seien die Verluste durch die mutwillig verursachten Schäden. „Allein drei Mal ist mir das Kabel für die Stromversorgung durchschnitten worden.“

Demolierte Dachrinne: Manuel Sperlich zeigt einen Schaden an seiner Verkaufsbude auf dem Alten Markt.
Demolierte Dachrinne: Manuel Sperlich zeigt einen Schaden an seiner Verkaufsbude auf dem Alten Markt. © Carsten Fischer © Carsten Fischer

Unbekannte versuchten, die Tür einzutreten

Das war längst nicht alles. „Es sind mehrfach Leuchtmittel gestohlen worden. Man hat versucht, mir die Tür einzutreten.“ Dann gab es noch einen Unfall mit Fahrerflucht, bei dem das kleine Vordach demoliert wurde. Als die Stromzufuhr nach dem Kabel-Kappen aussetzte, ist der Kühlschrank kaputt gegangen. „Das hat alles keinen Spaß mehr gemacht – und es hat sich für mich überhaupt nicht gelohnt“, sagt der 44-Jährige.

Kamener wissen seine Dienste eigentlich zu schätzen. Der Familienbetrieb ist seit mehr als 40 Jahren auf Kamener Märkten vertreten, die gebrannten Mandeln locken eine große Stammkundschaft an. Bei der Winterwelt ist der Stand gefragter Anlaufpunkt.

Totalausfall bei den Einnahmen

Der Schausteller verzeichnet seit mehr als einem Jahr nahezu einen Totalausfall bei den Einnahmen, weil coronabedingt alle Veranstaltungen abgesagt wurden. In Kamen versuchte er mithilfe der Stadt, die ihm eine Ausnahmegenehmigung erteilte, den Neustart. „Wir klammern uns an jeden Strohhalm“, sagte Sperlich Mitte Juni. Zuletzt ist er morgens nur noch mit Unbehagen zum Alten Markt gekommen. „Ich habe immer gleich Ausschau gehalten, was als nächstes kaputt gemacht worden ist.“

Bedauern über Rückzug der Schaustellers

Die Stadt Kamen bedauert den Rückzug des Schaustellers. „Das tut uns von Herzen Leid, weil wir wissen, wie schwer das Jahr für die Schausteller war“, so Sprecher Rüdiger Büscher. Anders als bei der Winterwelt, wo es einen Sicherheitsdienst gibt, werde der Alte Markt nicht 24 Stunden täglich überwacht. Der Ordnungsdienst sei trotzdem verstärkt vor Ort. „Aber nicht 24 Stunden an sieben Tagen die Woche.“

Vandalismus ist zurzeit ein großes Thema in Kamen-Mitte: Wie an der Maibrücke mit den demolierten Reparaturstationen für Räder oder im Sesekepark mit ausgekippten Reparaturmaterialien auf dem Spielplatz.

Bei der nächsten Winterwelt dabei

Für Sperlich steht fest, dass er trotz der unerfreulichen Vorfälle der Stadt Kamen die Treue halten wird. „Bei der nächsten Winterwelt bin ich wieder dabei.“ Jetzt aber fehlt ihm etwas. „Jetzt gibt es erst einmal gar nichts.“

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1968, aufgewachsen in mehreren Heimaten in der Spannbreite zwischen Nettelkamp (290 Einwohner) und Berlin (3,5 Mio. Einwohner). Mit 15 Jahren erste Texte für den Lokalsport, noch vor dem Führerschein-Alter ab 1985 als freier Mitarbeiter radelnd unterwegs für Holzwickede, Fröndenberg und Unna. Ab 1990 Volontariat, dann Redakteur der Mantelredaktion und nebenbei Studium der Journalistik in Dortmund. Seit 2001 in Kamen. Immer im Such- und Erzählmodus für spannende Geschichten.
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Carsten Janecke

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